Porsche in den USA: Der amerikanische Schwabe

Von Tom Grünweg

Die USA waren einst das gelobte Land der Autoverkäufer - für Porsche sind sie es noch immer. Nirgendwo setzt die Sportwagenmarke mehr Fahrzeuge ab. Zu verdanken haben die Schwaben das vor allem dem Importeur Max Hoffmann, der sogar das Firmenlogo erfunden haben soll.

60 Jahre Porsche in den USA: Gelobter Markt
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Der Start war holprig. Max Hoffman, ein aus Österreich in die USA emigrierter Autohändler ließ vor 60 Jahren die ersten Porsche-Modelle nach New York verschiffen. Doch wer bitte sollte diese komischen Kisten kaufen? Die Autos waren eine Provokation: Nur 44 PS stark, kosteten die winzigen Zweisitzer mehr als 4000 Dollar - so viel wie ein großes Cabrio von Cadillac.

Ferry Porsche war entsprechend skeptisch. "Wenn Sie fünf Autos in einem Jahr verkaufen, bin ich schon zufrieden", soll er Hoffman gekabelt haben. Dessen Antwort: "Wenn es nicht mindestens fünf pro Woche sind, dann habe ich gar kein Interesse." Er wurde nicht enttäuscht. Die USA entwickelten sich zum wichtigsten Markt für das Zuffenhausener Unternehmen, bis zu 70 Prozent der Jahresproduktion wurden hier zeitweise verkauft.

Der Anfang freilich war weitaus bescheidener. Die ersten drei Porsche 356 wurden im Herbst 1950 in Manhattan ausgeladen. Zwei davon kaufte der US-Rennfahrer Briggs Cunningham, einen stellte Hoffman in einen Verkaufsraum an der Park Avenue, in dem auch Mercedes und Jaguar-Modelle feilgeboten wurden. Interesse an dem kleinen Sportwagen kam jedoch erst auf, als Hoffman regelmäßig bei Rennen startete. Schnell sprach sich die Rasanz des Importmodells herum. 1951 wurden 32 Autos importiert, 1954 waren es fast 600. Elf Verkäufe pro Woche - das war damals schon ein Drittel der Produktion.

Hoffman war ein Verkaufstalent. Und er besaß ein Gespür für Kundenwünsche. Als er den Mercedes-Rennwagen 300 SL sah, überredete er den Stuttgarter Hersteller flugs, eine Straßenversion zu bauen, den legendären Flügeltürer. Bei Porsche lief es ähnlich. "Wir brauchen ein Auto für weniger als 3000 Dollar", meldete Hoffman nach Zuffenhausen. Das Resultat war der Porsche Speedster ein kleiner, leichter Roadster, der ab 1955 in den USA angeboten wurde.

Auf Hoffmans Konto geht angeblich sogar das Markenzeichen auf der Haube. Weil die ersten Modelle lediglich einen Porsche-Schriftzug trugen, sprach Hoffman bei einem Essen mit Ferry Porsche das Thema an. "Jedes Auto, das etwas darstellt, trägt ein Wappen. Warum nicht auch ein Porsche?" Daraufhin habe, so erzählt es heute der amerikanische Porsche-Sprecher Steve Janisse, der Firmenchef leicht genervt zu einer Serviette gegriffen und angefangen, das spätere Markenzeichen zu skizzieren.

Der gute Draht nach Hollywood

Während Hoffman für Porsche die US-Ostküste eroberte, machte ein anderer Österreicher Kalifornien zur Goldküste für das Unternehmen. Johnny von Neumann, 1947 aus Wien ausgewandert, betrieb einen Autohandel in Los Angeles. Als er 1951 seinen Freund Hoffman in New York besuchte, war er von den kleinen schwäbischen Sportwagen so begeistert, dass er gleich einen kaufte und damit quer durch die Vereinigten Staaten nach Hause fuhr. Dort angekommen, war das Auto der erste Porsche an der Westküste.

Dank guter Kontakte nach Hollywood etablierte Neumann die Marke bei Stars und Sternchen aus der Filmindustrie - unter anderem bei James Dean. Der kaufte seinen ersten 356 Speedster bei "Neumann's Competition Motors" und tauschte ihn nach dem Sieg bei seinem ersten Amateurrennen gegen jenen 550 Spyder, in dem er 1955 bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Dem Ruf von Porsche jedoch schadete das nicht, eher im Gegenteil.

Nach der Vorarbeit der freien Importeure nahm Porsche zehn Jahre später die Geschäfte selbst in die Hand. Allerdings traten die Schwaben die Rechte am Verkauf ihrer Autos im Jahr 1969 Volkswagen ab. Fortan wurde ein Netz von Händlern etabliert, die Porsche und Audi im Duett verkauften. Als wichtigstes Marketinginstrument wurde, Hoffman eingedenk, der Rennsport gepflegt. Bis zum Ende der Partnerschaft 1984 wurden rund 250.000 Sportwagen aus Stuttgart in den USA verkauft.

Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt

Der Porsche-Absatz in den USA gipfelte 1986 bei mehr als 30.000 Fahrzeugen. Dann setzte eine rasante Talfahrt ein. Spätestens nach dem Börsencrash am 19. Oktober 1987 (Schwarzer Freitag"), waren teuer 911er nicht mehr gefragt; auf dem Tiefpunkt 1993 verkaufte Porsche in den USA nur noch 3700 Autos. Mitten in der Flaute enthüllte der frischgebackene Vorstandschef Wendelin Wiedeking, auf der Motorshow in Detroit die Studie eines neuen Einstiegs-Modells namens Boxster. Ab 1996 wurde das Auto verkauft - und fand in den USA reißenden Absatz.

Vermutlich leben heute mehr Porsche-Kunden im kalifornischen Santa Monica als in Stuttgart. Ist Porsche also längst eine amerikanische Marke? In Zuffenhausen wird das vehement verneint. "Doch dass der US-Markt eine große Bedeutung für die Marke hat, ist absolut richtig", sagt Porsche-Sprecher Hans-Gerd Bode. Dieser Einfluss reicht vom Einbau von Getränkehaltern über größere Airbags (weil sich US-Amerikaner nur selten anschnallen) bis hin zu den strengen US-Abgasnormen, die eingehalten werden müssen.

Zudem lieben die US-Kunden Autos mit hohem Showfaktor. Und so ist ausgerechnet das Land mit den strengen Tempolimits der größte Markt für den Supersportwagen Porsche 911 Turbo. Es ist aber nicht nur die Show, die der Marke die Kundschaft zutreibt. Der mit 80.000 Mitgliedern größte Porsche-Club der Welt in den USA bittet praktisch jedes Wochenende irgendwo in dem weiten Land zum Tempobolzen auf einen Rundkurs. Bernd Harling, Unternehmenssprecher in den USA, bringt es auf den Punkt: "Wer hier einen Porsche kauft, will seine Marke auch siegen sehen." 44 PS, wie ganz am Anfang, reichen dafür längst nicht mehr.

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01.07.2010 von Haio Forler: .

Herrlicher Wagen, Deutsche Wertarbeit und ein prächtiges Aushängeschild für Qualität. Aber: wo bleiben denn die Öko-Jünger hier? Sind die noch nicht aufgeschlagen? Na, wird schon noch. mehr...

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  • Datum: Donnerstag 01.07.2010 | 09:17 Uhr
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