Von Hasnain Kazim, Islamabad
Mohammad Shafique macht große Augen: "Abwrackprämie? Geld für das Verschrotten von Autos, die gerade mal neun, zehn oder 15 Jahre alt sind? Und so etwas gab es mal in Deutschland?" Der 32-Jährige denkt nach, dann werden seine Augen noch größer. "Der Staat hat einem 2500 Euro, also mehr als dreihunderttausend Rupien gezahlt, wenn man sein gerade einmal..." Er redet nicht weiter, schüttelt den Kopf. "Unfassbar!"
Shafique betreibt eine kleine Autowerkstatt in Islamabad, so groß wie eine Garage. Die Regale biegen sich unter der Last des Gerümpels, an den Wänden hängen Fotos von Porsches, Ferraris und Lamborghinis - Autos, die in den zehn Jahren seit dem Bestehen von "Shafique Auto Mobile" wohl nicht einmal in die Nähe dieses Betriebs gekommen sind, geschweige denn von Shafique repariert wurden. Doch diese Sportwagen sind Shafiques Traum. Außerdem ist er ein selbstbewusster Mann, er hat irgendwo einen Slogan aufgeschnappt, den er nun für seine Firma verwendet: "Leader in World Quality".
Der kleine Betrieb ist, wie viele Werkstätten in armen Ländern, ein Reparaturgroßmeister: Da werden völlig zerbeulte Autos aufgemöbelt, aus Teilen mehrerer Wagen wird eine neue Karosserie zusammengeschweißt, oder es wird ein Pkw von 1982 so bearbeitet, dass er am Ende aussieht wie ein Modell von 1992. "Es gibt Leute, die für so eine Verjüngungskur viel Geld zahlen", sagt Riaz Ahmed, 30, ein Cousin von Shafique, der ebenfalls in der Werkstatt arbeitet. Er grinst. "Wir können auch den Tachometer auf null stellen."
Autos fahren auch ohne Karosserie
In Zentral- und Südasien fahren Autos, die 30, 40 Jahre und älter sind. In Gegenden mit weniger Polizeikontrollen sind sogar Pkw ohne Karosserie unterwegs: nur ein Fahrgestell, darauf vier Sitze, ein Lenkrad, fertig. Vielleicht wurde der Aufbau einmal bei einem Unfall zerstört und der Autobesitzer konnte sich keinen neuen leisten. Oder er hat die Karosserie verkauft, weil er Geld brauchte. Das Auto fährt ja auch ohne.
Leute wie Shafique zerlegen ein schrottreifes Metallknäuel in seine Einzelteile. Jede Schraube findet Verwendung, jedes Ventil kann noch mal irgendwo eingebaut werden. Brauchbare Kleinteile werden in einem Pappkarton im Werkstattregal aufbewahrt. Die meisten Ersatzteile, sagen pakistanische Werkstattbetreiber, kommen illegal über die Grenze: Schmuggelware aus Afghanistan und Iran. "Oft werden Unfallwagen aus Pakistan zum Auseinandernehmen nach Afghanistan gebracht, dort sind die Leute spezialisiert im Zerlegen. Die machen das viel professioneller als wir", sagt Riaz Ahmed. Die Einzelteile kommen dann wieder zurück und gelangen in den Großstädten auf den Markt, wo Händler Türen, Rückspiegel, Kotflügel und Windschutzscheiben an die Werkstattbetreiber verkaufen.
