Elektromobilität in Deutschland: Milliarden Euro statt Kolibri-Akku

Von Jürgen Pander

Ein Wunderakku sorgte für eine 600-Kilometer-Rekordfahrt von München nach Berlin. Doch der Speicher scheint untauglich für den Einsatz im Auto. Um im Wettbewerb um Elektroautos zu bestehen, seien noch Milliardeninvestitionen nötig. Zu diesem Ergebnis kommt die Nationale Plattform Elektromobilität.

Elektromobilität: Gerangel um Fördergelder
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dapd

Bis ein deutscher Hersteller ein Elektroauto aus der Großserienproduktion auf den Markt bringt, wird es wohl noch ein paar Jahre dauern. Seit Mai diesen Jahres soll die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) alle Aktivitäten dazu koordinieren.

Jetzt legte die Arbeitsgruppe in Berlin einen ersten Zwischenbericht vor, in dem für Forschung und Entwicklung ein Investitionsvolumen von vier Milliarden Euro bis zum Jahr 2013 vorgeschlagen wird. Welchen Anteil daran der Bund leisten soll, blieb zunächst offen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erklärte, die Regierung werden rund 500 Millionen Euro zur Förderung der Elektroauto-Forschung beisteuern.

Erst kürzlich wähnte sich Brüderle auf dem besten Weg zu einer Lösung, als er von einem "Durchbruch" für die Elektromobilität sprach. Anlass war die 600-Kilometer-Fahrt eines zum Elektroauto umgebauten Audi A2 von München nach Berlin, den der FDP-Politiker am Morgen des 26. Oktober im Hof des Bundeswirtschaftsministeriums empfing. Am Steuer des Wagens saß der 27jährige Mirko Hannemann, Chef der Firma DBM Energy, die den so genannten Kolibri-Akku des Autos hergestellt hatte, eine Batterie auf Lithium-Metall-Polymer-Basis, die angeblich alle bisherigen Energiespeicher übertrifft.

Der "Durchbruch", der womöglich nur ein PR-Coup war

Mit der Testfahrt schien zunächst tatsächlich ein Kardinalproblem des Elektroautos, nämlich die zu geringe Reichweite, gelöst zu sein. Doch inzwischen zeigt sich, dass der Jubel des Ministers offenbar zu früh kam. "Ein solch singuläres Ereignis ist sicherlich alles andere als ein Durchbruch", sagt zum Beispiel Mercedes-Sprecher Matthias Brock. Andere Autohersteller, bei denen SPIEGEL ONLINE nachfragte, reagierten ganz ähnlich. Vor allem aber gab es unisono die Auskunft, dass es bislang keinerlei konkrete technische Informationen und Daten zur angeblichen Wunder-Batterie gebe. Und zweitens sei die Lithium-Metall-Polymer-Akkutechnik zwar durchaus bekannt, aber aus heutiger Sicht noch lange nicht für einen Einsatz im Auto geeignet. Renault und Mercedes, BMW und Audi halten daher an der Weiterentwicklung der bisher favorisierten Lithium-Ionen-Technologie fest.

Die Geheimniskrämerei der Firma DBM Energy um den Energiespeicher wirkt tatsächlich nicht vertrauenfördernd. Eine Interviewanfrage von SPIEGEL ONLINE gleich nach der Langstreckenfahrt blieb bis heute unbeantwortet. Und jetzt veröffentlichte das ADAC-Mitgliedermagazin "Motorwelt" einen Bericht, wonach die Demonstrationsfahrt von München nach Berlin überhaupt erst auf Anregung des Bundeswirtschaftsministeriums stattgefunden habe. Als kleine Blamage der Autoindustrie - und als deutlicher Hinweis darauf , dass Elektromobilität weitaus schneller umzusetzen sei, als offiziell immer behauptet werde.

Kein Druckmittel, sondern Technologieneutralität

Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE wies das Ministerium diese Darstellung zurück. Es gehe nicht im Geringsten darum, irgendjemanden unter Druck zu setzen, sagte eine Sprecherin. Stattdessen sollte gezeigt werden, dass es in Deutschland eine enorme Kompetenz in allen Bereichen der Elektromobilität gibt. Zudem gehe es Minister Brüderle um "Technologieneutralität". Will heißen: Die einseitige Festlegung auf Lithium-Ionen-Akkus als Energiespeicher, die vielleicht morgen schon veraltet sein könnten, behagt dem Ressortchef nicht.

