17. Dezember 2007, 15:22 Uhr

Mercedes GLK

Hüllenlos in Hollywood

Von Tom Grünweg

Es ist ein mysteriöses Malheur: Bei Dreharbeiten zu "Sex and the City" fuhr der bislang noch streng geheime Mercedes GLK hüllenlos herum - Paparazzi genau vor die Objektive. Peinliche Panne oder wohl geplanter PR-Gag?

Bei "Sex and the City" spielen nicht nur Sarah Jessica Parker und Kim Cattrall mit ihren Reizen, sondern auch Autos. Demnächst lässt ein neues Mercedes-Modell in der Serie die üblicherweise zur Tarnung des Erlkönigs angebrachten Hüllen fallen. Product Placement heißt die Strategie, um pünktlich zur Markteinführung eines neuen Modells auf möglichst vielen Kanälen Aufmerksamkeit zu erregen.

Unverhüllter Mercedes GLK: Panne oder PR-Gag?
AP

Unverhüllter Mercedes GLK: Panne oder PR-Gag?

Immer mehr Autohersteller bemühen sich deshalb um eine Nebenrolle in populären TV-Serien und Kinofilmen für ihr neues Produkt - und gewähren als Honorar für diese Art von Öffentlichkeitsarbeit einen Zuschuss zu den Produktionskosten.

Auch Mercedes setzt auf diese Strategie. Eigentlich sollte der kompakte Geländewagen mit dem Namenskürzel GLK erst am 13. Januar auf der Detroit Motorshow präsentiert werden - und selbst da noch mit dem Zusatz "Vision", was noch auf leichte Retuschen gegenüber dem späteren Serienmodell hinweist, das 2008 zu den Händlern kommt.

Doch Spielchen kann sich Mercedes ab sofort sparen: Während der Dreharbeiten zu "Sex and the City", wo der GLK offenbar einen Gastauftritt zwecks moderner Zielgruppenansprache haben wird, fuhr der kantige Allradler völlig frei von jeder Tarnung bestens ausgeleuchtet am vornehmen Rodeo Drive in Hollywood direkt vor die Kameraobjektive einiger Paparazzi.

Deren Bilder zeigen nicht nur begehrte TV-Frauen beim Dreh der nächsten Staffel, sondern auch einen schneeweißen GLK 350 - in allen Details bis hin zu den eigenwillig in die Außenspiegel eingeschnittenen Blinkerleuchten, den stufig geschnittenen Scheinwerfern, den auffälligen Sicken in der Flanke und der breiten Heckklappe. Bereits auf den ersten Blick erkennt man die enge stilistische Verwandtschaft mit der G-Klasse und dem GL. Offenbar soll die Ähnlichkeit den kompakten Wagen als harten Draufgänger erscheinen lassen und von modischen Sport-Utility-Vehikels abheben.

Tatsächlich ist der GLK so dicht am Pkw wie kein anderer Geländewagen der Schwaben. Schließlich läuft der Fünfsitzer nicht nur gemeinsam mit der neuen C-Klasse in Bremen vom Band, sondern er nutzt auch ihre Plattform und den gerade vorgestellten Allradantrieb 4Matic.

Eine neue Fahrwerksabstimmung soll es für den Wagen zwar geben, hat ein Entwickler am Rande der Allrad-Fahrvorstellung verraten. Doch über die auch in der C-Klasse eingebaute elektronische Traktionskontrolle 4ETS hinaus sei keine weitere Aufrüstung geplant. Differentialsperren gibt es demnach ebenso wenig wie eine Bergabfahrhilfe oder andere Offroad-Spielereien. Einzig ein Designpaket für Schlamm und Steine sei denkbar, heißt es im Kreis der Entwickler.

Erste GLK-Fotos - erwünschte Panne?

Üblicherweise reagieren Hersteller bei der Enttarnung ihrer wichtigsten Neuheiten empfindlich. Und gerade Mercedes sollte vorsichtiger sein, nachdem den Schwaben vor ein paar Jahren die Premiere der aktuellen E-Klasse durch Touristen versaut wurde, die das neue Modell lange vor der Markteinführung in aller Ruhe bei Drehpausen von "Men in Black" im New Yorker Central Park fotografierten. Diesmal jedoch hält sich die Aufregung in Grenzen. Denn vom GLK gibt es keinen Vorgänger, dessen Abverkauf die vorgezogene Premiere schaden könnte.

Im Gegenteil: Das Auto startet mit einer Reihe von Wettbewerbern, die mit ihm um die beste Position in einem der wachstumsstärksten Marktsegmente rangeln werden. Weil diese Positionskämpfe wie bei einem Autorennen lange vor dem eigentlichen Start beginnen, liegt der Verdacht nahe, dass Marketing-Leute Paparazzi einspannten, um dem GLK zu einem überraschenden Auftakt zu verschaffen - und damit einem PR-Vorsprung gegenüber Konkurrenten wie dem Audi Q5, dem Volvo XC60 oder dem Serienmodell des Land Rover LRX.

Filmhelden fahren nicht zufällig ein bestimmtes Auto

Dass Autohersteller und Filmindustrie gemeinsame Sache machen, ist generell nichts Neues. Bekanntestes Beispiel dafür ist der Agenten-Klassiker "James Bond", der nach ein paar Jahren bei BMW nun wieder dem Ford-Konzern die Treue hält und dem Kinopublikum im jüngsten Film den Aston Martin DBS und den neuen Ford Mondeo näher brachte. Oder Steven Spielbergs "Jurassic Park", wo die Mercedes M-Klasse erstmals auftrat. Das "Knight Rider"-Revival des TV-Senders NBC ist indes Showcase für den neuen Ford Mustang Shelby GT500KR.

Auch VW hat enge Kontakte nach Hollywood geknüpft. Die Niedersachsen sind Partner des Filmstudios Universal und haben gerade den Film "Die Bourne Identität" mit Stunt-Fahrzeugen ausgestattet. Die Wolfsburger sind nicht nur in Hollywood aktiv, sondern engagieren sich auch in Deutschland - etwa im Film "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken können", der gerade in den Kinos angelaufen ist. Warum dort ausgerechnet ein längst bekannter VW Touran auftritt? Weil er dank einer elektronischen Hilfe wie von Geisterhand in die Parklücke lenkt.

"Der Film wurde im Februar und März 2007 produziert, da waren wir gerade mit dem Park Assist auf dem Markt. Entsprechend lag es für uns auf der Hand, mit Constantin Film bei diesem Projekt zusammen zu arbeiten", sagt Armin Keller vom Volkswagen Vertrieb und Marketing. Nachdem mittlerweile 15.000 Fahrzeuge mit Park Assist verkauft sind, kann Keller immerhin folgendes vermelden: Das Einpark-System komme bei Männern wie Frauen gleichermaßen gut an.


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