Elektroauto-Gipfel: Autoindustrie pokert um Milliardensubventionen

Von Jürgen Pander

Eine Million Elektroautos will die Bundesregierung im Jahr 2020 auf Deutschlands Straßen fahren sehen. Bei einem Gipfel in Berlin sollen jetzt entsprechende Richtungsentscheidungen beschlossen werden. Die Industrie hofft auf staatlichen Geldsegen.

Zwei Grundthesen sind vor dem Elektroauto-Gipfel in Berlin gesetzt. Die erste lautet: "Die Zukunft gehört dem Elektroauto." Das sagt VW-Vorstandschef Martin Winterkorn ebenso wie Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Über eine zweite These herrscht auch Einigkeit: "Der Weg in die Elektromobilität ist ein Marathon."

Schon das offizielle Regierungsziel von einer Million Elektroautos im Jahr 2020 auf den deutschen Straßen ist viel bescheidener als es klingt - bei insgesamt rund 45 Millionen Pkw wären das nämlich lediglich 2,2 Prozent des Fahrzeugbestands. Und als Elektroauto gezählt werden ja keineswegs nur Fahrzeuge mit E-Maschine und Batterie, sondern auch Plug-In-Hybridautos oder Modelle mit so genanntem Range Extender wie etwa der kommende Opel Ampera.

"Fahrzeuge mit Plug-In-Hybrid- oder Range-Extender-Technik werden in den nächsten 10 bis 15 Jahren die Elektroautoflotte dominieren", sagt Christian Kleinhans, Automobilexperte der Managementberatung Oliver Wyman. Reine Elektrofahrzeuge, die komplett ohne Verbrennungsmotor auskommen, seien wegen der hohen Anschaffungskosten und der beschränkten Reichweite noch auf längere Sicht eher für Flottenbetreiber, kommunale Betriebe oder Car-Sharing-Projekte geeignet als für Privatkunden. "Eine staatliche Förderung des Kaufs von Elektroautos ist in den nächsten Jahren daher überflüssig", sagt Kleinhans.

Wohl aber plädiert er für eine Unterstützung der Industrie bei der Entwicklung künftiger Autogenerationen. "Es geht dabei um die deutsche Autoindustrie als Ganzes, die auch beim Thema Elektromobilität führend sein muss. Um sich an die Spitze zu setzen, ist staatliche Unterstützung sinnvoll", argumentiert Kleinhans und fügt an: "Es geht dabei nicht um ein paar Millionen, sondern um Milliarden, gerade auch weil andere Nationen richtig Gas geben."

Um exakt dieses Geld werden in den kommenden Monaten Forschungsinstitute und Autoindustrie ringen. Ex-SAP-Vorstandschef Henning Kagermann soll den nationalen Lenkungsausschuss für Elektromobilität leiten, IG-Metall-Chef Berthold Huber und Matthias Wissmann, Präsident des VDA sind als Verbindungsleute zwischen Industrie und Politik vorgesehen. Eine zentrale Koordinierung bei einer solch umfassenden Thematik ist sicher eine gute Idee, doch es stellt sich die Frage, ob alle Beteiligten wirklich an einem Strang und in die gleiche Richtung ziehen wollen. Und ob das überhaupt noch nötig ist.

Die Elektroantriebs-Komponenten gibt es alle schon

Der deutsche Automobilzulieferer Continental etwa, der bereits die Lithium-Ionen-Batterie für das erste deutsche Hybridauto, den Mercedes S 400, liefert, teilte kürzlich mit, einen "kompletten Baukasten mit Batterie, Leistungselektronik und E-Maschinen" fix und fertig verfügbar zu haben; die Technik werde bereits "2011 bei einem europäischen Großserien-Elektrofahrzeug" zum Einsatz kommen. Fazit Continental: "Wir sind startklar." Und die Firma Bosch steuert für die beiden jüngsten Hybridautos aus deutscher Produktion, den Porsche Cayenne und das Schwestermodell VW Touareg, sowohl den Elektromotor und die Leistungselektronik bei.

