19. September 2007, 14:51 Uhr

Volvo Re-Charge-Concept

Grüne Studie mit fünf Motoren

Volvo zeigt auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) eine Studie, die wie ein eigenwillig gestylter C30 aussieht. Das Auto besitzt einen Verbrennungsmotor, doch der dient nur noch als Stromerzeuger. Angetrieben wird der Wagen von vier Elektroaggregaten.

Die Grundidee ist von General Motors bekannt, zuletzt demonstrierte der US-Konzern das Antriebsprinzip in der IAA-Studie Opel Flextreme: Der Wagen fährt mit Strom, wenn die Batterieladung zur Neige geht, springt ein Dieselmotor an, um via Generator neue Spannung zu erzeugen. Ganz ähnlich funktioniert auch der Plug-in-Hybrid von Volvo: Eine Batterie liefert den Strom für die vier Radnaben-Elektromotoren. Die Reichweite liegt bei hundert Kilometern. Damit komme der Volvo-Fahrer mit einer Batterieladung rund doppelt so weit wie jener des Opels.

Zwischen aktuellen Hybridfahrzeugen und der Volvo-Studie besteht ein wesentlicher Unterschied. "Heutige Hybridmodelle nutzen die Batterie lediglich zur kurzzeitigen Unterstützung des Verbrennungsmotors. Unsere Lösung dagegen ist für permanenten Elektrobetrieb ausgelegt, der Verbrennungsmotor dient lediglich zur Stromerzeugung", erklärt Ichiro Sugioka, Projektmanager der Volvo-Studie im Forschungszentrum des Unternehmens in Camarillo (US-Staat Kalifornien).

Erst wenn sich der Lithium-Polymer-Stromspeicher im Heck des Wagens allmählich leert, springt ein 1,6-Liter-Verbrennungsmotor an. Er kann mit Ethanol betrieben werden, oder mit Benzin. Der Motor lädt über einen Generator die Batterie auf. Die Antriebskraft erzeugen aber weiterhin die Elektromotoren in den vier Rädern.

Das Besondere an diesem Konzept: Der Vierzylinder läuft stets im optimalen Wirkungsbereich. Dank der Radnaben-Elektromotoren ändert sich die Drehzahl des Aggregats auch dann nicht, wenn der Fahrer beispielsweise beschleunigt. Volvo hat einen Durchschnittsverbrauch von 1,9 Liter ermittelt, falls die Fahrstrecke länger als hundert Kilometer ist.

"Wenn jemand weniger als hundert Kilometer pro Tag fährt", sagt Magnus Jonsson, Vorstand für Forschung und Entwicklung bei Volvo, "wird er mit einem solchen Fahrzeug nur selten eine Tankstelle aufsuchen müssen. In den USA dürfte das auf etwa 80 Prozent aller Autofahrer zutreffen." Sobald eine herkömmliche Steckdose in der Nähe ist, kann die Batterie wieder aufgeladen werden. Ein voller Ladezyklus nehme drei Stunden in Anspruch, sagt Volvo.

Emissionssenkung nur mit Elektrofahrzeugen

Volvo-Entwicklungschef Jonsson ist überzeugt, dass künftige CO2-Grenzwerte "nur mit einem Anteil von Elektrofahrzeugen" erfüllt werden können. "Bei sinnvollem Einsatz dürften die CO2-Emissionen um rund zwei Drittel günstiger ausfallen als bei den besten Hybridfahrzeugen, die es derzeit zu kaufen gibt", sagt er. Indirekt spricht Jonsson damit ein entscheidendes Problem an: Die Volvo-Studie nämlich gibt es noch längst nicht zu kaufen. Und Experten bezweifeln, dass sich dies binnen der nächsten fünf Jahre ändern wird.

Die einzelnen Komponenten jedoch sind nahezu serienreif. Der Generator und die Radnabenmotoren beispielsweise entstanden in Zusammenarbeit mit der britischen Firma PML Flightlink. Die Spezialreifen für Radmotor-Fahrzeuge hat Michelin entwickelt. Und auch die Lithium-Polymer-Batterie, heißt es bei Volvo, sei praktisch einsatzreif. Was aber noch fehlt, ist die Kombination aller Module im Rahmen sämtlicher gesetzlicher Vorschriften – und natürlich die Kundschaft, die nach einem solchen Elektrofahrzeug fragt.

jüp


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