Fahren mit Fäkalien: Der Mist-Käfer

Von Jürgen Pander

Seit Elektromobilität als die große Zukunftsoption gilt, werden andere Alternativen oft ausgeblendet. Jetzt aber sorgt ein VW New Beetle aus England für Furore: Das Auto fährt mit Methangas, gewonnen aus menschlichen Exkrementen.

Methangas im Tank: Der Mist-Käfer
Fotos
Wessex Water

Bio-Bug nennt die englische Recyclingfirma Geneco ihr umgebautes New Beetle Cabriolet - Mist-Käfer wäre passender: Das auf der Webseite des Unternehmens als erstes "menschlich angetriebenes Modell Großbritanniens" angepriesene Auto fährt mit Methangas, das aus Kläranlagen der Firma Wessex Water stammt. Das Toilettenabwasser von 70 Haushalten, so heißt es bei Geneco, reichten aus, um eine Jahresfahrleistung von etwa 15.000 Kilometern zu garantieren.

Die Idee, Methangas in einen Autotank zu pumpen und dieses dann im Motor zu verfeuern, ist nicht neu. Im Fall des Bio-Bug aber wird das bei der Zersetzung und Gärung von menschlichen Exkrementen gewonnene Methangas speziell aufbereitet; unter anderem wird dem Gasgemisch das Kohlendioxid entzogen.

Das Resultat ist reineres Methan, das die Fahrleistungen des Autos nicht mehr wie bislang beeinträchtigt. Der 2-Liter-Vierzylinder-Motor des VW New Beetle Cabrios beschleunigt den Wagen auf bis zu 183 km/h. "Wer das Auto fährt, wird keinen Unterschied zu einem herkömmlich angetriebenen Pkw bemerken", sagt Mohammend Saddiq, der Chef von Geneco.

Mit jeder Toilettenspülung ein paar Kilometer weiterkommen

Das von der Firma The Greenful Company umgebaute Auto ist derzeit in Bristol unterwegs. Saddiq sagt: "Der Wagen ist das nachhaltigste Mobil weit und breit." Zwar entsteht auch bei der Verbrennung von Methangas klimaschädliches Kohlendioxid, doch erstens etwas weniger als beim Verbrennen von Benzin, und zweitens entwiche das CO2 ja ohnehin in die Atmosphäre - in Form von Methangas bei der Abwasseraufbereitung. Insofern, argumentiert Geneco, fahre der Bio-Beetle CO2-neutral.

So ganz stimmt das nicht, denn zum Starten benötigt der Motor nach wie vor normales Benzin. Erst nach ein paar Kilometern Fahrt, wenn die Maschine ihre Betriebstemperatur erreicht hat, schaltet die Kraftstoffversorgung automatisch auf Methanbetrieb um.

Falls der Praxistest mit dem Auto positiv verläuft, und darauf deutet momentan vieles hin, will Geneco seine komplette Fahrzeugflotte auf Methanantrieb umstellen. Lord Rupert Redesdale, Vorsitzender der Anerobic Digestion and Biogas Association (Vereinigung für Anaerobe Gärungsprozesse und Biogas), sagte dem "Daily Telegraph", dass der Bio-Beetle beispielhaft sei für die Zukunft einer grünen Mobilität: "Methangas könnte für Autos ebenso wichtig werden wie der Elektroantrieb."

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11.08.2010 von rama-6: E Autos und Bus.

Kann mich noch erinnern im Krieg und danach in Berlin fuhren viele Postautos mit Batterie. In Berlin Mariendorf fuhr ein E-Oberleitungsbus bis Lankwitz, er war nicht langsammer wie Benziner. Habe auch nie erlebt,das der [...] mehr...

10.08.2010 von Skarrin: E-Auto-Mythen

Wer soll Ihnen denn solche Märchen glauben? Mit den NiCd-Akkus in meinem Renault Express electrique gab es auch bei -16°C keine Probleme, im Gegensatz zu den Blei-Starterakkus etlicher Verbrenner. Und für die Wärme im [...] mehr...

10.08.2010 von ohjeee: einfach schnell selbst herstellen...?

Na, das zeigen Sie mir mal bitte, wie schnell Sie eine eigene Hinterhof-Kläranlage mitsamt Infrastruktur bauen, um zur Arbeit fahren zu können! Es besteht AnschlussZWANG an das Abwasser- und Kanalnetz. Warum? Damit nicht jeder [...] mehr...

10.08.2010 von Graphite: sorry Leute, zu früh gefreut!

dass in Kläranlagen Methangas gewonnen wird ist eine Uralte Geschichte, und das gewonnene Gas wird normalerweise in den Kläranlagen selbst zur Energiegewinnung genutzt, die dabei entsehende Abwärme zum heitzen des Faulturms [...] mehr...

09.08.2010 von AllesGrau: 70 Haushalte ?

Hallo! Da wird es aber ziemlich viel Zank unter den 70 Haushalten geben, wer und wie die 15 000 Kilometer verfahren darf, die ja aus der eigenen Exkrementen produziert wurden. Dürfen die dicken Nachbarn dann mehr [...] mehr...

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  • Datum: Montag 09.08.2010 | 14:15 Uhr
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