Neue Werkstoffe im Fahrradbau: Bambus statt Blech

Von Andrea Reidl

2. Teil: Hanfrad aus Osnabrück

Im eigenen Land bekommt Calfee gerade Konkurrenz von Nick Frey. Der 22-jährige Princeton-Absolvent hat während seines Studiums mit Studienkollegen zwei Jahre lang verschiedene Bambusräder entwickelt. Jetzt lässt er sie von einem Geschäftspartner in Vietnam bauen und verkauft sie in Amerika. In Europa fertigt der Fotograf und Industriedesigner Bruno Mares einzigartig schöne Bambusfahrräder auf Nachfrage.

Der Deutsche Nicolas Meyer aus Osnabrück ist noch einen Schritt weiter gegangen. Der Ingenieur und Unternehmer brauchte im Sommer für einen Triathlon ein neues Rad. Da er beruflich täglich mit Faserverbundwerkstoffen experimentiert, konstruierte er eines aus Hanf.

Im Gegensatz zu den Bambusrädern ist die Optik seines Geschosses allerdings gewöhnungsbedürftig. Umringt von anderen Triathlonrädern wirkt es wie der dicke Obelix inmitten leichtfüßiger Tänzerinnen. Doch wie den massigen Gallier sollte man auch das Hanfrad nicht unterschätzen.

Rohstoff aus dem Blumenladen

"Es hat eine viel bessere Vibrationsdämpfung als ein Carbonrad", sagt Meyer. Interessant ist sein Werkstoff-Mix. Hanf als Meterware aus einem Hanfhaus und Bambus aus dem Blumenladen, das sind die Zutaten für Meyers Bike. "60 Prozent Hanf, 15 Prozent Bambus, der Rest ist Carbon und Aluminium", so der Ingenieur.

Der klobige Rahmen erklärt sich durch die Hanffasern. "Wer den Rahmen verstehen will, muss in Seilen denken", sagt Meyer. Seile können Zugbelastung gut aufnehmen, bei Druck biegen sie sich. Damit sich das Sattelrohr, das aus zwei Rohren besteht, beim Fahren nicht verformt, umschließt ein drei Zentimeter breites Band die ovalen Rohre.

Mit einem Rohrdurchmesser von dreieinhalb bis zehn Zentimetern ist das Rad insgesamt wuchtiger als ein Carbon - oder ein Bambusrad. Der größere Durchmesser verleiht dem Rad mehr Steifigkeit. Meyer hat die Hanffasern in duroplastischem Epoxidharz getränkt und um einen Styroporrahmen gewickelt. Schwerer wird der Rahmen dadurch nicht. Er wiegt 1,4 Kilogramm. Damit ist er ungefähr so leicht wie ein guter Aluminiumrahmen.

"Ein Triathlonrad ist nie bequem" gibt Meyer zu bedenken, aber sein Hanfrad sei viel komfortabler und vermindere die Vibrationen viel stärker als sein alter Rahmen. Das dürfte allerdings auch nicht besonders schwer sein. Meyers altes Triathlonrad war 30 Jahre alt - und aus Stahl.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Textes wurde Kalifornien am Atlantik verortet. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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insgesamt 25 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
08.01.2010 von denkmal!: Endlich...

Fahrräder aus Hanf? Langsam kommen wir in der Zukunft an: Auszug aus dem Essay "Stell dir vor..." (Geschrieben 1993) "...Eine neue Zeit hatte sich durchgebrochen. Eine Form von Anerkennung gegenüber der Natur: [...] mehr...

08.01.2010 von kofi atta: Entwicklungshilfe mit Naturstoffen

Ich finde es wirklich sehr interessant, diesen Bericht zu lesen, da ich nun sehe wie weitreichende Wirkungen unsere Arbeit in Afrika hat. Ich habe an dem Projekt Bamboosero mitgewirkt und möchte hier ein paar Antworten auf [...] mehr...

07.01.2010 von koljakuse: Intelligenz benutzen

Wer wird denn gleich andere beschimpfen. Wer keine Ahnung hat, sollte das wenigstens deshalb kundtun, damit man ihm helfen kann, seine Intelligenz kuenftig zu benutzen. Also hier meine Lehrstunde zur Intelligenzbenutzung: 1. [...] mehr...

07.01.2010 von kelcmatej: Alu - Bambus

Im Vergleich zum Aluminium ist die Energiebilanz von Bambus oder Hanf geradezu vorbildlich. Die Gewinnung von Alu ist sehr Energieintensiv. Und die thermische Behandlung ist ja nur eine zusätzliche Möglichkeit. Die größte [...] mehr...

07.01.2010 von prenzberger: Au weh

Der Autor des Artikels möge doch bitte mal ein bisschen Fahrrad fahren, bevor er wieder Artikel zu dem Thema verfasst. Besser dämpfen als ein Carbonrahmen ist nämlich keine Kunst, und Stahl-Rennräder sind alles andere als hart. mehr...

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  • Datum: Mittwoch 06.01.2010 | 11:22 Uhr
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