Von Tom Grünweg
Erfinder wissen: Nur selten werden Ideen gleich im ersten Anlauf ernst genommen. Meist ernten die Tüftler ein freundliches Kopfschütteln oder ein herzhaftes Lachen, wenn sie mit ihren Geistesblitzen vor die Entscheidungsträger treten. Das gilt auch für das Thema Sicherheitstechnik im Auto. Auf diesem Gebiet wurden nicht nur Lebensretter wie Gurt, Kopfstütze oder ESP entwickelt, sondern auch etliche ziemlich verrückte Systeme.
Manche der Flops haben es sogar - vorübergehend - bis in die Produktion geschafft, etwa das vermeintlich revolutionäre Sicherheitssystem Procon-ten, das Motorrad mit Überrollbügel und Sicherheitsgurt, der Autofahrerhelm oder die Pattex-Bremse. Oft lässt sich eben im Vorfeld nicht sicher sagen, ob eine Idee zündet und die Autoinsassen tatsächlich schützt, ob sie technisch umsetzbar ist - und ob sie die Kunden auch annehmen.
Selbst die Entwicklung des Airbags glich anfangs eher einer Zirkusnummer, bei der Mercedes-Ingenieure mit Schutzbrillen und Ohrstöpseln in Deckung gingen, während Papageien als Probanden für die ersten Knallsack-Explosionen herhalten mussten. Heute ist das Luftkissen neben dem Sicherheitsgurt das wichtigste Schutzsystem im Auto.
Schön, dass sich manche Dinge langfristig dann doch durchsetzen. Noch schöner, dass daneben immer wieder Erfindungen gemacht werden, die irgendwo zwischen skurril und durchgeknallt anzusiedeln sind. SPIEGEL ONLINE hat die zehn verrücktesten Sicherheitsideen der vergangenen Jahre zusammengetragen.
Die Pattex-Bremse
Um den Anhalteweg in Gefahrensituationen zu verkürzen, sprach ein Erfinder bei BMW vor, der eine Klebstoffbremse ersonnen hatte. Dabei sollte eine klebrige Flüssigkeit direkt vor den Reifen auf die Straße gesprüht werden, um so deren Haftung zu erhöhen und den Bremsweg zu verkürzen.
Der Crash-Lift
Um einer Karambolage zu entgehen, sollten Autos nach der Vorstellung eines amerikanischen Tüftlers mit einer Art Unfall-Lift ausgestattet werden. Sobald Sensoren an der Front eine Kollision registrieren, wird bei diesem Prinzip ein Mechanismus ausgelöst, der die Vorderseite des Autos nach oben katapultiert. So sollte den Passagieren der Aufprall erspart bleiben.
Audi Procon-Ten
Um bei einem Unfall einen Sicherheitsabstand zwischen Fahrer und Lenkrad zu schaffen, entwickelte Audi in den achtziger Jahren das System Procon-Ten. Dafür wurden Lenksäule und Sicherheitsgurte mit Stahlseilen über eine Umlenkrolle im Bereich der vorderen Radaufhängung mit dem Motorblock verbunden.Je weiter der Motor bei einem Crash in Richtung Innenraum geschoben wurde, desto straffer wurden die Gurte gespannt und desto weiter das Lenkrad zurückgezogen. Mit der flächendeckenden Einführung von Airbags und Gurtstraffern wurde Procon-Ten überflüssig - und verschwand in der Versenkung. Was bleibt, ist der geniale Werbespot für diese Technik.
Die Airbag-Weste
Motorradfahrer sind besonders gefährdet, weil ihnen die Knautschzone fehlt. Dieses Manko brachte einen Entwickler auf die Idee einer Airbag-Weste. Sobald es den Biker bei einem Zusammenstoß aus dem Sattel hebt, werden explosionsartig im Stoff eingearbeitete Luftkissen gefüllt. So wird der Biker zum Flummi - aber Knochenbrüche bleiben ihm angeblich erspart.
Der Schleudersitz
Einen Fahrersitz ähnlich wie im Kampfjet hatte Designer Luigi Colani bei einem futuristischen Lkw-Führerhaus im Kopf, für das er eine Art Schlitten erdachte, auf dem der Fahrer nach schräg hinten aus der Gefahrenzone katapultiert werden konnte. Immerhin verfolgen inzwischen einige Lkw-Hersteller ein Konzept, bei dem die gesamte Fahrerkabine im Kollisionsfall nach hinten verschoben wird; die Technik erzielte bereits die gewünschte Wirkung, heißt es bei den Unfallforschern der deutschen Versicherer.
Die Unfallfedern
Dass sich eine Karosserie bei einem Unfall gezielt verformt, um so möglichst viel kinetische Energie abzubauen, das ist nichts Neues. Doch kursieren bei den Herstellern auch Pläne für Karosserieteile, die nach einer Karambolage wieder in ihre ursprüngliche Form zurückfinden. Zum Beispiel sollen federnde Säulen zwischen Wagenkörper und Dach bei einem Überschlag die Aufprallenergie aufnehmen und die Höhe des Überlebensraumes sichern.
Die Tauch-Airbags
Weil nicht nur im Action-Film, sondern mitunter auch im echten Leben mal ein Auto ins Wasser fällt, schlug ein Tüftler der Autoindustrie Tauch-Airbags vor. Sie sollten in den Innenseiten der Türen montiert werden und beim Eindringen von Wasser zünden. Als Schwimmkörper würden sie einerseits das Sinken des Fahrzeugs verlangsamen, und andererseits würden sie automatisch die Scheiben zerstören und so einen Fluchtweg für die Passagiere schaffen.
Der Motorrad-Sicherheitskäfig
Ein Zweirad so sicher zu machen wie ein Auto und dem Biker die lästige Helmpflicht zu nehmen, mit diesem Versprechen trat im Jahr 2000 der BMW C1 an. Der Motorroller verfügte über einen Sicherheitskäfig und kreuzweise Gurte, die den Fahrer auf dem Sattel festzurrten. Vom Zweirad-Fahrgefühl blieb auf dem C1 kaum etwas übrig, entsprechend gering war der Erfolg. BMW nahm das Vehikel nach drei Jahren wieder vom Markt.
Das Kinder-Fangnetz
Um Kindern die Gurtpflicht zu ersparen und ihnen mehr Bewegungsfreiheit zu gestatten, regte ein Familienvater bei einem Zulieferer die Entwicklung von Fangnetzen an, die sich zwischen der ersten und zweiten Reihe aufspannen lassen. "Wir konnten ihn schließlich davon überzeugen, dass Insassen nur mit einem Gurt gesichert transportiert werden sollten", erinnert sich ein Entwickler. "Glücklicherweise kam es so noch nicht einmal zu einer Patentanmeldung."
Das schützende Magnetfeld
Mit der Kraft von Magnetfeldern will ein deutscher Tüftler Kollisionen vermeiden. Physikalisch wäre das durchaus machbar: Wären alle Fahrzeuge mit gleichartig gepolten Permanentmagneten bestückt, würden sie sich bei entsprechender Feldstärke so stark abstoßen, dass sie nicht mehr kollidieren könnten. Doch hat die Sache mindestens zwei Haken: Erstens würden Autos schwer wie Sattelzüge, und zweitens würden Staus oder Ampelschlangen um ein Vielfaches länger.
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