Von Anne Haeming
So ist das Kernprodukt von Craftsmen eine Linie, die auch als E-Rad funktioniert, im Look von Motorrädern aus den zwanziger Jahren. Ihre Spezialität sind Pedelecs - Räder mit Elektroantrieb - und sie wollen Neues entwickeln. Aber: "Es ist schwierig ein attraktives Elektrofahrrad zu entwerfen, dass außerhalb der Pedelec-Kategorie angesiedelt ist", sagt Haller. Er ist überzeugt, dass Elektrofahrzeuge den Markt bald dominieren werden und malt zwei Kurven in die Luft: Die Auto-Hand fällt steil, die E-Hand zieht er nach oben.
Mit Fahrrad-Design Geld zu verdienen ist schwierig. Holger Patzelt und Recep Yesil von Fixie Inc. fuhren bis vor zwei Jahren als Fahrradkuriere durch Karlsruhe, um ihr Leben zu finanzieren: "Wir haben alle Einnahmen direkt reinvestiert", einen Förderkredit wollten sie nie. "Wir waren von einer Vision getrieben", sagt Patzelt. "Wir waren überzeugt, dass es einen Markt dafür gibt." Sie wollten anfangs nur Räder für "junge Fahrradliebhaber" wie ihresgleichen machen. Ihr Claim: "Cycles for Heroes." Sie fingen mit Fixed-Gear-Geräten an, später kamen Rennräder dazu. Sie spielen mit einem Rocker-Image, auf ihrer Homepage posieren tätowierte Kerle und tuscheverschmierte Dirnen mit den Rädern, "Betty Leeds", "Pure Blood" oder "Black Jack" heißen die Modelle, füttern ihren Blog mit Szene-Geschichten.
Ein eigenes Magazin für die Szene
"Wir sind wirtschaftlich erfolgreich", sagt Patzelt, tausend Stück sind bislang verkauft, man müsse expandieren, jüngst haben sie einen Zahnriemenantrieb entwickelt: "Wir sind das innovativste Unternehmen, das sich auf dem urbanen Singlespeed-Markt tummelt."
Das neue Radmagazin "Fahrstil" ist letztlich Ausdruck dieser wachsenden Handmacher-Szene, im Mai erschien die erste Ausgabe, ihr Thema, na klar, "handmade". Bei Haubold liegt das Heft auf dem Tresen, Fixie Inc. hat eine große Anzeige im ersten Heft geschaltet. Kein Wunder: Radfahren hat hier nichts von der spröden Verbissenheit wie in anderen Magazinen, Radfahren ist hier nur eines: lässig. Gemacht für jene jungen Radler, die früher auf Skateboards durch die Fußgängerzone bretterten und heute Bike-Polo spielen, nächtliche Rennen im Pfälzer Wald veranstalten oder bei "Critical Dirt" mitmachen, einer Tour de Matsch.
Es ist das Heft der Handmade-Clique: Auf dem Titelbild die rissige Nahaufnahme einer ölverschmierten Hand, innen Geschichten über Frickler und Rahmenbauer, schwarze Fingerabdrücke ziehen sich über die Seitenränder. Für die Fahrradmesse Eurobike Anfang September in Friedrichshafen hatte "Fahrstil" eine eigene Veranstaltung organisiert - eine Trendschau der Handmade-Szene.
Haubold und Patzelt waren auch schon dort, mit Ein-Mann-Guerilla-Aktionen. Sie schoben einfach ihre Räder durch die Hallen. Und alle wollten wissen, wo man solche bekommen kann.
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