General Motors: Twitter-Nutzer befördern Buick-Geländewagen in die Schrottpresse

Von Tom Hillenbrand

Eigentlich wollte General Motors unter seiner Marke Buick 2011 einen Hybrid-Geländewagen auf den Markt bringen. Jetzt hat der US-Autobauer das Projekt eingestampft. Grund ist negatives Feedback auf Twitter: Dort avancierte der glücklose Allradler zum meistgehassten Auto des Web.

Buick Crossover: Eines der bislang schwergewichtigsten Opfer twitternder VerbraucherZur Großansicht
AFP

Buick Crossover: Eines der bislang schwergewichtigsten Opfer twitternder Verbraucher

Hamburg - Autokonzerne neigen zur Geheimniskrämerei. Sie verstecken ihre Prototypen unter Aufklebern und Aufbauten und machen um jedes neue Modell ein ähnlich großes Bohei wie Steve Jobs um Apples Computer. Informationen zu neuen Modellen gibt es häufig erst, wenn das Fahrzeug bereits kurz vor der Serienfertigung steht. Wenn Fehler in der Produktstrategie zu Tage treten, ist es somit oft schon zu spät.

Der nach seiner Insolvenz wieder erstandene US-Autoriese General Motors (GM) möchte mit dieser hermetischen Tradition brechen und mehr mit seinen Konsumenten diskutieren. In einem ersten Schritt lud der Konzern deshalb kürzlich Kunden, Mitarbeiter, Händler und Journalisten in sein Allerheiligstes ein - das Designzentrum. Dort zeigte GM geplante Fahrzeuge, die sich teilweise noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befanden - und bat um Feedback.

Davon bekam GM eine Menge.

Blogger sowie Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter schossen sich umgehend auf eines von GM gezeigten Modelle ein: einen Crossover der Edelmarke Buick. Ähnlich wie das GM-Modell Chevy Volt sollte der Geländewagen einen Hybridantrieb nebst Steckdose besitzen.

Dass der fragliche Buick-SUV zweifelsohne kein schönes Auto ist, war noch das geringere Problem. Was Buick-Fans auf die Palme brachte, war eher der Stammbaum des Allradlers. Ursprünglich hatte GM den Wagen unter der Marke Saturn verkaufen wollen. Als Name war Vue vorgesehen.

Weil die Marke Saturn im Rahmen des Insolvenzprozesses jedoch aufgegeben wurde, machten die GM-Produktplaner aus dem Saturn Vue kurzerhand einen Buick. Das ist in etwa so, als ob man einen Mercedes-Stern an einen Seat Ibiza pappt.

Rebadging erzürnt Kunden

Eigentlich ist der Vorgang in der globalen Autoindustrie Gang und Gäbe; Experten sprechen von badge engineering. Für die erzürnten Fans war der Buick dennoch ein schlimmer Sündenfall. Gerade durch dieses Rebadging hat GM nämlich in der Vergangenheit mehrere seiner Marken fast ruiniert - als krassestes Beispiel gilt Saab.

Nun, so argumentiert etwa der Marketing-Blogger Joel Feder, mache GM wieder dieselben Fehler. Der Buick-SUV sei "wirklich unansehnlich und das Rebadging erinnert mich an jene Dinge, die am alten GM falsch waren". Viele andere Menschen sahen das ähnlich. Auf Twitter wurde das Thema "Vuick" (eine Kombination aus Vue und Buick) zum Trendthema. Die Kommentare waren eindeutig: "Er ist widerwärtig." und "Der Vuick muss sterben!"

Das tat er dann auch, und zwar schneller, als die meisten erwartet hatten. Im GM-Firmenblog Fast Lane erklärte Vizechef Tom Stephens, man sei "überrascht gewesen, wie konsistent die Kritik ausfiel". Deshalb habe man kurzerhand beschlossen, das Auto nicht zu bauen. Auf Twitter brach umgehend Jubel aus: "Der Vuick ist tot! Lobet den Herrn!"

GM-Veteran Stephens war nach eigenen Angaben selber überrascht, wie schnell das Projekt beerdigt worden sei. "In der Vergangenheit hätten wir für diese Entscheidung mehrere Monate benötigt, mit einem Meeting nach dem anderen."

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 3 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
23.08.2009 von zoola: Kunden mitentscheiden lassen

Ich sehe hier eine meiner Meinung nach positive Tendenz: Die Einbeziehung des potenziellen Adressaten, kurz: des Kunden, in die Produktentwicklung. Und zwar just-in-time. Moderne Medien, verteilte Netzwerke, potente Technologien [...] mehr...

21.08.2009 von scoopx: Hurrah!

Das ist das Amerika, das ich liebe!! The "Vuick" is dead. Ja, diese Reaktion, die Leidenschaft, das Spontane, es erinnert mich an die "Honk for Impeachment"-Kampagne gegen Nixon 1973/4. Washington war [...] mehr...

21.08.2009 von dmu: was ist das nächste Auto ?

Wunderschön! Selten so gelacht! "Darf ich vorstellen: Der Kunde!" Und dabei haben doch sicher intern alle im Vorfeld den Chefs bestätigt das werde ein "outstanding car" und "exciting product". GM [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
alles zum Thema General Motors

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


  • Datum: Freitag 21.08.2009 | 16:03 Uhr
  • Artikel drucken
  • Artikel versenden
  • Feedback
  • Kommentieren | 3 Kommentare

Twitter

Prinzip

zu Deutsch zwitschern oder schnattern, ermöglicht es, kurze Textnachrichten als Mikroblog per SMS, Instant Messaging oder Web-Oberfläche zu veröffentlichen. Andere Nutzer können diese Meldung beispielsweise mit ihrem Mobiltelefon oder RSS-Reader verfogen. Der Dienst heißt Twitter, die SMS-ähnlichen Nachrichten Tweets. mehr zu Twitter auf der Themenseite

Geschäft

Dienste von SPIEGEL ONLINE

TOP



TOP