Von Tom Grünweg
Der tiefere Grund für diese Wahnsinnstat war Langeweile. Schröer, im Normalberuf Smart-Händler, fährt in seiner Freizeit Beschleunigungsrennen auf der Viertelmeilen-Distanz. Er gewann fast immer, gegen seinen Rennwagen, eine Dodge Viper, hatte kaum ein Konkurrent eine Chance. "Das hat irgendwann einfach keinen Spaß mehr gemacht", sagt er. Deshalb sei, aus einer Laune heraus, die Idee vom Super-Smart entstanden, der es in einem klassischen David-gegen-Goliath-Konflikt den Großen aus Maranello oder Zuffenhausen mal so richtig zeigen könne.
Schröer entkernte daraufhin einen Smart-Unfallwagen und pflanzte dort den Motor einer Kawasaki Ninja ZX-10R ein - ein Motorrad-Aggregat mit vier Zylindern, 998 Kubikzentimeter Hubraum und schon ab Werk mit mindestens 188 PS. Mit einem neuen Chip und ein bisschen Feinschliff leistet der Motor jetzt "solide 210 PS" und macht einen Krach wie ein Kampfjet beim Start. Schon lange bevor man den von außen unscheinbaren Smart überhaupt sehen kann, hört man ihn bereits. Und wenn er längst außer Sicht ist, bleibt ein Fiepen im Ohr zurück.
Fertig war der Kraftzwerg vergleichsweise schnell, berichtet Schröer. "Obwohl ich das ganze Heck ausräumen und sogar die Trennwand zum Innenraum versetzen musste, war ich in drei Monaten fertig." Danach begannen die Probleme: Der Vierzylinder im Heck hatte einfach zu viel Kraft. Bei jeder Probefahrt ging irgendetwas kaputt, einmal riss sogar die Antriebskette und flog quer durchs Auto. "Das hat mich mein Glasdach gekostet", sagt Schröer, der danach tagelang die Scherben aus dem Kleinwagen klaubte. Erst als er sich in der Dragster-Szene kundig gemacht und für 10.000 Euro Spezialteile aus den USA kommen lassen hatte, brachte er den Wagen zuverlässig zum Laufen.
Seitdem ist der Smart der gefürchtete Star jedes Rennens. Wenn Schröer im Leerlauf bis 12.500 Touren dreht und dann mit einem Knopfdruck am Lenkrad und einem kräftigen Kupplungstritt den ersten Gang reinknallt, wird der Kleinwagen zur Kanonenkugel: Aus dem Auspuff schießen Flammen, die Räder verschwinden im Rauch, und in nur 3,2 Sekunden ist Tempo 100 erreicht - "wenn der Asphalt genug Grip hat", schränkt Schröer ein, "und wenn die Reifen frisch sind." Nach spätestens zehn Starts muss er hinten neue Gummis aufziehen.
Der Spaß, mit einem Smart Ferrari- oder Porsche-Renner abzuhängen
Wenn alles gut läuft, legt Schröer die Viertelmeile in kaum mehr als 13 Sekunden zurück. Sein bisheriges Auto, die Dodge Viper war schon nach zwölf Sekunden über der Ziellinie; "doch ein Ferrari F 430 braucht 14,6 und ein Porsche 911 sogar 15,1 Sekunden", freut sich der Tuner, der mit dem Smart die Konkurrenz regelmäßig zur Weißglut bringt. Federleicht und bärenstark - an dieser Kombination beißen sich auch die sonst Schnellsten die Zähne aus. Schröer hat schon Porsche-Fahrer weinen sehen, doch im Grunde ist der Vollgas-Smart ein Sympathieträger. "Gegen so ein Auto verliert man lieber als gegen Corvette oder Mustang", hat er beobachtet.
Für den Alltagsverkehr taugt das kurze Kraftpaket nicht mehr. Zwar gibt es noch einen Beifahrersitz, doch für eine entspannte Kaffeefahrt ist der Wagen zu eng und zu laut. Außerdem ist man notorisch zu schnell; und zwar nicht nur, weil der Feger statt des Tachos nur noch einen Drehzahlmesser hat. Sondern vor allem, weil er mit dem richtigen Getriebe deutlich über 200 km/h schnell ist und auf der Autobahn so manchen BMW- oder Mercedes-Fahrer zur Verzweiflung bringt. "Ich kenne weltweit keinen Smart, der schneller ist", freut sich Schröer. Leider kann das Auto vor Kraft kaum normal fahren: Kurven mag es überhaupt nicht, jeder Kanaldeckel könnte es beim Sprint aus der Bahn werfen, und bei Seitenwind hebt der Tiefflieger fast ab.
Der Smart soll jetzt verkauft werden - ein neues Auto soll noch irrer werden
In den letzten Monaten hat Schröer den Smart nur noch selten gefahren. Erstens fehlt ihm die Zeit, und zweitens will er das Auto verkaufen. 20.000 Euro hätte er gerne dafür. "Eigentlich ein Schnäppchen für so ein Auto", sagt der Tuner. Aber auch viel Geld für ein Spielzeug ohne jeden Alltagsnutzen. Schließlich darf man ihn nur auf abgesperrten Strecken oder mit roten Kennzeichen fahren.
Aus dem Verkaufsplänen für den Dragster auf Schröers mentale Genesung zu schließen, wäre allerdings grob falsch. Im Gegenteil. "Ich will noch eine Schippe nachlegen", sagt er und plaudert dann über einen wirklich komplett ausgeräumten Smart, in dem ein von einem Turbo beatmeten Kawasaki-Ninja-Motor mit 330 PS lauert. Während beim aktuellen Auto jedes PS rund 3,2 Kilo bewegen muss, sollen es dann weniger als zwei Kilogramm pro PS sein. Es wäre in etwas das Leistungsgewicht des Bugatti Veyron. Schröer: "Dann geht der Spaß erst richtig los."
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