Radfahren im Winter: Auf zur Rutschpartie!

Von Holger Dambeck

Verharschter Schnee, überfrorene Straßen - Radfahren im Winter ist ein Balanceakt. Wer sich sicher fühlen will, lässt etwas Luft aus den Reifen ab oder zieht Spikes auf. Mountainbiker rüsten ihr Fahrrad gleich zum Kettenfahrzeug um.


Ich habe aus meinen Stürzen gelernt. Auf matschigem Untergrund scharf in die Kurven zu gehen ist ebenso tabu wie Radfahren bei Glatteis. Solange jedoch nicht allzu viel Schnee liegt und nichts überfroren ist, lasse ich mir den Fahrradspaß aber auf keinen Fall nehmen. Wie soll man denn sonst mal erleben, was ein ausbrechendes Hinterrad bedeutet? Und dass es tatsächlich Situationen gibt, in denen man gar nicht genug Reibung kriegen kann?

Neulich habe ich einen Mann gesehen, der mit der Technik eines Eisbrechers über den verschneiten Radweg gerollt ist: Immer wieder brach das Vorderrad durch die verharschte Schneeschicht ein. Dank seiner Fahrkünste kam der Mann erstaunlich gut voran.

Die Fahrradlobbyisten vom ADFC empfehlen das Radeln im Winter ausdrücklich: Abstand halten, Tempo reduzieren und in Kurven weder treten noch bremsen. So soll man auch auf bei fester Schneedecke und Glätte sicher vorankommen. Zwei weitere Tipps: Etwas Luft vom Reifen ablassen, um die Kontaktfläche mit der Fahrbahn zu vergrößern. Und den Sattel etwas tiefer stellen, damit im Fall der Fälle die Füße schneller auf dem Boden stehen.

Auf Knirschen des Schnees achten

Das Schöne am Winter ist, dass man dann nicht mal mehr den Radweg nehmen muss, wenn der nicht geräumt ist, sondern auf der Straße fahren darf. An Kreuzungen, wo abbiegende Autofahrer gern mal Radler übersehen, ist man so, von der Glätte mal abgesehen, sogar sicherer unterwegs als im Sommer.

Die Rutschpartie ins Büro ist allerdings harmlos gegen die Touren durch Eis und Schnee, die unerschrockene Mountainbiker wagen. In Blogs und Foren tauschen Sie ihre Erfahrungen aus. Ein Engländer prahlt mit seiner Schneetour im Februar 2009, als London so sehr eingeschneit war, dass die Busse im Depot blieben.

Die Webseite icebike.org gibt detaillierte Empfehlungen zu Fahrtechnik bei den verschiedenen Schneearten. Generell solle man immer Schnee gegenüber Eis bevorzugen heißt es da, etwa wenn es überfrorene Spurrinnen auf der Straße gebe. Eine Empfehlung, die ich nur bestätigen kann: Festgefahrener Schnee ist ein erstaunlich griffiger Untergrund, auf dem man kaum rutscht, auch mit ganz normalem Tourenprofil.

Einen verblüffenden Tipp gibt ein britischer Schneefahrer: Man solle genau auf das Rollgeräusch achten, heißt es auf der Webseite. Wenn das typische Knirschen und Knacken des Schnees plötzlich aufhöre, dann könne dies am Eis liegen, über das man gerade rollt.

Spikesreifen Marke Eigenbau

Der Kanadier Marc Poirier demonstriert auf seiner Webseite, wie man normale Mountainbike-Reifen mit Nägeln zu Spikesreifen aufrüstet (Text auf französisch, englische Anleitung hier). Die Technik ist simpel: Man bohrt Dutzende Löcher durch den Mantel, steckt von innen Schrauben in die Löcher und dreht außen eine Mutter fest. Damit der Schlauch nicht zerschnitten wird, sollte man die Schraubenköpfe von innen mit Klebeband abdecken.

