Design-Trends des Genfer Autosalons: Glamour und Gefühle

Aus Genf berichtet Jürgen Pander

Alfa Romeo Giulietta, Aston Martin Cygnet, Mini Countryman: Nicht alles, was derzeit in den Genfer Messehallen steht, kommt bei Designern gut an. SPIEGEL ONLINE sprach mit Chris Bangle, Lutz Fügener und anderen Auto-Experten über die Trends der Messe.

Autodesign: Freie Fahrt in alle Stilrichtungen
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Jürgen Pander

"Autodesign wird wieder emotionaler", glaubt Mark Adams, der Designchef von General Motors Europe. "Wenn man sich hier in den Messehallen umsieht, spürt man überall das Bemühen um Leidenschaft und Gefühl." Adams weiß natürlich, dass gerade Opel in der Disziplin Emotionalität einiges aufzuholen hat.

Ein Versuch, nach einigen missglückten Fahrzeugen wieder zu punkten, ist das Opel-Konzeptauto Flextreme GT/E, ein Viertürer, der aussieht, als sei ein Coupé auf die Streckbank geraten. Sehr elegant, überaus klar und durchaus raffiniert ist die Karosserie geformt.

Elektroautos, sagt Adams, sollten sich vorerst deutlich von konventionellen Fahrzeugen unterscheiden. Später werde das nicht mehr so wichtig sein. "Das ist wie bei den Computern", findet er. "Anfangs waren das außergewöhnliche Kästen, inzwischen aber sind sie Mainstream und fallen gar nicht mehr auf."

Ein schwieriger Kleinwagen und ein Kunstwerk auf Rädern

Das richtige Maß an Auffälligkeit ist die hohe Kunst des Autodesigns. Der Aston Martin Cygnet etwa, ein Kleinwagen auf Basis des Toyota iQ, fällt durchaus auf. "Trotzdem ist der Wagen schwierig zu verstehen", sagt Lutz Fügener, Professor für Transportation Design an der Hochschule Pforzheim. "Normalerweise gehen einem die Autos von Aston sofort ans Herz, aber das funktioniert beim Cygnet nicht - und das liegt keineswegs an der Größe."


Gut gefällt dem Design-Lehrer hingegen die Mercedes-Studie F 800 Style. "Proportionen, Größe, Details und Interieur - das geht alles in eine schöne, begrüßenswerte Richtung", sagt Fügener. Auch die Ästhetik des spektakulären Showcars Bertone Pandon sei etwas Außergewöhnliches. In der Tat: Der Wagen hat flügelartige Türen, die aufgeklappt über drei Meter in die Höhe ragen - und ein Heck, dass aus Hunderten Plastiksplittern besteht.

"Das ist schon mehr Kunst als Auto, aber genau so bringt man sich als Design-Dienstleister ins Gespräch." Großes Lob erntet auch das Interieur des Citroën DS3. "Das der Name DS verheizt wird, finde ich zwar nicht gut, aber die Interieurqualität des Autos ist herausragend", sagt Fügener.

Die Kühle der Perfektion und das Problem des Kühlergrills

Und die anderen Messestars? Am neuen Alfa Romeo Giulietta vermisst der Design-Professor etwas frisches, überraschendes. Das Auto wirke zwar perfekt, aber für eine Marke wie Alfa "fast etwas kühl". Ähnlich distanziert sieht er den Mini Countryman - den ersten Fünftürer der britischen Marke.

"Im Prinzip kann man das Mini-Design lassen wie es ist, und genau das wird ja auch erfolgreich getan. Die Frage ist, wie lange das Auto es aushält und wie lange die Kunden das sehen möchten." Und auch beim Audi A1, der großen Hoffnung der Ingolstädter Marke mit Blick auf den Kleinwagenmarkt und die Stückzahlentwicklung, hat Fügener gemischte Gefühle.

"Ich finde es toll, dass das Auto so klein geworden ist und gleichzeitig so ausgewogen und stimmig." Allerdings habe der Wagen eine optische Schwachstelle, meint Fügener, und zwar die Frontpartie. "Das Auto leidet meiner Ansicht nach am Audi-Markengesicht. Einerseits ist es beachtlich, wie konsequent Audi diese Optik durchsetzt, andererseits überfordert der riesige Kühlergrill den Wagen."

Chris Bangle ist auf der Suche nach dem ganz großen, neuen Wurf

Chris Bangle, der ehemaliger Designchef von BMW, scheint regelrecht zu sprühen vor Energie. Gerade baut er in der Weinregion Langhe, südlich von Turin, ein eigenes Designstudio auf. Er werde in Zukunft daran arbeiten, wie man "das Auto mit Blick auf das Jahr 2050 definieren werde", erklärt Bangle.

Nach einer ersten Runde über den Autosalon sagt er, er sei "really erstaunt", wie sich das Autodesign immer mehr in grafischen Elementen verliere und das große Ganze aus dem Blick verliere. "Eine echte Weiterentwicklung in der Form ist nicht zu sehen", sagt Bangle.


Das ist vermutlich deshalb so, weil es extrem schwierig ist, das ganz neue Auto zu entwerfen. Vielleicht ist es sogar unmöglich, denn alles wurde schließlich schon einmal von irgendwem probiert. Immerhin: Bertone hat mit dem schon erwähnten Konzeptmodell Pandon versucht, etwas Neues zu machen. "Yeah", ruft Bangle, "das ist Glamour, das ist Entertainment". Genau so müsse eine Studie aussehen. Bangle: "Bei einem Showcar geht es um nichts anderes als um eine gute Show."

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insgesamt 7 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
11.03.2010 von digidigi: @doc_becker

Danke für die Lorbeeren, hab ich eigentlich gar nicht verdient. Seltsamerweise ist es aber doch gerade so, dass man egal, wo man hinsieht (ob Merceds, VW, Audi, SEAT, Opel, etc.) diese Sicken mittlerweile wiederfindet. [...] mehr...

11.03.2010 von doc_becker: Bangle

Jedes Mal wenn ich eine der qualligen Bangle-Kreationen wie den 6er BMW sehe denke ich mir: eigentlich schön dass man sich guten Geschmack nicht kaufen kann. Hier eine Beule (= Kofferraum), da eine Sicke, dort eine Lichtkante und [...] mehr...

11.03.2010 von digidigi: na und?

Wenigstens versucht er als Amerikaner deutsch zu sprechen, aber Ihrer Meinung nach muss man wohl 10 Sprachen fließend sprechen, um Ernst genommen zu werden. mehr...

11.03.2010 von Nordendpark: Bangle

Bleibt nur ein Satz aus Bangles Vergangenheit zu zitieren: "Das ist eine der most emotional Motorhaube effect, das wir haben je in eine BMW gehabt. Ich fand das wirklich beautiful, wie diese Form zeigt die Verspiegelung von [...] mehr...

11.03.2010 von digidigi: .

Es ist für BMW sicher kein Verlust gewesen, das sie keinen BMW mehr angefasst haben - andere, unter anderem ich, können mit dem Bangle-Design gut leben. Das genau der Siebener, der E65, der bestverkaufte Siebener von BMW bisher [...] mehr...

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  • Datum: Mittwoch 10.03.2010 | 14:30 Uhr
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