VCD-Auto-Umweltliste: Abwrackprämie führt zu Ökoauto-Delle

Von Jürgen Pander

Im Ökoauto-Ranking des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) belegen Hersteller aus Japan die vorderen Plätze. Allerdings leidet der Absatz spritsparender Hybridautos - wegen der Abwrackprämie kauften Konsumenten 2009 eher preiswerte Modelle mit herkömmlichem Antrieb.

Die fünf Milliarden Euro sind bald ausgegeben, dann wird die Bundesregierung zwei Millionen Mal je 2500 Euro an Autofahrer ausgezahlt haben, die ihren alten Pkw zum Schrottplatz gebracht und dafür einen Neuwagen gekauft haben. Umweltprämie wurde der Bonus offiziell genannt, doch ehrlicher ist der Begriff Abwrackprämie. Denn gezahlt wurde das Geld für die Verschrottung des Altautos; wie umweltfreundlich der Neuwagen ist, spielte keine Rolle.

Die Chance, den Klimaschutz durch die Verkaufsförderung von sparsamen und schadstoffarmen Fahrzeugen voranzutreiben, blieb ungenutzt. Ein Beispiel: Das Hybridauto Toyota Prius. Das aktuelle Modell Prius III mit einem Durchschnittsverbrauch von 3,9 Liter Benzin je 100 Kilometer steht auf Platz eins der neuen Auto-Umweltliste des VCD. Im vergangenen Jahr hatte diese Position der Prius II inne (Durchschnittsverbrauch 4,3 Liter).

Interessierte das die Abwrack-Kundschaft? Eher das Gegenteil war der Fall. Während allerlei Klein- und Kompaktwagen mit Allerweltsmotoren dank des Staatszuschusses kräftig zulegten, sackten die Verkäufe des Prius heftig ab. 1555 Modelle wurden in Deutschland von Januar bis Juli 2009 neu zugelassen, vermelden die Statistiker des Kraftfahrt-Bundesamts in Flensburg. Das waren 28 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, als bis Ende Juli bereits 2159 Prius verkauft worden waren. Und die Nummer drei der aktuellen Umweltliste, das Hybridmodell Honda Insight, kam in den ersten sieben Monaten 2009 auf lediglich 840 Neuzulassungen in Deutschland. Eine Öko-Wende auf den Straßen sieht anders aus.

Immerhin bewegt sich die Neuwagenflotte insgesamt in eine verträglichere Richtung. Nach VCD-Angaben lag der CO2-Ausstoß aller in Deutschland neu zugelassenen Autos im Sommer dieses Jahres bei 155 Gramm pro Kilometer. Das ist zwar noch weit von dem angestrebten EU-Ziel von 130 Gramm entfernt, aber der Durchschnitt liegt doch um zehn Gramm niedriger als im Gesamtjahr 2008. Das liegt vor allem daran, dass nahezu alle Hersteller inzwischen erkannt haben, dass es eine wachsende Nachfrage nach sparsamen und praktischen Modellen gibt.

Autobauer reagieren auf eine veränderte Nachfrage

Lob verteilen die VCD-Experten zum Beispiel an VW, weil sich das Angebot der Marke aus Wolfsburg gegenüber dem Vorjahr am stärksten in Richtung Umweltverträglichkeit verbessert hat. Beispielhaft wird etwa der VW Passat Blue Motion TDI genannt, der als einer der ersten Familien-Diesel-Pkw die Schadstoffnorm Euro-6 erfüllen wird. In die Bewertung der Fahrzeuge und damit in die Rangfolge der Umweltliste fließen mehrere Parameter ein: darunter der CO2-Ausstoß, die Emissionen von Stickoxyden (NOx), der Partikelausstoß sowie die Lärmbelastung.

Das erste und bislang einzige Hybridmodell aus deutscher Produktion, der Mercedes S 400 Hybrid, taucht übrigens auch in der Auto-Umweltliste auf. Mit einer Gesamtpunktzahl von 2,08 (von 10 möglichen Punkten) erhält die Luxuslimousine jedoch die Bewertung "Auto aus Umweltsicht fragwürdig". Zahlreiche Modelle mit konventionellerer Technik schneiden um ein Vielfaches besser ab.

Fazit des VCD: "Niemand muss heute noch einen Pkw kaufen, der mehr als fünf Liter Sprit oder eine entsprechende Menge Gas verbraucht. Auch dann nicht, wenn die Familie drei Kinder hat, der Papa 1,95 groß und beruflich viel mit drei großen Musterkoffern auf der Autobahn unterwegs ist."

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  • Datum: Dienstag 18.08.2009 | 12:31 Uhr
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