Von Andrea Reidl
Das ist nicht einfach. "Es reicht nicht, den Rahmen zu verkleinern, denn dann stimmen die Proportionen nicht mehr", sagt Kemper. Er verändert die Geometrie des Rahmens, um unterschiedliche Eigenschaften aus dem Bike hervorzukitzeln. "Das Comped ist der super-hippe Urenkel des historischen Modells", erklärt er. Mit seinen 20-Zoll-Laufrädern und 50 Millimeter breiten Reifen fährt es sich bedeutend frecher als ein übliches Pedersen.
Die beiden Comped-Fahrer lassen beim Bremsen lässig ihr Hinterrad um die Kurve rutschen, ihr dynamischer Fahrstil erinnert an Mountainbikefahrer. Eine Fahrweise, die undenkbar ist bei dem Standard-Modell oder gar dem Dursley-Pedersen, mit dem Eye Beukemh unterwegs ist.
Der Niederländer ist an diesem Tag das Top-Fotomodel bei jeder Rast. Eye Beukemh fährt ein Original: Ein 96 Jahre altes Dursley-Pedersen - ein Heiligtum. Er hat das Rad in Holland auf einem Flohmarkt erstanden. Nachdem er die durchgerosteten Felgen und Speichen ersetzt hatte, war es fahrtüchtig. Die Patina und das zerbröselnde Vorderradschutzblech durften bleiben. Für Beukemh hat das Stil. "Dem Rad darf man sein Alter ruhig ansehen", sagt er. Schließlich funktioniert noch alles - selbst die 3-Gangschaltung, eine der ersten, die überhaupt gebaut wurden.
Keine Fahrt ohne Fragen oder Kommentare von Fremden
Geschickt steuert der Niederländer sein Heiligtum durch den knöcheltiefen Sand des Feldwegs. Viele der Mitradler, die ohne Ballonreifen fahren, steigen ab. So mischt sich das Fahrerfeld immer wieder neu und jeder fährt mal mit jedem - Pedersen-Fahrer sind kontaktfreudig. Oder werden es zwangsläufig. Wer dieses Rad fährt, lernt: Keine Fahrt ohne Fragen oder Kommentare von Fremden. Otto Renken musste sich bereits Bemerkungen anhören, wie: "Hast Du schon mal so'n ein blödes Fahrrad gesehen? Wie kommt man da überhaupt rauf?"
Dabei ist das "runter kommen" beim Pedersen anfangs eher das Problem. Der Abspanngurt verhindert das übliche Abspringen nach vorn. Deshalb gilt: Bremsen und erst wenn das Rad steht, Fuß absetzen, dann absteigen. Wer das missachtet, fällt schnell um.
Nach 50 Kilometern ist es so weit. Ihre Sitzhöcker melden: Alarm. Grinsend stopft Gaby Kalkhoff Lammfelle in Sattelgröße unter die Regenhaube einiger Sättel. Die letzten 15 Kilometer schaukeln die Hinterteile nun weich gepolstert über den Waldweg. Dann ist die Pedersen-Ausfahrt vorbei. Nach einem Tag auf dem Rad, lautet das Fazit der Runde: Rücken ok, Nacken ok, Handgelenke schmerzfrei. Das ist klassisch beim Pedersen.
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