LA Design Challenge: Coole Karren für die Generation 2.0

Von Tom Grünweg

Ob aus Los Angeles, Berlin oder Tokio - Trendforscher melden fast unisono, dass Jugendliche die Lust am Auto verlieren. Das Internet und seine sozialen Netzwerke sind offenbar dabei, das Freiheits-Versprechen des Pkw zu ersetzten. Jetzt bäumen sich Autodesigner dagegen auf.

L.A. Design Challenge: Autofahren 2.0
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"Teenager haben kein großes Interesse mehr an Autos ", fasst Trendforscher François Bancon eine Studie im Auftrag des Autoherstellers Nissan zusammen. Autos seien einfach kein Bestandteil ihrer Kultur mehr. Bancon: "Junge Leute sehen die Welt durch den Computer, bewegen sich im Internet statt auf der Straße und sind nicht an Produkten, sondern Erlebnissen interessiert."

Für Autofirmen muss das alarmierend sein. Und zumindest in den Designstudios, die sich mit Fahrzeugen für die nächsten 20 oder gar 30 Jahre beschäftigen, wird auf diese Entwicklung auch reagiert. Zu sehen ist das unter anderem an sechs Entwürfen, die es in die Endauswahl der Los Angeles Design Challenge geschafft haben. Der Kreativwettbewerb ist alljährlich Teil der Anfang Dezember stattfindenden Los Angeles Autoshow (in diesem Jahr 4. bis 13. Dezember).

Die Zukunfts-Mobile des diesjährigen Wettbewerbs stammen allesamt von Trendscouts der Fahrzeughersteller, die in Kalifornien den neuesten Moden nachspüren und die US-Westküste so zu einem Brennpunkt des Autodesigns gemacht haben. Nachdem in den vergangenen Jahren Stadtfahrzeuge oder Sportwagen das Thema waren, galt die Aufmerksamkeit diesmal einer Generation von künftigen Autofahrern, für die Mobiltelefone, Online-Gemeinschaften und Webcams selbstverständlich sind: Autos für die Generation 2.0.

"Autodesigner waren schon immer interessiert an den Autofahrern von morgen. Diesmal haben wir sie aufgefordert, sich auf diesen neuen Kundentypus einzulassen und das Auto gründlich zu überdenken", sagt Mitorganisator Chuck Pelly, der überzeugt ist, dass das Auto auch im Jahr 2030 noch als Ausdruck der Persönlichkeit taugt und als cool gelten kann - wenn nur die Idee dahinter stimmt.

Bei Honda etwa erdachten die Voraus-Designer ein Auto, das an die menschliche DNA gekoppelt ist und in der Zukunftsstudie Helix das Interieur in Form, Farbe und Funktion nach dem Erbgut des Fahrers ausrichtet. Von Toyota wiederum kommt der Vorschlag einer Karosseriehülle, die vom späteren Nutzer des Modells Link im Internet konfiguriert und dann über den Einsitzer gezogen wird. Vollkommen in der virtuellen Welt soll nach dem Willen seiner Schöpfer der Mazda Souga entstehen, den der Kunde gemeinsam mit einem elektronischen Designmentor auf einer eigenen Internetplattform entwickelt.

Wo ein Wille ist, soll bei Audi irgendwann einmal auch ein Weg sein

Dass auch bei der Funktion noch vieles möglich ist, zeigt Audi mit den Studien eOra und eSpira: Der eine Wagen ist ein Einsitzer, mit dem man sich - wohlbehütet von einem Karbonkokon und sicher auf vier Rädern - in die Kurve legen kann wie ein Motorradfahrer; der andere ist eine futuristische Flunder, die man auf eine neue Art steuert. Schon eine kleine Bewegung oder eine Geste reicht aus, um beim eSpira Rasanz und Richtung vorzugeben. So wollen die Designer Fahrspaß neu definieren.

Außerdem kümmern sich die Kreativen auch um das große Ganze. Zumindest die Welt des Individualverkehrs soll durch saubere Antriebe und intelligente Verkehrskonzepte etwas besser werden. Der Nissan V2G ist beispielsweise ein ebenso massentauglicher Elektropendler wie der Toyota Link, der ständig online in ein soziales Transportnetz eingeklinkt ist. Und natürlich fahren auch Mazda Souga, Honda Helix und die beiden Audi-Studien mit sauberem Strom statt Sprit.

Im Computerspiel kann der Fahrer die Kontrolle zurückerobern

Vielleicht am besten auf die Generation der Computerfans zugeschnitten ist der sogenannte Car Hero aus dem GM-Designstudio, in dem Autofahren vollends zum PC-Spiel wird. Sobald der Fahrer das Ziel ins Navigationssystem tippt, beginnt ein Wettkampf zwischen Mensch und Maschine, der mit jedem Level abenteuerliche Szenarien bereithält und nur demjenigen die volle Kontrolle über seinen Wagen gewährt, der sich auch in der virtuellen Welt am besten bewährt.

Wem das zu viel ist, für den haben die Ausrichter des Wettbewerbs eine Rückfallebene in die Realität eingebaut. Denn gezeigt werden diese Visionen nur als originalgroße Skizzen auf dem Messegelände. Und Papier ist bekanntlich sehr geduldig.

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  • Datum: Mittwoch 04.11.2009 | 11:33 Uhr
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