Von Jürgen Pander
Erzählen lässt sich diese Geschichte am besten mit Hilfe des Autos, eines Bugatti Type 22 Brescia Roadster mit der Chassis-Nummer 2461, der im Jahr 1925 gebaut wurde. Der erste Besitzer des Autos war, soweit sich das bislang rekonstruieren ließ, Monsieur Georges Paiva aus dem französischen Nancy. Der verkaufte den Wagen mutmaßlich im Jahr 1930 an Georges Nielly aus Paris. Jedenfalls deutet ein kleines Messingtäfelchen mit dieser Gravur, das man an dem Auto entdeckte, daraufhin. Der vermutlich dritte Eigner des feinen Sportwagens war Marco Schmucklerski, ein Architekt aus Zürich polnischer Herkunft.
Es gilt als sicher, dass sich Schmucklerski von Juli 1933 bis August 1936 in Ascona im Tessin aufhielt, unter anderem, um dort das inzwischen wieder abgerissene Appartementhaus "Casa Ballaria" zu bauen. In dieser Zeit erwarb der Architekt mutmaßlich den Bugatti, ließ den Wagen aber nicht in der Schweiz zu, sondern kurvte mit französischem Kennzeichen durch die Gegend. Über die genaueren Umstände, warum Schmucklerski wieder nach Zürich zurückkehrte, ist nichts bekannt. Fest steht jedoch, dass er das Auto bei der Baufirma Barra in Ascona zurückließ und es dort im Herbst 1936 von Schweizer Zollbeamten aufgespürt wurde. Die witterten einen Betrugsfall und forderten eine stattliche Summe an Einfuhrzoll nach.
Wie ein Anker glitt der bildschöne Sportwagen ins Wasser
Der Papierkram zog sich ein wenig hin, und die Baufirma nutzte die Zeit, um das Objekt des Streits im nahe gelegenen Lago Maggiore zu versenken. Denn für ein Auto, das scheinbar verschwunden ist, muss man natürlich auch keinen Einfuhrzoll nachzahlen. Um das Gefährt irgendwann später wieder an Land zu angeln, hängten es die Bauarbeiter an eine dicke Eisenkette.
Einer von ihnen war Damiano Tamagni. Der Mann aus Ascona wurde am 1. Februar 2008 Opfer eines brutalen Überfalls von drei Jugendlichen, an dessen Folgen er kurz darauf starb. Seine Tauchkameraden waren erschüttert und beschlossen, etwas zu unternehmen. Sie wollten eine Stiftung zur Eindämmung der Jugendgewalt gründen und fassten einen kühnen Plan: Grundstock der Stiftung sollte der versunkene Bugatti werden; sie wollten das Wrack an Land holen, verkaufen und mit dem Geld die "Fondazione Damiano Tamagni" gründen.
Zwanzig Prozent des einst versenkten Autos sind noch da
Sie sind praktisch am Ziel. Denn geborgen wurden die rostigen Überreste des einst stolzen Bugatti im vergangenen Juli. Die Bleche fehlten fast völlig, doch die Teile aus Holz, Gummi, Aluminium und Messing waren trotz der mehr als 70 Jahre im Wasser noch recht gut erhalten. Etwa 20 Prozent des ursprünglichen Autos sind noch vorhanden, schätzen die Experten des Auktionshauses Bonhams. Man könne den Wagen in aufwändiger Arbeit restaurieren, oder aber eine komplett neue Replika unter der Chassis-Nummer 2461 anfertigen lassen; beides würde etwa die gleich Summe verschlingen, heißt es im Auktionskatalog.
Versteigert werden die Bugatti-Überreste am 23. Januar im Rahmen der Oldtimer-Messe Retromobile in Paris. Bonhams erwartet einen Erlös zwischen 70.000 und 90.000 Euro für das wundersame Gerippe vom Grunde des Lago Maggiore. Beinahe das zehnfache sollen Autos einbringen, die ebenfalls bei dieser Gelegenheit versteigert werden. Ein Bentley 4-Liter Le Mans Style Tourenwagen aus dem Jahr 1930 etwa, ein Mercedes-Benz 630 K von 1929 oder ein Talbot-Darracq mit 4,5-Liter-Achtzylinder-Reihenmotor aus den zwanziger Jahren. Bei der letzten Veranstaltung dieser Art auf der Retromobile im vergangenen Jahr setzte das Auktionshaus mehr als zehn Millionen Euro um - und da war kein so spektakuläres Wrack dabei wie diesmal.
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... wenn solche Geschichten nicht im Schlamm unter Wasser vergammeln, sondern Menschen berührt. Für dieses Objekt ohne jedweden Nutzwert Geld zu geben hat einen moralischen und kulturellen Wert, und ist damit mitnichten [...] mehr...
Was für ein Popanz, als ob wir keine anderen Sorgen hätte als dieses alte Wrack zu bestaunen. Wen interessiert den schon Bugatti. mehr...
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