Hightech am Fahrrad: Der Rahmen für mehr Leistung

Von Denis Dilba

Stabiler, leichter, windschnittiger - um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen Räder für Profifahrer ständig optimiert werden. Zum Einsatz kommen zum Beispiel kohlefaserverstärkte Kunststoffe. Die Verbesserungen kommen neuerdings auch Freizeit-Rennradlern zugute.


Niederlagen sind für Ronny Hartnick nur dann verschmerzbar, wenn eines sonnenklar ist: Es lag nicht am Material. Denn sonst wäre dem Chefentwickler für Radsport am Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin ein Fehler unterlaufen. Und das will er unbedingt vermeiden. Deshalb scheut Hartnick bei der Entwicklung seiner Hightech-Rennräder für die deutsche Bahnrad- und Zeitfahr elite keine Mühen. Wann immer es geht, begleitet er seine Schützlinge zu ihren Rennen und beobachtet die Konkurrenz: Wer hat auf welche Ideen gesetzt? Welche Materialien wurden verbaut? Hat das FES mit seiner Lösung einen neuen Standard gesetzt? Um letztere Frage mit "Ja" beantworten zu können, muss der Maschinenbau-Ingenieur sozusagen immer eine Radlänge vorn liegen.

Zurzeit tüftelt der Radspezialist am Bahnrad-Prototypen für die Olympischen Spiele 2012 in London. Eine Sisyphusarbeit: Mehrere Wochen hat es allein gedauert, bis der Konstrukteur mit den Vorberechnungen des Rahmens zufrieden war. Dabei werden auf Basis der Finite-Elemente-Methode (FEM) zunächst die erforderlichen Steifigkeiten des Rennrahmens am Computer ermittelt. Hartnick simuliert dazu beispielsweise die Trittkräfte, die während eines Rennens auf die filigrane Röhrenkonstruktion einwirken. Erst wenn er den Materialmix, die Wandstärken und den Rohrdurchmesser so eingestellt hat, dass der Bereich um das Tretlager herum unter Last nur noch minimale Ausgleichsbewegungen zulässt, ist sein erstes Etappenziel erreicht.

"Optimierungsorgie am Rechner"

Hat der Rahmen die geforderte Grundstabilität, macht sich der Radbauer an dessen aerodynamische Optimierung. Hartnick zieht dafür ein Computerprogramm zu Rate, das ursprünglich aus dem Flugzeugbau stammt. Mit der sogenannten Computational-Fluid-Dynamics-Simulation, kurz CFD, werden die Strömungsverläufe des Fahrtwindes um den Rahmen berechnet. Sind beispielsweise beim Renntempo von rund 60 Kilometer pro Stunde die am Unterrohr auftretenden Verwirbelungen zu groß, muss die Rahmenform angepasst werden. Dann startet Hartnick das CFD-Programm erneut und schaut, was seine Maßnahme gebracht hat. "Der Vorteil der CFD-Methode ist vor allem ihre Anschaulichkeit", verrät Hartnick. "Im Windkanal erfährt man nicht, warum etwas funktioniert, sondern nur, dass es funktioniert - der Computer zeigt es genauer." Er stellt in Farbplots detailliert Druckverhältnisse, Luftwiderstände an verschiedenen Fahrradkomponenten und Strömungsverläufe dar.


Nach dieser "Optimierungsorgie am Rechner" freue er sich jedes Mal wieder auf den handfesteren Praxisteil des Rahmenbaus, sagt Hartnick. Während seine Kollegen aus der Werkzeugfertigung die Form für den Rahmen-Prototypen bauen, erstellt Hartnick den sogenannten Laminatplan - denn kohlefaserverstärkten Kunststoff (CFK) gibt es in ganz verschiedenen Varianten. Aus bis zu vier unterschiedlichen Faserqualitäten könne er auswählen, erklärt der Radbau-Ingenieur. Grob unterscheidet man zwischen uni- und bidirektionalem Gewebe: Während Ersteres im Prinzip nur Kräfte in Faserrichtung aufnehmen kann, ist Letzteres deutlich gleichmäßiger in alle Richtungen belastbar. "Die Variante mit unidirektionalen Fasern ist leichter und bei exakter Verarbeitung gleichzeitig noch mal etwas steifer - aber auch empfindlicher", erklärt Hartnick. Sie kann ihre Vorteile daher nur in Rahmensektionen ausspielen, die keine Querkräfte erfahren. Je nach Belastung und geforderter Steifigkeit wird so für jeden Quadratzentimeter des Rahmens die entsprechende Faserqualität ausgewählt.

