2008 glänzte die Eicma noch mit Superlativen: über 1000 Aussteller aus 30 Ländern und knapp eine halbe Million Besucher. In diesem Jahr kommt die letzte Leitmesse der Motorradbranche - die "Mondial du Deux Roues" in Paris im Oktober wurde kurzfristig abgeblasen - bescheidener daher.
Die Bereitschaft der Hersteller und Händler, sich einen fulminanten Messeauftritt zu gönnen, tendiert gegen Null. Denn die Kosten sind immens: Ein einwöchiger Mega-Stand verschlingt einen sechst- bis siebenstelligen Euro-Betrag. Viele Hersteller in den USA, aus Italien und Japan können sich solche Summen schlichtweg nicht mehr leisten, wenn die Verkäufe teilweise bis zu 50 % weg gebrochen sind. Die Branche geht durch ein tiefes Tal der Tränen; Marken wie Buell und Produktionsstandorte werden zur Zeit kurzer Hand dicht gemacht, die Belegschaft ist auf kurzarbeit. Die Zahl der Aussteller ist deshalb schmerzlich geschrumpft und mit Yamaha und Honda fehlen gleich zwei der vier großen japanischen Motorradbauer in Mailand.
Futter für das Premierenpublikum
Dennoch: Auch in diesem Jahr wird es Premieren geben. Mit dabei ist BMW, das den Elektroroller C1-E bereits gezeigt hat, eine Neuauflage des Dauerbrenners R 1200 GS vorstellt und vollmundig ankündigt, dass "mehrere BMW-Motorräder Weltpremiere" haben sollen.
Das Heimspiel lassen sich auch die Italiener nicht nehmen: Obwohl Moto Guzzi notorisch klamm ist und Moto Morini von heftigen Finanzproblemen geplagt nach neuen Investoren sucht, haben beide Updates der bewährten Modelle wie der Norge und Gran Passo angekündigt. Aprilia aus dem Piaggio-Konzern trumpft auf mit der Straßenversion der Rennmaschine aus der World-Superbike-Serie, der brachialen RSV4 R.
Aus dem Werk von Ducati in Bologna sind bereits Bilder einer kleinen Hypermotard 796 gesickert und eine völlig neue Multistrada 1200 hat sicher das Zeug, mal wieder den Titel "Best Bike of Show" für die Ducatisti einzuheimsen. MV Agusta, vom Besitzer Harley-Davidson nach nur 16 Monaten wieder zum Verkauf angeboten, will geliftete Naked Bikes Brutale 990 R und 1090 RR und eine neue F4 zeigen. Die Konzernmutter Harley rollt vier neue Oldtimer, unter anderem eine Electra Glide, eine Dyna Wide Glide und eine Fat Bob Special auf den Laufsteg.
KTM wird mit Sicherheit eine neues Crossmodell und eine runderneuerte 690 Duke R zeigen; gespannt ist man auf die ersten Gehversuche der Österreicher im Bereich Elektro-Bikes. Triumph hingegen baut mit der Rocket III Roadster weiter auf bewegte Masse.
Der Mut zur Lücke
Die größten Gewinner der Show könnten Suzuki und Kawasaki werden. Im Gegensatz zu den Konkurrenten Yamaha und dem Branchenprimus Honda zeigen die beiden japanischen Hersteller Präsenz und verweisen gleichzeitig, in welche Richtung die Modellpolitik in Zukunft gehen kann: Kontinuität bei den Verkaufsrennern und Modellpflege im Massenmarkt. Suzuki hat die neuen verfeinerten Banditmodelle GSF1250 und GSX1250 und einen M800-Cruiser bereits auf der IAA kurz vorgeführt. Kawasaki setzt auf aktuelle Versionen der bewährten Versys, der Ninja ZX-10R und des Tourenschiffs 1400GTR.
Dass Honda und Yamaha fehlen, ist schade: Yamaha, dessen italienisches Werk angeblich auf der Kippe steht, könnte positive Marktimpulse dringend gebrauchen. Und Honda hätte Bemerkenswertes vorzuweisen. Zumindest die brandneue VFR1200F wird den Markt der Highend-Sporttourer aufmischen. Mit dem völlig neu entwickelten V4-Motor, einem vollautomatischen Doppelkupplungs-Getriebe und jeder Menge Elektronik setzt das Flagschiff neue Standards.
Das tut Honda übrigens auch in einem ganz anderen innovativen Zweirad-Bereich, der in Mailand stark vertreten sein wird: Die Super Cub, mit einer Stückzahl von über 60 Millionen das meist produzierte Motorradmodell der Welt, wurde kürzlich auf der Tokyo Motor Show als EVE-Cub in der Elektro-Version vorgestellt. Da spielt die Musik.
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