Verkehrskollaps in China: Gefangen im Superstau

Von Tom Hillenbrand

Ferienstaus auf deutschen Autobahnen sind nichts gegen das, was sich in der chinesischen Provinz Hebei gerade abspielt. Auf mehr als hundert Kilometern Länge ballen sich die Fahrzeuge, es geht mit Tempo 1 Kilometer / Tag voran, seit neun Tagen schon - und das Problem dauert noch ein paar Wochen an.

Megastau: Chinas Blechdrache
Fotos
AFP

Auf der A7 bei Göttingen ist der Frust gerade groß. Dort staute sich seit Montag wegen eines Erdrutsches der Verkehr, nichts ging mehr. Dies war für die beteiligten Autofahrer natürlich ärgerlich.

Manchmal ist es in solchen Situationen aber tröstlich zu wissen, dass es anderen noch viel schlechter geht.

Im Vergleich zu dem, was derzeit in der chinesischen Provinz Hebei passiert, ist der Göttinger Rückstau nicht einmal Killefitz.

Auf der Expressroute Peking-Tibet hat sich ein wirklich beeindruckender Stau gebildet. Mehr als hundert Kilometer misst er, vor allem Lkw stecken zwischen Jining (Innere Mongolei) und Huai'an (Provinz Hebei) fest - einige von ihnen seit nunmehr neun Tagen. Und täglich wird der Blechlindwurm ein bisschen länger.

Schuld an der Misere sind weder Erdrutsch noch Vulkanausbruch - sondern Bauarbeiten. Wegen zahlreicher Nadelöhre geht auf der vielbefahrenen Strecke deshalb überhaupt nichts mehr. Die Straßenreparaturen, sagt Zhang Minghai, Direktor der Verkehrsbehörde von Zhangjiakou, würden noch bis in den September andauern. Vermutlich. So ganz genau möchte er sich da nicht festlegen.

Abwarten und Jasmintee trinken

China hat ohnehin ein Verkehrsproblem, aber auf der Expressroute Peking-Tibet ist die Lage besonders prekär. Der Grund sind große Kohlevorkommen in der Inneren Mongolei, die seit einigen Jahren verstärkt ausgebeutet werden. Die Kohle wird größtenteils per Laster in Richtung Hauptstadt transportiert. Deswegen hat das Verkehrsaufkommen in der Region um jährlich rund 40 Prozent zugenommen.

Und während die Autofahrer vor Göttingen bereits nach lächerlichen fünf oder sechs Stunden Stop & Go ungeduldig werden, legen Chinas Trucker eine beeindruckende Langmut an den Tag: Die Gestrandeten vertreiben sich die Zeit mit Spaziergängen, spielen Mahjong, machen das eine oder andere Nickerchen. Darben müssen sie nicht: Geschäftstüchtige Anrainer verkaufen inzwischen Instantnudeln und Tee - zu deutschen Tankstellenpreisen, versteht sich.

Ein Kilometer - pro Tag

Wann genau sich der Stau auflöst, weiß derzeit niemand. Solange er fortbesteht, dauert die Fahrt von Jining nach Peking etwa drei Monate. 99 Tage für die ersten qualvollen hundert Kilometer, einen Tag für die restlichen 260.

Doch es besteht Hoffnung. David Fang von der China Coal Transport & Distribution Association sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, wenn erst einmal die geplante innermongolische Bahntrasse fertig sei, komme die ganze Kohle auf die Schiene. "In drei oder vier Jahren", so stellt er in Aussicht, "könnte sich die Situation entspannen."

Bis dahin schaffen es die Chinesen möglicherweise noch ins Guinness-Buch der Rekorde. Den bisher dort verzeichneten Rekordstau von 176 Kilometern (auf der Strecke Paris-Lyon) sollten sie toppen können. 1000 Kilometer müssten locker drin sein. In diesem Fall empfehlen sich die Nebenstraßen über Kalkutta.

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insgesamt 110 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
26.08.2010 von cherubian: Eisenbahn

Wie im Artikel beschrieben, wird ja eine Eisenbahnstrecke zur Kohlebefoerderung gebaut. Aber auch in der VR kann dies nicht von heute auf morgen geschehen. Und der Stau hat sich ja auch schon aufgeloest... mehr...

26.08.2010 von WinstonSmith.: Gleiche Standards

An dieser Stelle ist ein Bruch in ihrer Argumentation. Sie führen die gesamte Zeit aus, dass der erhöhte Schadstoffausstoss im Westen schädlich ist. Wie wollen Sie an dieser Stelle begründen, dass sich andere Länder den gleichen [...] mehr...

26.08.2010 von mischaman: Eisenbahn!

Autos und LKW sind flexibel und nützlich. Wenn jedoch, wie in diesem speziellen Fall, tausende Lkws immer mehr Waren von A nach B transportieren müssen, dann sollte doch besser schnell ne Eisenbahn gebaut werden, anstatt die [...] mehr...

25.08.2010 von wiese59: Relative statt absolute Werte zählen (2)

Diese logischen Probleme kann man mit einfachen Überlegungen auch aus Sicht des einzelnen Menschen darstellen: Ein Chinese kann anno 2010 nichts dafür, dass er den Pass und damit die "Nationalität" eines Landes [...] mehr...

25.08.2010 von wiese59: Relative statt absolute Werte zählen (1)

Nein, es zählen die relativen Werte nicht die absoluten! Denn die Grenzen, an denen Sie Ihre absoluten Werte festmachen, um sie dann zu vergleichen, sind letztendlich vollkommen willkürlicher Natur. Sich an den Landesgrenzen [...] mehr...

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  • Datum: Dienstag 24.08.2010 | 15:47 Uhr
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