Elektroauto Leaf: Nissans Kampfpreis schockiert die Branche

Aus Los Angeles berichtet Tom Grünweg

Stromer zum Spartarif: Nissans Elektroauto Leaf wird in den USA inklusive Ökorabatt kaum mehr kosten als ein herkömmlicher Benziner. Der Kundenandrang ist immens, die Konkurrenz verdattert.

Nissan Leaf: Verkaufsstart in den USA
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Tom Grünweg

Das wohl einzige Elektroauto, das bislang für einen ähnlichen Hype sorgte wie Nissans Leaf, war der Akkuflitzer Tesla Roadster. Zwischen den beiden Fahrzeugen gibt es freilich einen gravierenden Unterschied: Während der elektrifizierte Sportwagen aus dem Silicon Valley nur in homöopathischen Stückzahlen gebaut wird und mit einem Preis von 111.000 Dollar für Normalverdiener viel zu teuer ist, soll der Leaf das erste Elektroauto für jedermann werden.

Darauf deuten das Kompaktklasseformat, die fünf Sitzplätze und die Reichweite von 160 Kilometern ebenso hin wie die Produktionsplanung - gebaut werden soll der Wagen in hohen Stückzahlen, in Japan, Amerika und Europa. Vor allem aber zeigt das der Kampfpreis, den Nissan aufgerufen hat: In den USA wird der Wagen 32.780 Dollar kosten und nach dem Abzug von 7500 Dollar Steuerrabatt aus Washington für 25.280 Dollar zu haben sein. Wer in Kalifornien wohnt, bekommt noch einmal 5000 Dollar vom Staat und zahlt damit für den Leaf weniger als für Hybridautos wie den Toyota Prius oder den Honda Insight. Selbst konventionell motorisierte Limousinen sind kaum billiger.

Seit Nissan Bestellungen entgegennimmt, geht es auf der Website heiß her. Nachdem sich zuvor schon mehr als 100.000 Interessenten registriert hatten, folgen nun konkrete Reservierungen, angeblich im Minutentakt. "Es waren 2700 Reservierungen in den ersten drei Stunden", zitieren US-Medien den Nissan-Vertriebsmanager Dave Mingle. Mittlerweile haben dem Vernehmen nach mehr als 12.000 Kunden 99 Dollar für ihren Platz auf der Bestellliste angezahlt.

Das wäre bereits ein Viertel jener 50.000 Leafs, die Nissan im ersten Jahr in Japan produzieren will. Später dürfte sich die Situation entspannen: Das Nissan-Werk im US-Staat Tennessee hat eine Kapazität für 150.000 Autos pro Jahr und nimmt 2012 die Arbeit auf, und ab 2013 sollen im englischen Sunderland ebenfalls 50.000 Leaf pro Jahr gebaut werden.

So richtig anrollen wird die Elektroautowelle erst 2012

Vorerst jedoch brauchen die Amerikaner noch etwas Geduld. "Zum ersten Mal zu Gesicht bekommen meine Kunden den Wagen wohl erst im November", sagt Jose Sanchez, der den Verkauf bei Bueno Park Nissan im kalifornischen Anaheim leitet. "Ausliefern können wir den Wagen frühestens zum Jahreswechsel." Damit ist der nach eigenen Angaben größte Nissan-Händler südlich von Los Angeles noch einer der schnellsten. In vielen US-Staaten beginnt der Leaf-Verkauf erst Mitte 2011, und erst 2012 ist das Elektroauto im ganzen Land verfügbar.


Die Wartezeit will Nissan nutzen: Wer einen Leaf reserviert, bekommt wenig später Hausbesuch von einem Nissan-Elektriker, der vor Ort den besten Platz für die Steckdose zum täglichen Tanken auskundschaftet. Parallel dazu wird das Werkstattpersonal geschult und die Schauräume werden umgebaut. "Wir erhalten zwei Ladestationen und eine spezielle Präsentationsfläche", sagt Nissan-Verkäufer Sanchez.

Nissan-Kampfpreis dürfte General Motors Kunden kosten

Normalerweise sind Amerikaner ungeduldige Kunden, die ihren neuen Wagen kaufen und gleich darauf mit dem Auto vom Hof fahren wollen. "Beim Leaf macht ihnen das Warten offenbar nichts aus", sagt Sanchez. "Die meisten werden ihn wohl nur als Zweit- oder Drittwagen nutzen. Außerdem gibt es ja nirgends eine Alternative."

D a hat er recht. Denn auch der Chevrolet Volt, der nach aktuellem Sachstand als einziges Auto mit dem Leaf konkurrieren könnte, kommt erst zum Jahresende in den Handel und wird obendrein deutlich teurer. "Nach Abzug der Förderung werden wir deutlich unter 40.000 Dollar liegen", sagt Volt-Produktmanagerin Cristi Landy. Bis vor ein paar Wochen klang das noch vertretbar. Doch seit der Leaf für rund 25.000 Dollar angeboten wird, dürften die GM-Strategen schwer ins Grübeln gekommen sein.

In Europa soll der Nissan Leaf unter 30.000 Euro kosten

Die USA sind erst der Anfang. Gerade hat Nissan angekündigt, dass im Juli auch in Europa die Reservierungsphase für den Leaf beginnt, die ersten Autos sollen noch in diesem Jahr ausgeliefert werden. Die hiesigen Preise liegen je nach lokaler Förderung bei zum Teil deutlich unter 30.000 Euro, so Nissan-Europachef Simon Thomas.

Die Kunden in Deutschland werden allerdings noch länger auf den Leaf warten müssen: "Der Verkauf beginnt dort, wo die Subventionen für Elektrofahrzeuge am größten sind", sagt Nissan-Sprecher Michael Bierdümpfl - also in England, Irland, Portugal und den Niederlanden. Danach folgen bis Ende 2011 drei weitere Regionen. "Und Deutschland wird wohl in der letzten sein", vermutet Bierdümpfl. Die Preise für Deutschland seien deshalb noch nicht spruchreif. Subventionen für Stromer gibt es hierzulande bisher nicht. "Ich gehe davon aus, dass wir ohne staatliche Förderung nicht unter die 30.000-Euro-Marke kommen werden."

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  • Datum: Mittwoch 26.05.2010 | 06:29 Uhr
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Förderung umweltfreundlicher
Autos in Europa

Hintergrund und Berechnungsgrundlage

Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.


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Welche Typen von Elektroautos gibt es?

Reiner Elektroantrieb

Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City

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