Merkels Elektroauto-Gipfel: Autobosse blitzen mit Bitte um Stromer-Hilfe ab

Aus Berlin berichtet Tom Hillenbrand

Deutschlands Autobauer kämpfen um die Pole-Position beim Bau von Elektroautos - mit Steuergeldern können sie bei der Aufholjagd nicht rechnen: Beim E-Mobil-Gipfel erteilte Kanzlerin Merkel den Subventionsbitten eine Absage. Als Entschädigung gibt es eine Entschärfung bei den CO2-Auflagen.

Politiker müssen dauernd Dinge eröffnen - Kreisverkehre, Museen, Aufzuchtstätten für bedrohte Seeadler. Auf dem Elektroautogipfel weiht die Kanzlerin passenderweise eine Elektrozapfsäule ein, zumindest versucht sie es. "Gibt's da, also kommt da auch ein Stecker?" Sie drückt auf den Knöpfen der Ladestation herum, immer wieder, doch es passiert nichts. "Manche haben jetzt vielleicht Pyrotechnik erwartet", witzelt der als Moderator eingekaufte ZDF-Sprecher Steffen Seibert, "aber das können und wollen wir hier nicht leisten."

Das fasst ganz gut zusammen, was beim ersten Elektromobilitätsgipfel der Bundesregierung herausgekommen ist: Eher Ephemeres, wenig Handfestes. Dabei ist das Defilee der Top-Manager, die für den Gipfel angereist sind, recht beeindruckend. Die Chefs von Daimler, Volkswagen und BMW sind da, dazu Vorstände ohne Zahl, Cheflobbyisten und Bundesminister.

Sie alle sind gekommen, weil es bis vor kurzem so aussah, als nähme die Regierung für die Förderung der Elektromobilität weiteres Geld in die Hand. Die deutschen Autohersteller, denen die Kanzlerin am Montag in Sachen E-Auto "Nachholbedarf" attestierte, versuchten deshalb im Vorfeld mit allerlei PR-Aktionen zu dokumentieren, dass ihre Unternehmen bei der Elektromobilität ganz weit vorne liegen: VW zeigte vor dem Brandenburger Tor erstmals den elektrifizierten Golf, Daimler-Chef Dieter Zetsche brüstete sich, man könne statt hundert jederzeit auch 15.000 Elektro-Mercedes pro Jahr bauen.


Ursprünglich, so heißt es aus informierten Kreisen, habe folgender Deal im Raum gestanden: Die Industrie sollte bis 2020 rund eine Millionen E-Autos aus deutscher Produktion zusichern. Im Gegenzug wollte Angela Merkel die noch aus dem Konjunkturpaket der Großen Koalition stammenden Fördermittel für Elektromobilität in Höhe von 500 Millionen Euro kräftig aufstocken.

Das Geld ist schon in Athen

Nun ist klar, dass es kein weiteres Geld für die Industrie gibt. Schuld daran sind - in gewisser Weise - die Griechen. Die Bundesrepublik stützt Athen mit 22 Milliarden Euro im Kampf gegen die drohende Staatspleite. Zusätzliche Milliardensubventionen für die mit einer deutlich besseren Bonität gesegnete deutsche Autoindustrie wären in der Öffentlichkeit wohl schlecht angekommen.

Auch eine Kaufprämie für Elektroautos, wie sie etwa die Franzosen planen (5000 Euro je Pkw), wird es in Deutschland auf absehbare Zeit nicht geben. Verkehrsminister Peter Ramsauer sagte, er sei überzeugt, das Elektroauto sei "so hip, dass man das haben will", auch ohne Stromer-Prämie.

Winfried Hermann, Verkehrsexperte der Grünen, ist von den Ergebnissen des Gipfels enttäuscht: "So wird das nichts mit dem Leitmarkt Elektromobilität." Es gebe keine zusätzlichen Forschungsmittel, keine Kaufprämie, keine Verpflichtungen. Das ganze sei eine "Inszenierung auf Talkshow-Niveau".