Man kann einen fünf Jahre alten Wagen ohne Wertverlust verkaufen
Grund für diesen florierenden Kreislauf ist die Autoknappheit. Der pakistanische Verband der Automobilindustrie Pama beklagt ein "stark sinkendes Volumen an verfügbaren Kraftfahrzeugen", verbunden mit einem "rasanten Preisanstieg". So hätten im Juni 2009 etwa 50 Prozent weniger Fahrzeuge bei den Händlern gestanden als noch ein Jahr zuvor, der Import habe abgenommen, ebenso die Produktion in Pakistan - unter anderem haben Toyota und Suzuki hier Standorte. In Pakistan gebe es "Probleme mit der öffentlichen Ordnung", steigende Zinsen und ein Zögern der Banken, Autokäufe zu finanzieren, heißt es in einer Pama-Mitteilung. Außerdem habe die Rupie in den vergangenen 16 Monaten 39 Prozent gegenüber dem Dollar verloren, während der japanische Yen um 63 Prozent zugelegt habe - und da die Japaner den pakistanischen Automarkt beherrschen, habe das zu Preisexplosionen geführt.
"Einen Neuwagen, den man vor fünf Jahren gekauft hat, kann man jetzt ohne Wertverlust verkaufen", sagt Shafique. "Viele kaufen ein gebrauchtes Modell, da die Neuwagenpreise in die Höhe geschossen sind." Ein neuer Suzuki Mehran, mit Abstand das meistverkaufte Modell in Pakistan, kostet derzeit umgerechnet etwa 5500 Euro.
Kunden werden zum Mittagessen eingeladen
Die Autos vor Shafiques Werkstatt würde man in Deutschland getrost als Schrott bezeichnen: rostige, klapprige Dinger, zerbeulte, zerknautschte Kisten, Autos ohne Türen, mit eiernden Rädern und besorgniserregend knatterndem Motor, wenn er denn überhaupt noch funktioniert. "Das Geschäft läuft super", sagt der Chefschrauber, während er sich mit seinen Mitarbeitern um seinen Schreibtisch zum Mittagessen versammelt. Dort stehen Schalen mit Currys, die jemand aus einem Restaurant geholt und mit einem Schweißgerät heiß gemacht hat. Die gemeinsame Speise ist ein Ritual, und wenn gerade ein Kunde vorbeischaut, darf er mitessen.
"Jeden Tag kommen mindestens fünf oder sechs Autos rein. Wir arbeiten täglich außer sonntags, meist bis spät in die Nacht hinein." Neben seinem Cousin beschäftigt er noch drei angestellte Mechaniker, kaum älter als 16 Jahre. "Ich selbst habe nur vier Jahre die Schule besucht und mit zehn Jahren in einer Werkstatt angefangen", erzählt Shafique. Nach zehn Jahren Erfahrung gründete er sein eigenes Unternehmen. Das, sagt er, werde er "hoffentlich bis zum Lebensende" weiter betreiben. Und er werde dafür beten, dass es in Pakistan niemals so etwas wie eine staatliche Prämie für alte Autos gibt.
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Heutige Fahrzeuge sind technisch unterdimensioniert, zu stark integriert, zu komplex und haben eine sehr eingeschränkte Lebensdauer bei grossem Wertverlust. Die Ersatzteilversorgung wird nach 10-12 Jahren eingestellt - oft sind [...] mehr...
Tja, dann wären aber viele Mtarbeiter in den Pakistanischen Werkstätten "freizustellen", weils nichts mehr zu tun gibt für alle. Was DAS dann vor Ort für die Betroffenen bedeuten kann, können Sie dann bestimmt nicht [...] mehr...
...wieso man die verschrottet hat und nicht an die 3. Welt weiterverkauft hat. Die Autos waren 1.000%ig besser als die, die da noch fahren. Und die, die's gemacht haben, also die Autos nicht verschrottet, sondern in die 3. Welt [...] mehr...
Tja, statt die einwandfreien 5-10 Jahre alten Neuwagen in die Presse zu jagen, wäre es wohl sinnvoller gewesen, sie einfach nach Pakistan weiter zu verschenken. Würde sicher vielen Menschen das Leben retten und weniger CO2 als die [...] mehr...
Alles richtig, ich erinnere das es jemanden gab der für alle KFZ, ob Old oder Youngtimer mit dem jeweils "neusten" Kat ausrüsten konnte. Das Ganze ist aber dann auch auf Druck anderer, speziell auch der [...] mehr...
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