Ein Auto fährt im Schnitt etwa 40 Minuten am Tag. Mehr als 23 Stunden steht es herum. Doch die Kosten machen keine Pause: Steuer, Versicherung, Zinsen, Wertverlust, Wartung, TÜV und Pflege - da kommt einiges zusammen. Hier setzt das Autoteilen an: Wenn mehrere Menschen ein Fahrzeug nutzen, sparen sie Geld und bleiben mobil. Über 68.000 Menschen fahren in Deutschland auf Carsharing ab. Es gibt fast 100 Unternehmen und insgesamt rund 2500 "geteilte" Autos: vom kleinen Smart bis zum großen Mercedes Sprinter. Auf jedes Fahrzeug kommen im Schnitt 27 Nutzer. Die durchschnittliche Auslastung liegt bei 40 Prozent.
Die Stiftung Warentest hat 14 Carsharing-Anbieter in großen deutschen Städten getestet. Mit im Rennen: DB Carsharing, das Angebot der Deutschen Bahn, die 2001 auf den Carsharing-Zug aufgesprungen ist. Und schon fährt sie vorn: DB Carsharing überzeugte im Test mit gutem Service und übersichtlichen Tarifen ohne monatliche Grundgebühr. Nach der Anmeldung zahlt der Kunde nur noch fürs Auto. Beispiel: Vier Euro pro Stunde für einen Ford Fiesta plus zehn Cent Spritpauschale pro Kilometer. Ein Bordcomputer rechnet die gefahrenen Kilometer ab. Die Anmeldung zum DB Carsharing kostet einmalig 99 Euro, mit Bahncard nur 69 Euro. Dafür gibt's eine Chipkarte, die alle Fahrzeuge öffnet. Rund 1100 Autos in 66 Städten stehen bereit.
Regionale gut im Rennen
Dieser Fuhrpark ist praktisch "zusammengeteilt": Die Bahn nutzt die Autos regionaler Carsharing-Firmen, mit denen sie kooperiert. Die Regionalen sind aber auch als Solisten aktiv. Beispiel: Teilauto Magdeburg. Der kleine Anbieter fährt beim Service ganz vorn: Die Autos sind modern, gut ausgestattet und erstklassig in Schuss: keine Kratzer, keine Macken und fast jederzeit verfügbar. Im Testrennen fällt Teilauto Magdeburg dann doch noch zurück. Schuld sind die Geschäftsbedingungen. Sie enthalten kundenfeindliche Klauseln. So soll der Kunde für Schäden zahlen, die bei der Fahrzeugübernahme nicht im Bordbuch notiert waren. Das ist zu pauschal, urteilen Juristen.
Vorteil der regionalen Anbieter: Sie sind oft billiger. Beispiel: Stattauto Kiel. Preis für einen Kleinwagen: ab 1,40 Euro pro Stunde. Dazu kommen 17 bis 20 Cent pro Kilometer für Nutzung und Sprit. Doch die Tarife sind weniger übersichtlich: Zum günstigen Stundenpreis kommt eine höhere Monatsgebühr. Außerdem müssen die Kunden eine Kaution hinterlegen und einen Vertrag unterschreiben. Mit einer Monatskarte für Bus und Bahn gibt's bei einigen Anbietern Rabatt. Jetzt beginnt die Rechnerei: Wie viel kostet das "geteilte" Auto unter dem Strich?
Wenigfahrer können sparen
Carsharing lohnt sich nur für Wenigfahrer, die das Auto nicht täglich brauchen. Faustregel: Jährliche Fahrleistung deutlich unter 10.000 Kilometer. Stundenweise und auf kurzen Strecken ist das Autoteilen ungeschlagen. Für Wochenendtouren und längere Fahrten sind Mietwagen dagegen meist günstiger. Interessant ist die Kombination von Autoteilen mit Taxi, Mietwagen, Fahrrad, Bus und Bahn.
Geboren wurde das Carsharing 1988 in Berlin: als ökologische Idee. Kleine Firmen haben das Autoteilen groß gemacht. Nun machen größere weiter. Stattauto Berlin gehört inzwischen zum niederländischen Marktführer Greenwheel. Aus der Öko-Idee ist eine moderne Dienstleistung geworden. Der Autokonzern Daimler-Chrysler verkauft seinen Smart mit einem Carsharing-Gutschein für ein Jahr: Falls der Käufer mal ein größeres Auto braucht. Auch Shell ist im Rennen. Der Mineralölkonzern bietet Autoteilen unter dem Namen Shell Drive an. Und immer mehr regionale Anbieter kooperieren. Vorteil dieser Entwicklung: Der Kunde bekommt das Auto nicht nur am Heimatort, sondern in vielen Städten.
Stiftung Warentest 7/2004
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