Von Tom Grünweg
Im Normalfall bedeutet für den Passagier eine Fahrt in einem Mercedes von der Firma Binz nichts Gutes. Denn die Karosseriebaufirma aus Lorch bei Stuttgart baut vor allem Kranken- und Leichenwagen auf Basis der Mercedes E-Klasse. Es gibt aber noch eine weitere Nische, in der Binz tätig ist: den Bau von Stretch-Limousinen, also extra langen Pkw-Versionen. Jetzt gibt es die vor einem Jahr neu vorgestellte Mercedes E-Klasse erstmals in einer XXL-Version.
Auch Mercedes selbst baut eine verlängerte E-Klasse; allerdings ist der Wagen um lediglich 14 Zentimeter verlängert und verkauft wird das Auto ausschließlich in China. Binz jedoch setzt noch einen drauf: Die schwäbischen Karosseriebauer bauen nämlich ein 1,10 Meter langes Zwischenstück in die aktuelle E-Klasse ein. So entsteht binnen knapp acht Wochen in Handarbeit ein Auto mit einem Radstand von 3,99 und einer Länge von 5,98 Meter. Damit überragt die E-Klasse nicht nur alle anderen Mercedes-Modelle, sondern auch den Maybach 57. Nur das Maybach-Modell 62 ist noch ein bisschen länger.
Doch bei Binz wird nicht einfach nur das Auto gestreckt. Der Stretchlimousinen-Hersteller rüstet den Lulatsch auch gleich als Paradewagen für Hinterbänkler ein und baut beispielsweise auch zwei zusätzliche Türen ein. So hat man zu allen Plätzen bequem und ohne Verrenkungen Zugang. Das ist vor allem dann hilfreich, wenn man die Limousine mit einer Vis-à-vis-Anordnung der Sitzbänke im Fond bestellt, oder wenn man das Auto als Dreireiher ausstatten lässt.
Zum erweiterten Angebot an Platz und Sitzplätzen gibt es auf Wunsch jede Menge Extras, wie man sie auch aus den klassischen Stretch-Limousinen etwa in Las Vegas kennt. Verfügbar für die Langversion der E-Klasse sind zum Beispiel ein durchgehendes Panorama-Glasdach, Barfächer oder Fernseher - es kommt lediglich auf den Preis an. Billig jedenfalls ist so ein Lulatsch-Mobil nicht. "Durch den Umbau wird die E-Klasse etwa doppelt so teuer", sagt Ingrid Floruss, Vetriebsmanagerin bei der Firma Binz. So kostet das günstigste Auto knapp 120.000 Euro.
Bei Tempo 210 ist Schluss für den extralangen 2,2-Tonner
Beim Antrieb bleibt Binz bodenständig. Es gibt kein spezielles Tuning und auch keine gestreckte AMG-Version. Zur Wahl für die Verlängerung stehen lediglich der E 250 CDI mit 204 PS, der E 350 CGI mit 292 PS oder der E 500 mit 388 PS. Weil der Wagen nach der Dehnübung satte 2,2 Tonnen wiegt, hält sich der Elan beim Fahren mit der Stretch-Limousine in Grenzen. Zwar schafft selbst der E 250 CDI den Sprint auf Tempo 100 in 8,5 Sekunden, doch bei 210 km/h regelt die Motorelektronik vorsichtshalber ab. Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 2,7 Tonnen ist schließlich nicht zu spaßen.
Das Gros der Binzschen Fahrzeugproduktion sind Kranken- und Bestattungsfahrzeuge sowie verlängerten Fahrgestelle. Doch von der vorgegangenen Generation der Mercedes E-Klasse (Bauzeit 2002 bis 2009) fertigten die 120 Mitarbeiter des Unternehmens immerhin rund 600 Langversionen. "Und vom neuen Modell wurden bereits 35 Exemplare verkauft und weitere 30 bestellt", berichtet Vertriebsmanagerin Floruss. Die Jahreskontingent liegt bei etwa 120 XXL-Versionen, noch also ist Kapazität vorhanden.
Britische Bestattungsunternehmen sind die Hauptkunden
Wer bei der langen E-Klasse an Filmstars, Fahrdienste oder feucht-fröhliche Junggesellenpartys denkt, liegt offenbar ziemlich falsch. Einerseits ist es richtig, dass ein Teil der verlängerten Autos in den Golf-Staaten, in Russland oder in Hongkong zum Einsatz kommt, und zwar häufig in den Fuhrparks von Hotels oder Hochzeitsdienstleistern. Doch die meisten Fahrzeuge haben eine traurige Bestimmung. "Unsere Hauptkunden kommen vom englischen Bestattungsmarkt, wo die verlängerte Limousine als Begleitfahrzeug für den Bestattungswagen eingesetzt wird, um die nächsten Angehörigen des Verstorbenen zu fahren", erklärt Floruss.
Seit jeher baut die 1936 gegründete Firma Binz Sonderfahrzeuge; erst waren es Taxen und Cabrios, später Wehrmacht-Transporter und seit den fünfziger Jahren eben Kranken- und Bestattungsfahrzeuge. Zwischendurch dienten auch Modelle von BMW als Basisfahrzeuge, doch gab es zu Mercedes stets einen kurzen Draht. So erfüllte Binz zahlreiche Einzelwünsche die Mercedes nicht umsetzen konnte oder wollte: Verlängerte Kombis, Pullman-Varianten der S-Klasse und sogar Pickups auf Basis der E-Klasse wurden in Lorch schon gebaut. Außerdem der spleenige Smart Crossblade.
Während Mercedes sonst peinlich genau auf Markenrechte und Designhoheit achtet, ist die Stretchversion von Binz wohlgelitten. Das zeigt sich auch daran, dass die Firma mit speziell vorbereiteten Fahrgestellen beliefert wird. Die Kooperation ist nur allzu verständlich, denn die Lindwürmer aus Lorch sind erstens keine Konkurrenz für den großen Hersteller - und zweitens verdient Mercedes an jedem von Binz verkauften Auto ja mit.
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Genau so ist das. Es rumort gewaltig unter einst treuen Kunden. In unserem Wohmviertel gibt es etliche, die früher Stein und Bein auf den Stern geschworen haben und nun - ebenso wie ich - überall im Gespräch im Betrieb, im [...] mehr...
Das Fahrzeug soll leer 2,2 t wiegen, bei einem zulässigen Gesamtgweicht von 2,7 t wären das "nur" 500 kg Zuladung. Das mag bei einem "Normalo" mit 4/5 Sitzen vielleicht gerade so reichen, aber wenn der Wagen [...] mehr...
Leider muss ich ihnen da widersprechen... als Beispiel aus dem näheren Bekanntenkreis, ein 500 S Vollausstattung - bei der Werksniederlassung in Süddeutschland Ende 1999 gekauft, 4 Jahre gefahren - erste Garantielackierung [...] mehr...
Qualitätsanmutung und tatsächliche Qualität heutiger Mercedesfahrzeuge sind beschämend niedrig. Dies mußte ich vor wenigen Wochen auf einer Lateinamerikareise feststellen. Beim Erfahrungsaustausch an der Hotelbar ließ keiner [...] mehr...
Meines Kenntnisstandes nach behebt Mercedes Rostschaeden unabhaengig von der Vollstaendigkeit des Serviceheftes im Rahmen der Kulanz auch bei Gebrauchtfahrzeugen kostenfrei. Dies deckt sich auch mit der Erfahrung/Berichten von [...] mehr...
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