SPIEGEL ONLINE: Herr Drescher, in Ihrer Heimatstadt Lübeck sind Sie bekannt für verrückte Räder. Ihre ganze Arbeits- und Freizeit verbringen Sie damit - muss man so sein als Fahrradsachverständiger?
Drescher: Es ist auf jeden Fall hilfreich. Während meiner Arbeit rekonstruiere ich Unfälle oder schätze den Wert von Rädern. Doch manche Fälle sind so kurios, da reicht die Theorie nicht aus, da muss man Detektivarbeit leisten.
SPIEGEL ONLINE: Bitte ein Beispiel!
Drescher: Eine Radfahrerin wollte ihr neues teures Markenrad zurückgeben, weil ihr linkes Hosenbein nach jeder Fahrt schwarz gesprenkelt war. Der Fahrradhändler hatte bereits diverse Teile ausgetauscht - ohne Erfolg. Ich zog mir eine weiße Hose an und machte eine Probefahrt. Aber nichts. Erst als ich auf dem Hof der Frau ihren VW-Bus mit dem Fahrradgepäckträger stehen sah, wurde mir alles klar. Denn ich hatte auch mal einen VW-Bus, ebenfalls mit Gepäckträger. Während der Fahrt schlägt sich Auspuff-Ruß auf dem Fahrrad nieder, und der löst sich dann bei den folgenden Radtouren und setzt sich als Tröpfchen auf der Hose ab.
SPIEGEL ONLINE: Wieso sind Fahrräder Ihre Leidenschaft?
Drescher: Das erste bekam ich als Dreijähriger, weil ich beim traditionellen Sonntagsspaziergang nie laufen wollte. Also erbte ich das alte Rad meiner Schwester. Es war natürlich viel zu groß und ich konnte nur an hohen Bordsteinen auf- und absteigen. Aber seitdem fahre ich alles, was ich kriegen kann. Sobald ich mit Werkzeug umgehen konnte, schraubte ich an Fahrrädern herum. Als Zwölfjähriger baute ich die ersten Räder zusammen.
SPIEGEL ONLINE: In Ihrer Geburtsstadt Cuxhaven waren Sie "der mit den verrückten Rädern". Wie sahen die aus?
Drescher: Ein schräges Zufallsprodukt war mein Schwungrad. Ich hatte beim Einspeichen eine Felge ruiniert, wollte sie aber nicht wegwerfen. Also baute ich sie in ein altes Damenrad ein. Das hatte ich mit einer langen Gabel aufgemotzt - analog zu "Easy Rider"-Choppern. Das Rad hat Pedale und einen alten Mofa-Sattel. Mit verschiedenen technischen Kniffen schaffte ich es, dass der Sattel beim Fahren bis zu einem halben Meter rauf und runter wippte. Fuhr ich zu schnell, flog ich aus dem Sattel.
SPIEGEL ONLINE: Hört sich eher nach Spaß an - wann haben Sie angefangen, mit Rädern Geld zu verdienen?
Drescher: Abends vor dem Fernseher habe ich als 15-Jähriger Felgen eingespeicht und Räder justiert - für mich war das wie Stricken. Damit habe ich Geld verdient. Aber mittlerweile bin ich Fahrradmechaniker, war technischer Leiter einer Fahrradfabrik und habe ein Fahrradgeschäft in Lübeck.
SPIEGEL ONLINE: Hat sich die Qualität der Fahrräder in den vergangenen Jahrzehnten verändert?
Drescher: Oh ja. Fahrräder sind viel sicherer geworden. Früher waren die Beleuchtungsanlagen sehr anfällig. Mit den modernen LED-Beleuchtungen sieht man hervorragend und wird auch gut gesehen.
SPIEGEL ONLINE: Warum nimmt dann die Zahl der Unfälle mit Fahrrädern trotzdem zu?
Drescher: Das liegt vor allem daran, dass immer mehr Menschen Rad fahren. Deutschland ist ein Fahrradfahrerland. In 80 Prozent aller Haushalte steht eines. Der Trend geht weg vom Zweitwagen, hin zum Rad.
SPIEGEL ONLINE: Wie sicher sind Fahrräder von Kindern und Jugendlichen?
Drescher: Ihr Zustand ist häufig katastrophal. Bei Kinderrädern wird gespart. Dabei ist es besser, ein hochwertiges Kinderrad Second Hand zu kaufen, als ein minderwertigeres neu. Wenn die Lenker brechen, die Bremsen oder das Licht nicht funktionieren, sind die Folgen verheerend.
SPIEGEL ONLINE: Was für ein Rad fahren Sie?
Drescher: Ach, ich bin verwöhnt. In meinem Keller stehen etwa hundert Räder. Ich gönne mir für jeden Trip den richtigen Kick. Zurzeit entdecke ich das Langsamfahren mit meinem Pedersen ...
SPIEGEL ONLINE: ... einem dänischen Fahrradtyp aus dem 19. Jahrhundert ...
Drescher: Genau. Für die Fahrt zu wichtigen Terminen nehme ich das Elektrorad. Leider ist mein Long John durchgerostet, der war perfekt zum Einkaufen. Ich habe verschiedene Mountainbikes, außerdem ein Triathlonrad und ein Rennrad. Mit meiner Frau fahre ich Tandem.
SPIEGEL ONLINE: Wie schützen Sie Ihre Räder vor Diebstahl?
Drescher: Ich hatte mal ein schwarzes Rad, das war sofort weg. Seitdem setze ich auf auffälliges Design. Mein edles Rad von Diamant habe ich in dem gleichen
Retrohellblau lackieren lassen wie meine Ente. Hier in Lübeck weiß jeder, wem das Duo aus Rad und 2CV gehört. Als eine Lübeckerin einen Fremden damit herumradeln sah, benachrichtigte sie sofort die Polizei. Ich hatte das Rad wieder, bevor mir der Diebstahl überhaupt aufgefallen war.
SPIEGEL ONLINE: Sie besitzen auch ein spezielles Bahnhofsrad, wie sieht das aus?
Drescher: Das ist von 1992 - es ist komplett aus Edelstahl, die Lampe ist angeschweißt und wenn ich es abschließe, blockiert das Hinterrad.
SPIEGEL ONLINE: Und das kann keiner wegfahren?
Drescher: Nein. Höchstens wegtragen.
Das Interview führte Andrea Reidl
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Wenn jemand "tanken geht", dann nimmt er meist sein Auto auch mit, oder? Analog verhält es sich mit "in Urlaub fahren" (kann auch mit dem Flugzeug sein, etc...). Gehen Menschen einkaufen so nehmen sie auch [...] mehr...
Sie haben die Redensart schon verstanden, oder? ...denn sie können die deutschen Schriftsatz nicht entziffern. Ausserdem sollte an jeder Tankstelle auch "Gas Station" stehen, damit ausländische Mopedfahrer das [...] mehr...
Ist ja auch kein Biken... Warum sollte man an einem beliebigen Tag im Jahr sein Vokabular ändern??? Sicher, man kann sich das Leben möglichst kompliziert machen - oder man hat halt einen erweiterten Sprachschatz! Ich [...] mehr...
Kinders, bitte! Sind doch alles biker! Der eine mit Motor, der andere halt ohne. Warum der eine das englische benutzen soll/darf und der andere nicht erschließt sich mir nicht. Für die Ausländer heißt es eben beides! [...] mehr...
vielleicht selber mal an dein eigenen Horizont denken, danke. Könnte ja sein, das ein englisches "Bikers welcome" auch für ausländische Motorradfahrer lesbar ist. Und mit Verlaub, "biken gehen" klingt [...] mehr...
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