Von Tom Grünweg
Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass zum Beispiel die Boliden des Mercedes-eigenen Scharfmachers AMG besonders gut laufen. Die Marke hat im Mittleren Osten in diesem Jahr um zehn Prozent zugelegt und stellt mit dem Modell G55 den bei Gargasch meistverkauften Mercedes überhaupt. Auch der neue Flügeltürer läuft bestens. Schon vor der Premiere hatte Gargasch 24 Exemplare des SLS verkauft, insgesamt sollen es im nächsten Jahr mindestens hundert werden.
Autohändler Stathis I. Stathis, der zwei Straßenzüge weiter den größten BMW-Betrieb in den Emiraten leitet, stößt ins gleiche Horn: "Bei den kleineren Baureihen ist das Geschäft schwieriger, aber die großen Autos verkaufen sich wie von selbst", schwärmt Stathis. Der BMW 7er legte gar um 60 Prozent zu und ist mit 640 Zulassungen das meistverkaufte Modell der Firma, gefolgt von den Geländewagen X5 und X6 mit je 600 Verkäufen.
Obwohl es nicht aufs Geld ankommt, zahlt kaum ein Kunde den Listenpreis. Denn ob Apotheke oder Autohaus: "Ein Araber muss handeln und feilschen. Das liegt uns einfach im Blut", sagt BMW-Händler Stathis. Deshalb gibt es immer zwei Preise: Den auf dem Schild und den im Kaufvertrag - beide gleichen sich nie. Andererseits fällt das Rabatteinräumen leicht, denn die wenigsten Kunden kaufen nur ein Auto. "Oft bestellen sie gleich Fahrzeuge für Frauen oder Kinder mit."
Während beim Lack die Allerweltsfarben schwarz, weiß und silber dominieren, bestellt der Luxuskunde in Mittelost in der Regel einmal die Preisliste rauf und runter, berichtet Mercedes-Importeur Gargasch. Weil die Kunden zugleich sehr ungeduldig sind, ordern die Händler beim Hersteller einfach die komplett ausgestattete Vollversion - mit Ausnahme der Sitzheizung.
Mercedes hat gerade den größten Showroom des Konzerns eröffnet
Ob Mercedes oder BMW, Audi oder Lexus - in den Emiraten gleichen die Autohäuser wahren Palästen. Meist sind die Geschäfte sieben Tage pro Woche geöffnet, beschäftigen hunderte von Mitarbeitern und haben jede Menge Platz. Nicht umsonst hat Mercedes in Abu Dhabi vor ein paar Wochen den mit 93.000 Quadratmetern weltweit größten Auto-Showroom des Konzerns eröffnet, und auch Rolls-Royce baut gerade an einem neuen Superlativ in den Emiraten.
In Dubai oder Abu Dhabi gibt es zwar mehr Luxusautos als überall sonst in der Welt, doch in der Statistik stehen auch hier eher kleinbürgerliche Modelle auf den ersten Plätzen. Die meisten der jährlich rund 200.000 Neuzulassungen in den Emiraten entfallen nach Angaben von Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen auf Toyota. Die Marke hält einen Marktanteil von rund 25 Prozent, gefolgt von Nissan und Honda. Die deutschen Hersteller dagegen kommen zusammen auf nur etwa zehn Prozent, berichtet Stephanie Vigier vom Branchendienst Global Insight. In den Statistiken finden sich zudem ein paar interessante Details: Zum Beispiel die fast tausend Jaguar-Modelle in diesem Jahr oder gleich 15 Bugatti Veyron. Und wo sonst werden fünfmal mehr Hummer als Mini, mehr Porsche als Audi oder mehr Lexus als Ford verkauft?
Ein sauberes Straßenbild, weil die Polizei Rostlauben aus dem Verkehr zieht
Es liegt nicht nur an der hohen Dosierung von Luxus- und Oberklasseautos, dass das Straßenbild einen so aufgeräumten und sauberen Eindruck macht. Das ist auch ein Verdienst der lokalen Polizei. Sie wacht nämlich nicht nur mit Hunderten von Radarfallen über das Tempolimit, sondern zieht verbeulte, zerkratzte und auch übermäßig verdreckte Autos kurzerhand aus dem Verkehr.
Irgendwo in der Stadt jedoch soll es ein Parkplatz geben, auf dem die Autos der westlichen Expats und der östlichen Gastarbeiter einstauben, die auf der Flucht vor der Krise manchmal sogar mit laufendem Motor abgestellt wurden. So richtig lokalisieren lässt sich der Parkplatz der geplatzten Träume jedoch nicht. Stadtführer Yakoob Hafiz jedenfalls lacht, wenn er Touristen einen schlammigen Platz in Wurfweite des Flughafens zeigt: Dort stehen tatsächlich ein paar Rostlauben mit platten Reifen, mattem Lack und blinden Scheiben. Mehr als 150 Autos im Jahr würden dort nicht umgeschlagen, sagt Hafiz. Hier jedenfalls sind sie nicht, die vielen hundert Fluchtwagen, von denen bisweilen berichtet wurde. So schnell kann die Krise ihren Schrecken verlieren.
Auf anderen Social Networks posten:
"My grandfather rode a camel, my father rode a camel, I drive a Mercedes, my son drives a Land Rover, his son will drive a Land Rover, but his son will ride a camel." - Die Scheichs wissen schon ganz genau, ob ein Auto [...] mehr...
"My grandfather rode a camel, my father rode a camel, I drive a Mercedes, my son drives a Land Rover, his son will drive a Land Rover, but his son will ride a camel." - Die Scheichs wissen schon ganz genau, ob ein Auto [...] mehr...
Die dekadenten Neureichen am Persischen Golf leben in Saus und Braus und viel Luxus, auf Kosten von zig Millionen Gastarbeiter aus Pakistan, Bangladesch, Philippinen , etc. die unter erbärmlichen sozialen und wohnlichen [...] mehr...
Ganz einfach! ... riesige Photovoltaik-Anlagen in die Wüste, gerne auch mit Mitteln der EU wegen der Zukunftssicherung. Und den sonnenproduzierten Strom dann teuer verkaufen. Allah weiß schon, warum er seinen arabischen [...] mehr...
Ich kann mich den Vorrednern nur anschliessen, der Service in Dubai ist dem Status der deutschen Luxusmarken unwürdig. Das liegt aber weniger an den Marken selber, sondern an den lokalen Vertriebspartner wie Al Nabooda, Gargash, [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Auto | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Autoindustrie | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH