Die Liebe zu altem Blech musste schon mancher Laie teuer bezahlen: Unter einer tollen Karosserie versteckt sich oft eine ebenso angejahrte wie anfällige Mechanik. Grundsätzlich darf der Oldtimer-Käufer jedoch seine Ansprüche nicht zu hoch stecken: "Wer sich einen Klassiker zulegt, sollte ein gewisses Maß an Leidensfähigkeit mitbringen", sagt Martin Kraut, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Motorveteranen-Clubs (Deuvet) in Frankfurt. "Es sind eben ältere Autos. Von denen kann man nicht die Zuverlässigkeit eines modernen Kompaktwagens erwarten."
Trotzdem müssen nicht gleich technische Katastrophen befürchtet werden. Viele Oldies sind zuverlässiger, als mancher Laie denkt - wenn sie die richtige Pflege erfahren haben. Um den Zustand des Wagens beurteilen zu können, sollte man sich zunächst gründlich informieren: "Wer sich eine solche Anschaffung überlegt, muss sich vorher einige Monate mit dem Thema auseinander setzen", empfiehlt Manfred Groß, Technik-Berater beim ADAC in München. Dazu gehört das regelmäßige Studium der einschlägigen Fachzeitschriften sowie die Lektüre von Fachbüchern, in denen über typische Macken des Modells berichtet wird.
Ratsam ist laut Martin Kraut der Kontakt zu einem Oldtimer-Club - "und zwar schon vor dem Kauf, nicht erst hinterher." Bei solchen Vereinen gibt es Fachleute, die sich mit den Problemen der Autos auskennen. Außerdem wissen die Clubs meist über zum Verkauf stehende Klassiker und deren Zustand Bescheid. Und es sei bestimmt auch jemand zu finden, der den Neuling bei einem Besichtigungstermin oder einer Probefahrt begleitet, sagt Manfred Groß.
Bei der Besichtigung gilt es dann, noch aufmerksamer zu sein als bei der Prüfung eines jüngeren Gebrauchtwagens. "Es gibt bei den Verkäufern viele Glücksritter, die mit etwas Farbe ein vermeintlich schönes Fahrzeug präsentieren", warnt Groß. Statt festen Blechs verbirgt sich unter dem Lack mitunter eine Spachtelschicht, die alte Unfallschäden oder Rost übertünchen soll. "Wenn solche Ausbesserungsarbeiten gut gemacht sind, sind sie für Laien nur schwer zu erkennen", sagt Alexander Heintze vom Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt.
Zu prüfen sind daher die "klassischen" Roststellen, zum Beispiel an Kotflügeln oder Schwellern. Zudem hat jeder Typ spezielle Schwachstellen, die meist nur Fachleute kennen. Hat man keinen Experten dabei, kann im Rahmen der Probefahrt eine Fachwerkstatt zur Überprüfung des Autos angesteuert werden. Auch auf Öllecks oder undichte Scheinwerfer ist zu achten. Wichtig ist natürlich auch, dass der Wagen stilecht restauriert ist: So sollte sich der Käufer vergewissern, "ob zum Beispiel Radkappen oder Sitze zu dem Autotyp gehören oder nachträglich eingebaut wurden", sagt Heintze.
Vor dem Kauf sollten auch Ausgaben einkalkuliert werden, die für Ersatzteile entstehen können. Heintze empfiehlt, sich bereits vorab über die Ersatzteilbeschaffung für das jeweilige Modell zu informieren. Hinzu kommen die laufenden Kosten, die nicht nur durch den oftmals hohen Kraftstoffverbrauch der Oldtimer entstehen: "Ältere Autos haben in der Regel keinen Katalysator, die Kraftfahrzeugsteuer ist also teurer", sagt Heintze. Zwar können bei vielen Modellen Katalysatoren nachträglich eingebaut werden, doch eine Einstufung nach neuesten Abgasnormen ist kaum zu erwarten.
In manchen Fällen lassen sich aber Steuern sparen, wenn der Oldtimer offiziell als solcher vom TÜV anerkannt wird. Dazu muss der Wagen älter als 30 Jahre alt sein und sich in einem "erhaltungswürdigen Zustand" befinden. In diesem Fall wird das Nummernschild zusätzlich mit einem "H" hinter den Ziffern versehen; die Steuer für das Fahrzeug beträgt dann pauschal nur noch 375 Mark im Jahr. Auch liebevoller Umgang mit den alten Autos kann sich bezahlt machen: Im Unterschied zu zeitgenössischen Karossen steigt der Wert eines Oldtimers bei guter Pflege von Jahr zu Jahr.
Heiko Haupt
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