Verkehrssünderdatei: Ramsauer punktet mit Halbwissen

Von Holger Dambeck

Verkehrsminister Ramsauer plant eine grundlegende Reform des Flensburger Verkehrssündenregisters. Autofahrer wüssten nicht, wie viele Strafpunkte sie bereits gesammelt hätten, kritisierte der CSU-Politiker in einem Interview. Dabei kann jedermann die Punktzahl leicht abfragen.

Verkehrsminister Ramsauer: "Unbefriedigender Zustand"Zur Großansicht
dpa

Verkehrsminister Ramsauer: "Unbefriedigender Zustand"

Hamburg - Mit dem Verkehrssündenregister hat so mancher Autofahrer seine Schwierigkeiten. Offenbar gehört dazu auch der amtierende Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Deshalb will er die Flensburger Datei reformieren. "Heute weiß doch niemand, ob und wie viele Punkte er in Flensburg hat", sagte Ramsauer der "Bild am Sonntag". Das System müsse entrümpelt und einfach, klar und durchschaubar für jeden werden. "Vorschriften, die man versteht, respektiert man auch mehr", betonte der Minister. "Ich will zum Beispiel klare Regeln zur Tilgung von Punkten."

Hätte sich Ramsauer auf der Webseite des Kraftfahrt-Bundesamts umgeschaut, das seinem Ministerium direkt untersteht, dann wüsste er, wie leicht man an die von ihm so dringend vermissten Informationen gelangt. Jeder Autofahrer kann seinen Punktestand mit einem formlosen Brief an das Verkehrszentralregister abfragen. Die Anschrift lautet:

Kraftfahrt-Bundesamt
24932 Flensburg

Die Auskunft ist - abgesehen vom Briefporto - kostenlos. Zur Legitimation genügt eine Kopie des Reisepasses oder des Personalausweises. Wer Schwierigkeiten beim Formulieren des Briefes nach Flensburg hat, kann sich ein Formular von der Webseite des Kraftfahrt-Bundesamts herunterladen. Auch der ADAC bietet einen solchen vorgefertigten Musterbrief an.

Was die von Ramsauer angemahnten klaren Regeln zur Tilgung von Punkten betrifft - diese gibt es bereits, ebenfalls nachzulesen auf der Webseite des Kraftfahrt-Bundesamts. Verkehrssünder mit 18 und mehr Punkten müssen ihren Führerschein abgeben. Wer bis zu 17 Punkte gesammelt hat, kann diese abbauen.

Wie geht das? In einem freiwilligen Aufbauseminar, das Fahrschulen anbieten. Je nach Höhe des eigenen Sündenregisters verschwinden so zwei oder sogar vier Punkte vom Flensburger Konto. Ein Seminar kostet nach ADAC-Angaben zwischen 300 und 400 Euro. Sie sind bei einem Stand von bis zu 13 Punkten möglich.

Wer zwischen 14 und 17 Punkte gesammelt hat, muss zwingend an einem solchen Aufbauseminar teilnehmen - bekommt dafür aber keinen Punktabzug mehr. Stattdessen können Betroffene zu einer freiwilligen verkehrspsychologischen Beratung gehen und so zwei Punkte tilgen. Kostenpunkt laut ADAC: circa 300 Euro.

Sowohl mit Aufbauseminar als auch mit verkehrspsychologischer Beratung können Autofahrer nur einmal in fünf Jahren Punkte reduzieren. Doch auch die Zeit hilft Verkehrssündern: Je nach Schwere des Vergehens löscht die Flensburger Behörde Punkte nach zwei, fünf oder zehn Jahren. Allerdings nur, wenn innerhalb dieser Fristen keine weiteren Verkehrsverstöße begangen werden.

Ausführliche Informationen zum Flensburger Sündenregister gibt auch der ADAC - für Bundesverkehrsminister und alle anderen Autofahrer.