Statt zu Spikesreifen der Marke Eigenbau kann man aber auch zu Mänteln der Reifenhersteller Continental oder Schwalbe greifen. Je nach Ausführung stecken bis zu 361 Metallstücke in den Pneus. Sie sind als Winterreifen konzipiert, die Gummimischung ist extra auf tiefere Temperaturen abgestimmt. Und auch ohne Schnee und Eis sollen die Reifen auf dem Asphalt eine gute Figur machen. Um das laute Nageln der Spikes zu reduzieren, empfehlen die Hersteller, etwas Luft abzulassen.

Wer aber mit seinem Mountainbike (MTB) querfeldein durch tieferen Schnee heizen möchte, muss entweder extrem breite Reifen aufziehen - oder zu ganz anderen Mitteln greifen. Zum Beispiel zu Ktrak - einem Umbausatz aus Kanada. Er besteht aus einem Miniski, der das Vorderrad ersetzt und einem speziellen Hinterrad, welches das MTB zum Kettenfahrzeug macht (siehe Video oben).

Nach Angaben des Herstellers lassen sich alle MTB-Typen damit umrüsten - sogar so genannte Fullys mit Komplettfederung. Über das Hinterrad ist eine etwa zehn Zentimeter breite Kette gelegt, die auch noch über ein zusätzliches Minirad hinter dem Hinterrad läuft. So sinkt das Fahrrad weniger stark im Schnee ein - und auch die Kräfte werden effektiv übertragen. Selbst Bergauffahrten sind damit machbar.

Allerdings setzt der Schnee auch hier Grenzen: "Wenn du mit den Pedalen in den Schnee kommst, dann hast du wohl die maximale Schneehöhe erreicht", heißt es auf der Webseite. 530 Dollar kostet der Bausatz, der Mountainbikern eine Ahnung davon gibt, wie sich eine Schneeraupe fährt.

Weniger sportlich, dafür aber mindestens genauso spaßig, ist das sogenannte Velogemel aus der Schweiz. Eine Art Laufrad, das statt auf Rädern auf kleinen Skiern steht. So klappt Downhill auch im Tiefschnee. Erfunden hat das Velogemel schon vor hundert Jahren der Grindelwalder Schreiner Christian Bühlmann. Es wird aus Holz gebaut und kostet rund 330 Euro.

In den verschneiten Schweizer Alpen wird der Veloschlitten bis heute genutzt: vom Postboten, Kindern, die damit in die Schule rutschen oder dem Arzt. Seit 1996 findet sogar eine Weltmeisterschaft statt.

Wer immer noch nicht weiß, warum man im tiefsten Winter aufs Rad steigen soll: Mir hat das Fahren im Schnee eine interessante Erkenntnis gebracht. Man fährt langsamer und rollt viel entspannter in den Tag als sonst. Probieren Sie es aus! Nur vor Glatteis sollten Sie sich hüten.

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Der Meinung bin ich auch.. habe mir bei einem Motocrossgeschäft (gibts in Stuttgart ja ne ganze Straße voll mit Läden zum Thema Motocross/Quad) eine Sturmmaske zugelegt, die unter den Integral-/FullFace-Helm mit Kinnbügel kommt. [...] mehr...

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17.01.2010 von oranje2win: snowchains u.a.

Sorry, hatte nicht überlegt ... ---Zitat--- Eine Frage: Helfen die Schneeketten besonders viel? Weil so nach den Bildern besthet ja ein recht großer Abstand zwischen den jeweiligen Stahlverbindungen auf dem Mantel. [...] mehr...

16.01.2010 von airwave: Interesse

Hey, etwas unglückliche Hosterwahl für ein Bild ;) Ging erstmal gar nicht, da Flash, AdBlock und NoScript AddOns.. dann noch Captcha.. aber egal. Eine Frage: Helfen die Schneeketten besonders viel? Weil so nach den Bildern [...] mehr...

16.01.2010 von oranje2win: MTB im Schnee funzt gut!!!

Hi, ich habe Schneeketten für den Tiefschnee. Ist keine schlechte Erfindung! Ich habe die Teile mal in Canada gesehen. Siehe: http://uploadbox.com/files/326ee039ca/ http://uploadbox.com/files/95d9f3cd0c/ Was mich [...] mehr...

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  • Datum: Freitag 15.01.2010 | 09:01 Uhr
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