Aus Genf berichtet Tom Grünweg
Kleinwagen sind die großen Gewinner der Krise: Seit Abwrackprämie, Wirtschaftskrise und hohe Spritpreise den Markt durcheinander gewirbelt haben, stehen preiswerte Stadtflitzer hoch im Kurs. Entsprechend viel Beachtung finden die Kleinwagen deshalb auch bei den Designern und Entwicklern. Früher nur leidige Pflichtübung, sind sie jetzt zu wichtigen Stützen des Geschäfts geworden, mit denen man sich spürbar mehr Mühe gibt. "In diesem Segment ist weltweit Musik drin", hat auch Opel-Chef Nick Reilly erkannt und hofft deshalb selbst auf Zuwachs unterhalb des Corsa. "In zwei Jahren könnten wir so weit sein", sagt er und stellt einen kleinen Stadtflitzer im Stil von Fiat 500 oder Nissan Micra in Aussicht.
Da sind andere schneller - und vielfältiger. Denn die Fokussierung auf den Kleinwagen führt auch zu einer Entwicklung, wie man sie bislang nur bis zur Kompaktklasse kannte: die große Segmentierung. "Das ist die logische Konsequenz aus den Segmentverschiebungen der letzten Jahre", sagt Nick Margetts vom Marktforscher Jato Dynamics: "So, wie die Hersteller in den anderen Klassen in immer neue Nischen vorgestoßen sind, versuchen sie es nun auch mit der Vielfalt im Reich der Zwerge. Schließlich gibt es dort mittlerweile so viele Kunden, dass sich die zahlreichen Varianten auch in ausreichender Stückzahl verkaufen lassen dürften."
VW beherrscht die Modifikation besonders gut. Sonst bisweilen eher langsam in der Reaktion auf Trends, wächst etwa der neue Polo munter zur Modellfamilie: Neben Drei- und Fünftürer stehen in Genf deshalb der neue CrossPolo mit etwas mehr Bodenfreiheit und ein paar Plastikplanken und die nächste Auflage des GTI. Wie sein großer Bruder aus der Golf-Reihe hat er einen roten Rand im wabenförmigen Kühlergrill, einen verchromtem Doppelauspuff, einen Heckspoiler und innen die schwarz-grauen Karomuster auf den Sitzen. Unter der Haube steckt ein 1,4 Liter großer TSi-Motor mit 180 PS, der den Sportler in 6,9 Sekunden auf Tempo 100 treibt und eine Höchstgeschwindigkeit von 229 km/h erlaubt. Das finden im Konzern offenbar auch andere Entwickler reizvoll. Deshalb debütiert der Motor gleich auch noch in der neuen RS-Version des frischgelifteten Skoda Fabia.
Mit den Polos für Angeber ist das Repertoire noch nicht ausgereizt. Ein Variant ist durchaus möglich und ein Stufenheck nicht ausgeschlossen - auf Märkten wie den USA oder China ist ein Kleinwagen sonst fast unverkäuflich.
Premium ist keine Frage der Größe
Während bei VW das Angebot in die Breite geht, holt Audi den Kleinwagen ins Premiumsegment und montiert aus dem Baukasten des Polo den schmucken A1. "Damit beweisen wir, dass Premium keine Frage der Größe ist", sagt Audi-Chef Rupert Stadler über den 3,95 Meter kurzen Winzling mit 86 bis 122 PS, dessen Preise bei etwa 16.000 Euro beginnen werden. Und das wird es vielleicht noch nicht gewesen sein: Denn neben dem fest eingeplanten Fünftürer liebäugeln die Bayern auch noch mit einem weiteren Mini: "Wir haben in Format und Nomenklatur ja ganz bewusst eine Lücke zwischen A1 und A3 gelassen", sagt dazu Stadler.
Aber der Audi-Chef ist in Genf nicht der einzige Debütant. Auch Aston-Martin-Boss Ulrich Bez will großes Geld für kleine Autos und zeigt im Palexpo deshalb zum ersten Mal den Cygnet. Als eine Art Mini für Millionäre gibt der liebevoll veredelte Toyota iQ die Zugabe zu sportlichen Luxuslinern wie dem Rapide oder dem Vantage und verkauft sich offenbar sehr gut. Obwohl mit ordentlich Lack und Leder schnell dreimal so teuer wie das Original, bestellen viele Aston-Martin-Kunden den Zwerg im Smoking gleich mit, berichtet Bez.
Während Audi und Aston-Martin ihr Kleinwagenprogramm erst aufbauen, wird es bei der Konkurrenz bereits kräftig ausgebaut. Mini zum Beispiel präsentiert in Genf die mittlerweile vierte Spielart des Neo-Klassikers und stößt mit dem Countryman in völlig neue Dimensionen vor. Für Preise ab 20.200 Euro gibt es nicht nur den ersten Mini mit vier angetriebenen Rädern, sondern auch den ersten Mini mit vier Türen und mit mehr als vier Metern Länge. Statt von einem Kombi oder einem Geländewagen sprechen die Bayern bei diesem Auto allerdings lieber von einem "CrossOver" und liegen damit voll im Trend.
Denn auch bei Nissan dreht sich so ein moderner Zwitter im Rampenlicht. Juke heißt der coupéhaft gezeichnete Viertürer mit Allradantrieb, Kombiheck und der vielleicht eigenwilligsten Fahrzeugfront der Messe, der wie ein geschrumpfter Qashqai mit einer Prise Sportwagen seinen Platz in den Segmenten erst noch finden muss. Daran hat auch Marktforscher Margetts noch zu kauen. "Wir wissen einfach nicht, wo wir so ein Auto einsortieren sollen", klagt der Analyst und freut sich, dass nebenan auch noch der neue Micra steht. Die vierte Generation des Kleinwagens ist erstmals als Weltauto konzipiert, soll 160 Märkte erobern und wird bei der Sortierung keine Mühe bereiten. Zwar sieht der Viertürer auf den ersten Blick fast so vertraut aus, dass man ihn mit seinem Vorgänger verwechseln könnte. Doch weiß da wenigstens jeder, woran er ist.
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Ja es ist erschreckend ,daß die Hersteller immer noch nicht begriffen haben ,daß das zB Elektroauto eines norwegischen Herstellers die Zukunft ist für max 10000 Euro... Tendenz fallend. Das Problem ist btw nicht der Käufer [...] mehr...
.. sondern des Kopfes. Der scheint unter Autoherstellern wie auch unter vielen Käufern erschreckend hohl bzw. nach wie vor überwiegend einseitig auf das alte 'Dicke Hose-Programm' ausgerichtet. Das einzige halbwegs akzeptable Auto [...] mehr...
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