Von Tom Hillenbrand
Hamburg/Palo Alto - Neben Toyota-Chef Akio Toyoda und Tesla-Boss Elon Musk war auch Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger nach Palo Alto gereist, um das für Industriebeobachter überraschende Joint Venture zu verkünden. Im kalifornischen Pkw-Werk Nummi (New United Motor Manufacturing) sollen ab 2012 viertürige Elektroautos von Tesla vom Band laufen - und Toyota wird den Konkurrenten bei diesem Vorhaben mit Geld und Know-how unterstützen.
Nach Angaben von Tesla-Chef Musk wird in der Fabrik in Fremont eine jährliche Produktion von 20.000 Autos angestrebt. Anfangs sollen tausend Mitarbeiter beschäftigt werden, langfristig sollen es 10.000 sein. Nummi ist ein ehemaliges Gemeinschaftswerk von General Motors (GM) und Toyota. Die Produktion war im April 2010 im Zuge der GM-Insolvenz eingestellt worden. Rund 5000 Stellen waren weggefallen, ein herber Schlag für die Region.
Für Tesla ist der Deal ein Glücksfall. Das Unternehmen sucht seit einiger Zeit nach einem Produktionstandort für seine erste Limousine, den Model S. Die Übernahme von Nummi dürfte deutlich preiswerter sein als ein kompletter Neubau. Noch wichtiger ist aber wohl die Fertigungsexpertise, die Tesla von Toyota mitgeliefert bekommt.
Gut für Teslas Zukunft, gut für Toyotas Image
Bisher ist Tesla nämlich kaum mehr als eine Kleinserienmanufaktur, die ein paar hundert Roadster im Jahr zusammenschraubt. Für die jetzt geplante Massenfertigung kann das Unternehmen fortan auf das Toyota Production System zurückgreifen, das in der Autoindustrie gewissermaßen als der Goldstandard in Sachen Fertigung gilt.
Die Japaner wollen gemeinsam mit Tesla Autos entwickeln. "Toyota war ja auch mal ein Start-up", sagte Toyoda am Donnerstagabend. Für ihr Engagement erhalten die Japaner vor dem geplanten Tesla-Börsengang ein Aktienpaket zum Vorzugspreis und werden Anteilseigner. Damit ist der Konzern bereits der zweite Autoriese, der bei Tesla einsteigt. Daimler hält bereits Anteile an dem Start-up.
Nach seinem Erfolg mit Hybridautos wie dem Prius will Toyota mit der Kooperation mit Tesla wohl nicht nur sein Engagement bei umweltfreundlichen Autos vorantreiben. Branchenbeobachter sehen dahinter auch einen Versuch, das durch eine verheerende Pannenserie lädierte Image auf dem US- Markt aufzupolieren.
Nach der Nummi-Schließung erlaube es der Deal Toyota, "sein Gesicht zu wahren", sagte Tatsuo Yoshida, Analyst bei UBS Securities. Zudem können die Japaner bei Elektroautos durchaus Hilfe gebrauchen: Anders als bei Hybridfahrzeugen liegt Toyota bei Stromern hinter Wettbewerbern wie, GM, Mitsubishi und Nissan.
Mit Material von Reuters
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