Parma - Es ist eine Entdeckungsreise im wahrsten Sinne des Wortes. Doch italienische Ingenieure sind weniger daran interessiert, ihnen noch unbekannte Regionen dieser Welt zu erkunden, als viel mehr die technischen Grenzen der automobilen Technik auszuloten.
Zwei elektrisch betriebene Testfahrzeuge sollen ganz alleine auf Tour gehen, ohne Fahrzeuglenker. Sie sollen dem berüchtigten Moskauer Straßenverkehr, der sibirischen Hitze und der bitteren Kälte in der Wüste Gobi trotzen. "Wir wollen unsere Systeme diesen Belastungen aussetzen, um zu sehen, wie sie in einer realen Umgebung arbeiten. Wie sie auf echtes Wetter, echten Verkehr und echte Menschen reagieren, die plötzlich vor ihnen die Straße überqueren", sagt Projektleiter Alberto Broggi.
In den beiden Testfahrzeugen sitzen jeweils zwei Techniker, um im Notfall eingreifen und Pannen beheben zu können. Außerdem folgt jedem fahrerlosen Auto ein Van, von dem die Fahrzeuge Signale empfangen. "Wir werden definitiv menschliche Hilfe brauchen. Es ist nicht möglich, so eine Fahrt 100 Prozent fahrerlos zu absolvieren", sagt Broggi.
Einige Analysten sagen, dass eine solche Technologie in Zukunft durchaus brauchbar sein könnte, andere bezweifeln ihre Nützlichkeit. Dabei könnten einzelne Elemente der Technik bereits schneller zum Einsatz kommen, hofft Broggi - beispielsweise die in führerlosen Fahrzeugen für die Landwirtschaft. Solche Geräte könnten es Landwirten erlauben, ihre Felder auch nachts zu pflügen und zu säen.
Das Zukunftsszenario: Zeitung lesen im Stau
Dass Menschen eines Tages gar nicht mehr selbst lenken müssen, hält auch Broggi für unwahrscheinlich. Ihm schwebe eher vor, dass jemand Gelegenheit habe, sich in einem Stau bequem zurückzulehnen und Zeitung zu lesen, während das Auto den Rest übernehme, sagt Broggi.
Ohnehin werden die Testfahrzeuge mit maximal 60 Stundenkilometern unterwegs sein und müssen nach zwei bis drei Stunden Fahrt an die Steckdose. Allein das vollständige Aufladen der Akkus wird nämlich acht Stunden dauern. Mehr als fünf Stunden täglich werden die Fahrzeuge also kaum unterwegs sein, schätzen die Ingenieure. Und falls es in Sibirien und der Mongolei mal Schwierigkeiten geben sollte, eine Steckdose zu finden, haben die Autos zur Sicherheit einen kraftstoffbetriebenen Generator im Gepäck.
rom/dapd
Auf anderen Social Networks posten:
Eine Testfahrt ohne Fahrer,der doch vorhanden ist und die Lenker vorweg in Van.WAS IST DAS?Ein lenkbarer Torpedo?Der wäre nicht mal kriegstauglich.Elektrischer Antrieb einen Härtetest auszusetzen,finde ich o.k.... mehr...
Was für ein trübes Zukunftsszenario! DAS sind doch die wahren "technischen Grenzen der automobilen Technik" - die mangelnde Verfügbarkeit freier Straßen! Ich wohne in Stuttgart, ich weiß, wovon ich rede. Zeitung lesen [...] mehr...
Die Sensation relativiert sich doch um Einiges dadurch, dass dem fahrerlosen Auto ein Van folgt, von dem es "Signale" empfängt, und die Aussage "Wir werden definitiv menschliche Hilfe brauchen. Es ist nicht möglich, [...] mehr...
Ich frage mich (durchaus ernsthaft) ob es mit einem solchen autonom fahrenden Fahrzeug irgendwann möglich sein wird, die Promillegrenze zu umgehen. Wenn man betrunken einen vorprogrammierten Kurs startet (oder starten lässt, wenn [...] mehr...
Das meine ich ernst. Autonome Fahrzeuge müssen sofort besteuert werden. Das ist etwas was man in den 60igern als die ersten Industrieroboter auf den Markt kamen leider versäumt hat. Bei den Firmen-PCs hätte man es ebenfalls [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Auto | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Straßenverkehr | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH