US-Tuningmesse Sema: Das muss kesseln

Von Jürgen Pander

Automessen waren jüngst eher harmlose Veranstaltungen. Die Hersteller übten grüne Gesten, neue Modelle wurden gar zu Klimaschutz-Gefährten stilisiert. Derlei Verbrämungen gibt es nicht bei der Sema, der größten Tuningmesse der Welt, die gerade in Las Vegas stattfindet.


31,85 Milliarden Dollar - so gewaltig ist der Umsatz, den die US-amerikanische Tuningbranche nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr machte. Alljährlich im November, wenn für die Schrauber, Schweißer und Bastler die Saison der ölverschmierten Hände beginnt, hält der US-Tuning-Verband Sema (Speciality Equipment Market Association) seine zentrale PS-Feierlichkeit ab, die Sema-Show im Las Vegas Convention Center.

Seit 1967 gibt es diese Veranstaltung, die übrigens keine öffentliche Messe ist, sondern ein reiner Branchentreff, auf dem Hersteller, Tuner, Händler und zahlreiche professionelle Hinterhof-Schrauber sowie die einschlägigen Medien unter sich sind. In diesem Fall bedeutet das jedoch keineswegs geschäftsmäßige Routine, sondern im Gegenteil höchst spektakuläre Erscheinungen, schrille Auftritte und vor allem Autos, die vor lauter Coolness eigentlich Gefrierschränke sein müssten. Sema-Verantwortliche hören es gern, wenn man von der Show als der "Fashion Week" der Autoindustrie spricht.

Auf 180.000 Quadratmetern breiten Tuningspezialisten aller Art ihre Neuheiten in diesem Jahr auf der Sema aus; zum Vergleich: die Ausstellungsfläche der IAA im September diesen Jahres betrug rund 190.000 Quadratmeter. In Las Vegas ausgebreitet sind vor allem Autos, die angesichts der aktuellen Diskussion um Elektromobilität und Verbrauchsminimierung wirken wie Relikte aus einer anderen Zeit.

Die Firma Specter Werks etwa zeigt eine Corvette GTR mit 7-Liter-V8-Doppelturbo-Motor, der 800 PS leistet und den Supersportwagen auf Karbonrädern in nahezu nullkommanix auf Touren bringt. Der Tuner Moparized stellt einen Dodge Challenger mit übergroßem, mattschwarzen Heckflügel auf 20-Zoll-Räder; und Hennessey pflanzt einen 500 PS starken Turbomotor in die mattschwarze Karbon-Karosserie eines ursprünglich mal als Hyundai Genesis Coupé verkauften Autos.

Zartes Grün sprießt auch zwischen den schrillsten Vollgas-Modellen

Die Aufzählung könnte noch lange so weitergehen, doch selbst auf der Sema in Las Vegas gibt es erste Anzeichen für ein zartes Grün in der Tunerszene. Das klassische Motto der Motoren-Scharfmacher, "Hubraum ist nur durch Hubraum zu ersetzen" ("there's no replacement for displacement"), gilt nicht mehr uneingeschränkt. Die Hot-Rod-Spezialisten Detroit Street Rods zum Beispiel stellen einen Ford von 1934 als Hot Rod vor, der unter der Motorhaube ein für diese Fahrzeugart untypisches V6-Triebwerk trägt. Bei der Maschine handelt es sich um den 3,5-Liter-Twinturbo-Motor von Ford aus der neuen Ecoboost-Serie. Das Aggregat verfügt über Benzindirekteinspritzung und leistet rund 400 PS. "Bislang", heißt es bei Detroit Street Rods, "mussten wir für dieses Leistungsniveau auf sehr viel spritdurstigere V8-Motoren zurückgreifen."

Sogar Dieselmodelle werden von den US-Tunern inzwischen wahrgenommen. Aktuell etwa ein BMW 335d, mit 265 PS starkem Reihensechszylinder-Selbstzünder, der von Local Motors zu einem sogenannten Rallye-Fighter aufgemöbelt wurde. Und: Mindestens ein E-Rod, ein Hot-Rod-Modell mit Elektromotor, zeigt auch auf der Sema, wo die Reise hingehen könnte. Demnächst werden vermutlich noch viel mehr Starkstromelektriker in der Tuningszene mitmischen. Und eine coole Airbrush-Lackierung dürfte auch einem abgasfreien E-Sportwagen gut stehen.

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  • Datum: Mittwoch 04.11.2009 | 15:01 Uhr
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