Von Jürgen Pander
Im August ist der beste Platz für wohlhabende Autonarren die US-Pazifikküste. Dort gibt es den "Concours d'Elegance" in Pebble Beach, einen der schillerndsten Schönheitswettbewerbe für Oldtimer, der in diesem Jahr am 15. August stattfindet. Passend zum Hochamt der Auto-Aristokratie wird in den Tagen zuvor vom Auktionshaus RM Auctions im Küstenort Monterey die Auktion "Sports & Classics" veranstaltet. Rund 200 Autos sollen dort versteigert werden - von mindestens 16 Modellen erwarten Experten, dass sie jeweils mehr als eine Million Dollar einbringen werden.
Der Ferrari 250 'Pontoon Fender' Testa Rossa aus dem Jahr 1958 ist so ein Fall, der Bugatti Type 51 aus dem Jahr 1931 ein anderer. Und vermutlich wird auch ein türkisfarbenes Auto aus dem Jahr 1949, das den Zungenbrechernamen Delahaye 175 S Saoutchik Roadster trägt, für eine siebenstellige Summe den Besitzer wechseln. Der Wagen sieht aus wie eine Ozeanwelle die am Strand ausläuft - wie hingegossenes Blech, funkelnd vor Chromzierat und mit fast voll verkleideten und daher praktisch unsichtbaren Rädern.
Das Unikat ist der Blech gewordene Traum einer Schauspielerin, die den Wagen - so jedenfalls ist es im offiziellen Dossier zu dem Fahrzeug zu lesen - im Alter von 17 Jahren in ihrer Lieblingsfarbe bestellte. Diana Mary Fluck hieß die Britin mit bürgerlichem Namen, bekannter war sie unter ihrem Künstlernamen Diana Dors, noch bekannter als englische Marylin Monroe.
Ein ehemaliger Möbeltischler schuf dieses Karosserie-Kunstwerk
Wie das US-amerikanische Sexsymbol war Diana Dors hellblond, verfügte über einen ausgesprochen weiblich geformten Körper spielte vergleichbare Rollen in Komödien oder Gruselfilmen. Ein Punkt, in dem sie sich sehr von Marylin Monroe unterschied, war ihre Leidenschaft für Autos. Die bescherte der Welt eines der unfassbarsten Cabriolets überhaupt, eben den Delahaye 175 S Saoutchik Roadster von 1949.
Das Chassis mit der Nummer 815023 ist eines von lediglich 51 Exemplaren dieses Typs, das der französische Autohersteller Delahaye gebaut hat. Die hinreißende Karosserie mit Art-Déco-Elementen, Stromlinien-Anklängen und detailverliebten Ornamenten wiederum stammt vom gelernten Möbeltischler Jacques Saoutchik, einem Karosseriekünstler ukrainischer Abstammung, der in Neuilly sur Seine bei Paris exklusive Autos nach den Wünschen seiner Kunden anfertigte. Eine seiner letzten großen Arbeiten war eben dieser Roadster für Miss Dors - 1955 schloss die Firma.
Ein Amerikaner rüstete den Wagen auf Frontantrieb um
Ob Diana Dors mit dem Auto herumfuhr, ist eher zweifelhaft. Sicher ist, dass der Wagen bei den Concours - also den automobilen Schönheitskonkurrenzen - in Monte Carlo und San Remo 1949 gezeigt wurde und erhebliches Aufsehen erregte. Später verliert sich die Spur des einzigartigen Wagens - Diana Dors jedenfalls machte wenig später von sich reden als jüngste Besitzerin eines Rolls-Royce in Großbritannien - das war 1951, da war sie gerade 20 geworden.
Der Delahaye 175 S Saoutchik Roadster tauchte in den siebziger Jahren bei einem Autosammler in den USA wieder auf. Der Mann aus Colorado jedoch entfernte den originalen 4,5-Liter-Reihensechszylindermotor mit obenliegender Nockenwelle und 165 PS und installierte stattdessen die Maschine eines Oldsmobil Toronado unter der riesigen Motorhaube - samt artfremden Frontantrieb.
Zum Auto gibt es den Originalmotor in einer Kiste
Wiederum 30 Jahre später landete der Wagen bei einem Restaurator, der den Motorraum wieder mit einem alten Delahaye-Originalmotor füllte und das Auto rundum wieder in Form brachte. 2007 waren die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen und der wiederhergestellte viersitzige Roadster wurde noch im selben Jahr beim Concours in Pebble Beach gezeigt. Seither macht das Auto als Ausnahmemobil in einschlägigen Kreisen Furore.
Und nun also wird es abermals verkauft. Übrigens nicht nur das Auto. Denn inzwischen ist auch der tatsächliche Originalmotor wieder aufgetaucht und wird - noch nicht eingebaut, sondern säuberlich in einer Kiste verpackt - mitsamt dem Wagen jetzt versteigert. Das ist fast schon eine Art Investitionsversicherung für den künftigen Besitze, denn wenn er den Original-Motor und das Original-Fahrzeug wieder zusammenfügt, dürfte der Wert des Wagens abermals steigen.
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Schön ist es trotzdem. mehr...
gleiches Baujahr,dachte ich beim ersten Blick. Vorne von der Seite, aber hinten war der Chevy anders- -fuer Kenner,das Oberteil des Vergasers war aus Glas- mehr...
....erinnert mich an ein Ornithorhynchus anatinus (vulgo Schnabeltier). Die Ähnlichkeit mit DD ist damit in der Tat frapant. Kurt G mehr...
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