München - Deutsche Städte haben in einem europaweiten Test des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sehr gut abgeschnitten. In einer am Donnerstag vorgestellten ADAC-Untersuchung des Bus-, Bahn- und Tram-Angebots in 23 Groß- und Hauptstädten lag München vorn. Auch die vier weiteren deutschen getesteten Städte Frankfurt am Main, Hamburg, Köln und Leipzig belegten vordere Plätze.
Das ausgezeichnete Ergebnis der fünf deutschen Städte im Testfeld resultiert dem Automobilclub zufolge daraus, dass man hierzulande relativ schnell unterwegs ist, komfortabel umsteigen kann und gut informiert wird. Schwachstelle der deutschen Testkandidaten, mit Ausnahme von Leipzig, sei der Fahrpreis.
ADAC-Vizepräsident Arnulf Lode forderte, Bus, Bahn und Tram müssten auch durch niedrige Kosten überzeugen, damit der Verbraucher den öffentlichen Personennahverkehr als echte Alternative zum Individualverkehr annehme. Während die ausländischen Testkandidaten im Schnitt in dieser Kategorie 74 Prozent der maximalen Punktzahl erreicht hätten, seien die deutschen Städte nur auf 48 Prozent gekommen.
Tarifchaos in Lissabon
Unter die Lupe nahmen die Tester vier Kategorien: Reisezeit, Umsteigen, Information und die Fahrkartenpreise. Die nötigen Daten erhob der ADAC via Internet, durch Tests vor Ort sowie über Abfragen bei den Städten selbst. Testverlierer wurde Zagreb. Dort würden beispielsweise Bushaltestellen außer einem Schild mit Bussymbol keinerlei Information bieten. Wer dort mit der Tram fahre, zuckele im Schnitt mit 13 Stundenkilometern durch die Innenstadt - die U-Bahnlinie U 6 in München schaffe mehr als 30 Stundenkilometer.
Kritisiert wurde vom ADAC auch, dass in Städten wie Madrid jedes Mal ein neues Ticket gekauft werden muss, wenn etwa von der Metro auf den Bus gewechselt wird. Tarifchaos herrscht demnach auch in Lissabon: Dauerfahrer hätten die Wahl zwischen mehr als 70 Monatstickets, in Barcelona komme man hingegen mit sechs Varianten aus.
Der Personennahverkehr in Berlin taucht in dem diesjährigen Test nicht auf. Testleiterin Simone Saalmann sagte auf ddp-Anfrage, der Berliner ÖPNV habe wegen der S-Bahn-Ausfälle derzeit mit großen Problemen zu kämpfen, so dass der Test ein "ungerechtes" und nicht repräsentatives Bild der Situation in der Bundeshauptstadt zeigen würde.
rom/ddp/dpa/DAPD
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