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insgesamt 29 Beiträge
saul7 07.02.2010
Das wird nicht das erste und das letzte Mal sein, dass sich ein Politiker in einem Punkt irrt oder durch Halbwissen glänzt. Es kommt nicht selten vor, dass Bundestagsabgeordnete über Vorlagen und Gesetze abstimmen, deren Inhalt [...]
Zitat von sysopVerkehrsminister Ramsauer plant eine grundlegende Reform des Flensburger Verkehrssündenregisters. Autofahrer wüssten nicht, wie viele Strafpunkte sie bereits gesammelt hätten, kritisierte der CSU-Politiker in einem Interview. Dabei kann jeder Autofahrer die Punktzahl leicht abfragen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,676385,00.html
Das wird nicht das erste und das letzte Mal sein, dass sich ein Politiker in einem Punkt irrt oder durch Halbwissen glänzt. Es kommt nicht selten vor, dass Bundestagsabgeordnete über Vorlagen und Gesetze abstimmen, deren Inhalt sie nicht einmal verstanden haben. Leider wahr!! Sollen wir uns damit trösten, dass Politiker eben auch nur Menschen sind...?
evolut 07.02.2010
Das hätte einer seiner Staatssekretäre wissen müssen. Einfacher wäre natürlich, jeder deutsche Kraftfahrer bekäme einen Pflicht-Flensburgpunkteaufkleber für sein Vehikel. Lustige Spielchen wären die Folge "Pappi/Mammi, [...]
Zitat von sysopVerkehrsminister Ramsauer plant eine grundlegende Reform des Flensburger Verkehrssündenregisters. Autofahrer wüssten nicht, wie viele Strafpunkte sie bereits gesammelt hätten, kritisierte der CSU-Politiker in einem Interview. Dabei kann jeder Autofahrer die Punktzahl leicht abfragen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,676385,00.html
Das hätte einer seiner Staatssekretäre wissen müssen. Einfacher wäre natürlich, jeder deutsche Kraftfahrer bekäme einen Pflicht-Flensburgpunkteaufkleber für sein Vehikel. Lustige Spielchen wären die Folge "Pappi/Mammi, uns hat ein 15-Punkter überholt". "12 Punkte sticht", usw.
dxb 07.02.2010
Ramsauer wollte nur mal wieder in der Zeitung stehen. Hat er ja auch geschafft. Der Mann hat´s echt gut, wenn er keine anderen Probleme hat. Oder war da noch was mit Stuttgart 21, einem Bahndesaster nach dem anderen, einer [...]
Ramsauer wollte nur mal wieder in der Zeitung stehen. Hat er ja auch geschafft. Der Mann hat´s echt gut, wenn er keine anderen Probleme hat. Oder war da noch was mit Stuttgart 21, einem Bahndesaster nach dem anderen, einer geplanten Pkw-Maut etc.???
Xenier 07.02.2010
Für mich ist das Ramsauersche Halbwissen ein inszeniertes: Es kommt gut, "vor diesem hohen Hause" mal wieder über die ganz niedrigen Themen zu sprechen. Des Deutschen liebstes Zwillingspaar "Auto und freie [...]
Für mich ist das Ramsauersche Halbwissen ein inszeniertes: Es kommt gut, "vor diesem hohen Hause" mal wieder über die ganz niedrigen Themen zu sprechen. Des Deutschen liebstes Zwillingspaar "Auto und freie Fahrt" - damit kann man nie was falsch machen. Und überhaupt, diese Behörden! Unerhört, da muss was passieren - auch wenn ausnahmsweise mal alles funktioniert, wie der Artikel schön aufzeigt. Für das staatsskeptische CSU-Klientel muss man sich allemal dümmer stellen, als man bei aller Anstrengung als Polit-Profi überhaupt sein könnte, das hat Ramsauer eben wirklich drauf.
setro 07.02.2010
Nein zum ersten mal war es nicht, ganz sicher nicht. ;) Trost? Wohl kaum. Klar, Politiker sind auch nur Menschen, aber warum muss man gerade die dümmsten derer auf die verantwortungsvollsten Stellen setzen? Ein [...]
Zitat von saul7Das wird nicht das erste und das letzte Mal sein, dass sich ein Politiker in einem Punkt irrt oder durch Halbwissen glänzt. Es kommt nicht selten vor, dass Bundestagsabgeordnete über Vorlagen und Gesetze abstimmen, deren Inhalt sie nicht einmal verstanden haben. Leider wahr!!
Nein zum ersten mal war es nicht, ganz sicher nicht. ;) Trost? Wohl kaum. Klar, Politiker sind auch nur Menschen, aber warum muss man gerade die dümmsten derer auf die verantwortungsvollsten Stellen setzen? Ein Pförtnerstuhl hät's in diesem Fall auch getan.
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  • Datum: Sonntag 07.02.2010 | 12:11 Uhr
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