Die Technik, über die jetzt nach dem Willen der Autoindustrie ein Fördergeldregen niedergehen soll, ist also schon längst serienreif und auf der Straße. Gewiss sind noch nicht alle der neuen Elektronik-Komponenten ausgereift und sicher lassen sich einige der noch neuen Bauteile in Zukunft sehr viel billiger herstellen als bislang; doch Grundlagenforschung ist zu diesem Thema in Deutschland nicht mehr nötig.

Das große Batterie-Monopoly der Autoindustrie

Bei der Batterietechnik jedoch sehr wohl, doch auch hier haben die deutschen Autohersteller längst Allianzen geschmiedet, um Zugang zu Hightech-Stromspeichern zu erhalten. VW etwa mit Sanyo, BMW mit den Unternehmen AC Propulsion und SB LiMotive und Daimler ging eine strategische Kooperation mit Evonik ein, um die Akku-Herstellung bei der Evonik-Tochter Li-Tec voranzutreiben, außerdem kooperiert Daimler seit kurzem mit dem chinesischen Auto- und Batteriehersteller BYD. Nach dem Gipfel in Berlin wird man wissen, ob es die erhoffte finanzielle Unterstützung geben wird.

Doch das Geld allein ist nicht das Problem. Dass die deutschen Hersteller beim Thema Elektromobilität in Rückstand geraten sind, liegt vor allem an der absoluten Priorität, die Verbrennungsmotoren jeder Art bislang bei diesen Unternehmen genossen. Und völlig verfehlt war diese Strategie ja nicht, denn zumindest in den nächsten zwei Jahrzehnten wird der weit überwiegende Teil aller Neuwagen mit herkömmlichen Motoren ausgeliefert werden. Wer auf diesem Feld die effizientesten Motoren anbieten kann - und da haben Aggregate aus Deutschland beste Chancen - wird zumindest mittelfristig ordentlich Geld verdienen.

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insgesamt 19 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
11.05.2010 von gandalfthegreen: irrsinn

Na bravo, da bedienen sie sich aber feinster Polemik. ordentliche Leitungsverluste, TONNENSCHWER, nach 1000 Ladezyklen wegschmeißen. Wie viel ist den Ordentlich? Im Gegenteil die verluste sind ein Witz gegenüber den 80% [...] mehr...

03.05.2010 von dale_gribble: .

Eher pro Quadratzentimeter. Wird bestimmt lustig, wenn ein ringfoermiges Metallobjekt versehentlich auf die Strasse faellt... mehr...

03.05.2010 von Skarrin: Keine Subventionen für Versager

Sehr gute Formulierung! 1997 kostete der Barrel Rohöl unter $20, Toyota hatte einen serienreifen Hybrid (Prius), und Daimler hatte ein serienreifes Elektroauto (A-Klasse). Toyota hat den Prius dann auf den Markt gebracht, [...] mehr...

03.05.2010 von rkinfo: 1 Mrd. Invest für E-Zapfsäulen

Ab 42V wird es lebensgefährlich für Menschen. Und bei 20-50 kW Leistungsbedarf hätte man Stromstärken um 500-1.000 A. Zum Vergleich Hochgeschwindigkeitszüge: 10-20.000 V 10-30.000KW Also max. 500 Ampere je [...] mehr...

03.05.2010 von m-pesch: ...

Für diese 300000 Km hat man in den 80ern noch 2 Austauschmotoren, ein Austauschgetriebe, und ein paar Kupplungen und Auspupptöpfe ohne Ende verbraucht. mehr...

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  • Datum: Montag 03.05.2010 | 11:45 Uhr
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Förderung umweltfreundlicher
Autos in Europa

Hintergrund und Berechnungsgrundlage

Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.


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Welche Typen von Elektroautos gibt es?

Reiner Elektroantrieb

Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City

Hybridantrieb

Brennstoffzellenantrieb

Range Extender

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