Die angebliche Wunder-Batterie wird wohl noch länger ein Rätsel bleiben, jedenfalls so lange, bis die mit 275.000 Euro Fördermitteln bedachte Firma DBM Energy die Daten des Akkus zugänglich macht. Und die Autohersteller werden erst recht an ihrem Kurs festhalten, auf Lithium-Ionen-Speicher zu setzen und Fördergelder zu fordern, damit der ursprüngliche Plan, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf den deutschen Straßen zu haben, erfüllt werden kann. Und Rainer Brüderle bleibt Optimist: "Heute ist noch nicht Erntedankfest", stellte er fest, "aber ein Teil der Saat ist schon aufgegangen."

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insgesamt 77 Beiträge
Walter Sobchak 30.11.2010
Jaja. Alles verpennt. Und als ob wir die deutschen Automobil-Konzerne nicht schon kostenlos an deutschen Universitaeten ihre Forschung machen liessen sollen jetzt auch noch weitere Steuermillarden fliessen.
Jaja. Alles verpennt. Und als ob wir die deutschen Automobil-Konzerne nicht schon kostenlos an deutschen Universitaeten ihre Forschung machen liessen sollen jetzt auch noch weitere Steuermillarden fliessen.
Irgendwas stimmt nicht mit DBM Energy. Ein Branchen-Nobody baut aus dem Nichts heraus ein Elektrofahrzeug mit annähernd doppelter Reichweite gegenüber allen (namhaften) Herstellern. Auf der Homepage [...]
Irgendwas stimmt nicht mit DBM Energy. Ein Branchen-Nobody baut aus dem Nichts heraus ein Elektrofahrzeug mit annähernd doppelter Reichweite gegenüber allen (namhaften) Herstellern. Auf der Homepage "www.dbm-energy.com": Null Info, aber ein Buch, dass Zitat "repräsentativ den tatsächlichen Stand" der LiPo-Technologie" aufzeugt - für schlappe 249 Euro. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Der Laden ist bestimmt in Kürze an der Börse, hat Visionen (Wir bauen 100000 Fahrzeuge im ersten Jahr), streicht Fördergelder ein und verpufft. Wie Cargolifter oder Loremo. Bäh!
fgordon 30.11.2010
Naja der Kolibri Akku selbst ist aber schon seit Jahren bekannt - und wurde OHNE Fördergelder entwickelt - im Gegensatz zur Akkutechnologie die der Milliardenkonzern Daimler entwickelt :D DBM Energry ist keineswegs ein [...]
Naja der Kolibri Akku selbst ist aber schon seit Jahren bekannt - und wurde OHNE Fördergelder entwickelt - im Gegensatz zur Akkutechnologie die der Milliardenkonzern Daimler entwickelt :D DBM Energry ist keineswegs ein Branchen Nobody - es ist nur eine Firma die im Endkundenmarkt unbekannt war. Ich denke aber mind 99% aus der Fachwelt kannte auch schon vor einem Jahr den Kolibri Akku.
Cleanthinking 30.11.2010
Ich glaube nach wie vor: DBM Energy ging es nicht ums Auto, das hat letztlich schon das Ministerium verlangt. Allerdings wirken einige Berichte, das Auto habe nach dem Empfang rasch weggefahren werden müssen, schon ziemlich [...]
Ich glaube nach wie vor: DBM Energy ging es nicht ums Auto, das hat letztlich schon das Ministerium verlangt. Allerdings wirken einige Berichte, das Auto habe nach dem Empfang rasch weggefahren werden müssen, schon ziemlich unglaubwürdig. Hier einige Gedanken dazu: http://bit.ly/9ZBTOd Die zwischendurch gute Pressearbeit ist wieder zum Erliegen gekommen. Etwas verworren ist es schon. Aber im Grunde glaube ich an die Technologie - wenngleich ich auch keine exakten technischen Daten vorliegen habe.
Professor Google sagt: "Kolibri Akku" = Ungefähr 336 Ergebnisse Hmmmm Und bei welchem Produkt wird er bitte verwendet? Ich find echt nix stichhaltiges. Gruß Wolf
Zitat von fgordonNaja der Kolibri Akku selbst ist aber schon seit Jahren bekannt - und wurde OHNE Fördergelder entwickelt - im Gegensatz zur Akkutechnologie die der Milliardenkonzern Daimler entwickelt :D DBM Energry ist keineswegs ein Branchen Nobody - es ist nur eine Firma die im Endkundenmarkt unbekannt war. Ich denke aber mind 99% aus der Fachwelt kannte auch schon vor einem Jahr den Kolibri Akku.
Professor Google sagt: "Kolibri Akku" = Ungefähr 336 Ergebnisse Hmmmm Und bei welchem Produkt wird er bitte verwendet? Ich find echt nix stichhaltiges. Gruß Wolf
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  • Datum: Dienstag 30.11.2010 | 16:42 Uhr
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Förderung umweltfreundlicher
Autos in Europa
Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.


Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City
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