Virtuelle Ökoautos für die Statistik

Völlig leer gingen die Autokonzerne dann aber doch nicht aus. Die Regierung stellte den Unternehmen sogenannte Supercredits in Aussicht. Darunter versteht man die mehrfache Anrechnung von emissionsarmen Fahrzeugen im Flottenverbrauch. Derzeit liegen die deutschen Pkw-Hersteller teilweise deutlich über jenen 140 Gramm CO2 je Kilometer, welche die Europäische Union als durchschnittliches Emissionsziel je Fahrzeug festgeschrieben hat.

Die Bundesregierung will sich nun dafür einsetzen, dass Autos mit weniger als 50 g/km mit einem Multiplikator in die Statistik eingehen. So könnte etwa Daimler sich jeden Elektrosmart drei-, vier- oder fünfmal anrechnen lassen und dadurch auf einen niedrigeren Flottenwert kommen, ohne tatsächlich viele sparsame Autos herzustellen. Das klingt nach Statistik-Schönfärberei - verstärkt aber vielleicht den Anreiz, Stromer auf die Straße zu bringen.

Ob und wann diese Regelung kommt, ist allerdings ungewiss, da sie zunächst in Brüssel abgestimmt werden muss. Stattdessen mündet der Gipfel zunächst in sieben Arbeitsgruppen, die Fragen wie die Normierung von Ladesteckern oder die Schaffung neuer Berufsbilder für Facharbeiter erörtern sollen.

Koordinieren soll das ganze Henning Kagermann, Ex-Chef des einstmaligen Vorzeigekonzerns SAP. Moderator Seibert erklärte den verdutzten Automanagern dann auch gleich, warum Kagermann der richtige Mann für diese Aufgabe sei. Der komme schließlich aus der Software-Branche und wisse, dass man technologisch ganz schnell den Anschluss verlieren könne.

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Die neuesten Beiträge:
04.05.2010 von m-pesch: ...

Das Problem ist das noch keiner ein Elektroauto gebaut hat das es sich überhaupt zu vergleichen lohnt. Krawallkisten wie der Tesla oder unsägliches Flickwerk wie der Smart oder Mini kann man nicht dafür nehmen. Das sind [...] mehr...

04.05.2010 von mobileresident: .

Ihren Enthusiasmus in Ehren, aber in den USA fahren TOTAL etwa 200 Hydrogen Vehicles rum, etwa 180 davon in CA. Also so massenhaft sind die noch nicht. Kaufen kann man sie auch nicht, nur leasen. Waere bei ueber $250000 pro [...] mehr...

04.05.2010 von Zuversicht: Leiderr nur in der Theorie

Sind Sie sich da sicher? Hier mal die Berechnungsformel pro gefahrenen Km in Gramm für Benzin und Diesel. Die stimmt zwar nicht zu 100% aber kommt dem realen CO2 Verbrauch ziemlich nahe. Dabei spielt das Fahrzeug und der [...] mehr...

04.05.2010 von tempus fugit: 0,8%?

Wann vetreten denn Vertreter noch was, wenn sie täglich 6-8 Std. am Steuer sitzen?...(;>)))> Ich verstehe ja noch, dass LKW-Fahrer Ihr Leben grösstenteils hinterm Steuer verbringen! Aber wer jeden Tag im PKW 500 [...] mehr...

04.05.2010 von dale_gribble: .

Nein! Es wird bei vernuenftigen Gegenueberstellungen grundsaetzlich "Well to Wheel" gerechnet. Der Unterschied ist uebrigens recht gering. ---Zitat--- Der Wirkungsgrad den man beim Wackelhuber annimmt ist ja nur [...] mehr...

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  • Datum: Montag 03.05.2010 | 16:57 Uhr
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Förderung umweltfreundlicher
Autos in Europa

Hintergrund und Berechnungsgrundlage

Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.


Österreich

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Welche Typen von Elektroautos gibt es?

Reiner Elektroantrieb

Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City

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Brennstoffzellenantrieb

Range Extender

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