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insgesamt 15 Beiträge
Viva24 25.05.2010
Entwickelt lieber ein Massenrad, um die 15kg schwer, dass Verkehrstaglich mit Licht ist und macht dazu einen guten Preis, dann hat die Umwelt auch was davon!.
Entwickelt lieber ein Massenrad, um die 15kg schwer, dass Verkehrstaglich mit Licht ist und macht dazu einen guten Preis, dann hat die Umwelt auch was davon!.
supersteech 25.05.2010
Untertitel zu Bild Nr. 4: "Stevens-Rad: Elena Morales von der Messe Bremen führt vor den Messehallen der Hansestadt ein nur 922 Gramm leichtes Rennrad aus Kohlefaserverbundwerkstoffen vor. Das Bild stammt aus dem Jahr [...]
Untertitel zu Bild Nr. 4: "Stevens-Rad: Elena Morales von der Messe Bremen führt vor den Messehallen der Hansestadt ein nur 922 Gramm leichtes Rennrad aus Kohlefaserverbundwerkstoffen vor. Das Bild stammt aus dem Jahr 2007." Was verzapft ihr denn da für einen MÜLL!!!??? 922 Gramm für ein ganzes Rennrad....schon klar. Sagt mal, ist Recherche bei euch abgeschafft worden? Wer nimmt denn so einen Blödsinn ab, bevor er online geht? Gibt es überhaupt noch Abnahmen bei SPON? Manchmal ist es schon wirklich erschreckend, was man von euch alles vorgesetzt bekommt. Das war mal anders....
WolArn 25.05.2010
Da ist bei der Beschreibung von Bild 4 ein Tipp-Fehler; soll wohl "9220 Gramm leichtes Rennrad" heißen. http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-55009-4.html
Da ist bei der Beschreibung von Bild 4 ein Tipp-Fehler; soll wohl "9220 Gramm leichtes Rennrad" heißen. http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-55009-4.html
sonobox 25.05.2010
"Stevens-Rad: Elena Morales von der Messe Bremen führt vor den Messehallen der Hansestadt ein nur 922 Gramm leichtes Rennrad aus Kohlefaserverbundwerkstoffen vor. Das Bild stammt aus dem Jahr 2007." Wohl kaum! Der [...]
"Stevens-Rad: Elena Morales von der Messe Bremen führt vor den Messehallen der Hansestadt ein nur 922 Gramm leichtes Rennrad aus Kohlefaserverbundwerkstoffen vor. Das Bild stammt aus dem Jahr 2007." Wohl kaum! Der Rahmen wiegt 922 Gramm, nicht das Rad!
sonobox 25.05.2010
Was genau soll das sein? Es gibt Tausende Fahrräder, die sich jedermann leisten kann, und mindestens Ihren Anforderungen gerecht werden. Was fuer ein unsinniger Kommentar...
Zitat von Viva24Entwickelt lieber ein Massenrad, um die 15kg schwer, dass Verkehrstaglich mit Licht ist und macht dazu einen guten Preis, dann hat die Umwelt auch was davon!.
Was genau soll das sein? Es gibt Tausende Fahrräder, die sich jedermann leisten kann, und mindestens Ihren Anforderungen gerecht werden. Was fuer ein unsinniger Kommentar...
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  • Datum: Dienstag 25.05.2010 | 11:36 Uhr
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