03. Dezember 2008, 15:28 Uhr

Bologna Motorshow

Endspurt im Kriechgang

Aus Bologna berichtet Tom Grünweg

Ganz so finster wie auf der Messe kürzlich in Los Angeles geht es auf der Motorshow Bologna nicht zu. Doch selbst im Land der bella macchina ist die Lust auf Autos ermattet. Die offenbar ratlose Industrie rettet sich beim Saisonfinale im Kriechgang in die Winterpause.

Am Abend vor dem ersten Messetag war die Welt noch in Ordnung. Als hätte in den letzten Monaten kein Mensch in die Absatzstatistik geblickt, präsentierte Mazda im Herzen von Bologna das wichtigste Modell der Marke: 500 Gäste kamen in den Palazzo Re Enzo, um einen Blick auf die zweite Generation des Mazda 3 zu werfen. Vom Frühjahr an soll der Kompaktwagen als Fünftürer mit steilem Heck und als Limousine mit Stufenschnitt zu Preisen ab etwa 17.000 Euro verkauft werden.

Doch kaum waren die Trommelwirbel im Palazzo verklungen, machte sich am Morgen auf dem Messegelände wieder Ernüchterung breit. Offenbar haben selbstschwärmerisch veranlagte Italiener angesichts der Wirtschaftslage die Lust auf neue Autos verloren. Die Zulassungsstatistik für November jedenfalls weist ein Minus von fast 30 Prozent aus. Und die Hersteller? Statt beim europäischen Messefinale des Krisenjahres mit einem Feuerwerk der Neuheiten zu reagieren, schleichen sie still in die Winterpause. Immerhin: Ein paar Aussteller aus dem Ausland trumpften dann doch auf. Bei Fiat, Alfa und Lancia sowie bei den Lokalmatadoren Lamborghini, Maserati und Ferrari jedoch gab es nichts wirklich Neues zu sehen.

Außer Mazda lockte vor allem VW mit Premieren. So bekommt vier Jahre nach dem Debüt der Golf Plus hier in Bologna sein erstes Facelift, das ihn optisch wie technisch näher an die aktuelle Modellfamilie rückt: Kühlergrill und Heckpartie übernimmt er vom Golf VI, ebenso die vier Common-Rail-Motoren, die künftig anstelle der Pumpe-Düse-Diesel eingebaut werden. Das hat gleich zwei Vorteile: Die Selbstzünder von 90 bis 140 PS sind nicht nur leiser, sondern auch um bis zu 0,8 Liter sparsamer. Bei den Benzinern ändert sich nichts. Dafür jedoch rüstet VW bei der Ausstattung nach und bietet auf Wunsch Einparkautomat, Abstandsregelung und Rückfahrkamera an.

VW Scirocco R als Vollgas-Star der Show

Während der Golf Plus eher die Vernunft bedient, zielen die Niedersachsen mit dem Scirocco R auf den Bauch: Offiziell noch als Studie deklariert, trägt das neue Sportmodell den Erfolg von der Nordschleife auf die Straße und lockt mit Sportfahrwerk, Krawallauspuff und vor allem dem Turbomotor des 24-Stunden-Renners. Allerdings leistet der Vierzylinder des in Bologna gezeigten Sport-Scirocco nicht 325, sondern 270 PS - aber auch das ist schon mehr als genug.

Nicht ganz so groß, aber immerhin ebenfalls mit Neuheitswert ist der Auftritt von Toyota. Die Marke zeigt zum ersten Mal den aufgefrischten Kleinwagen Yaris, den noch einmal retuschierten RAV-4 und vor allem den weiterentwickelten Aygo. Der Winzling geht, ebenso wie Geschwistermodelle Peugeot 107 und Citroën C1 mit neuer Frontpartie und optimierten Motoren in die nächste Runde.

Falls es überhaupt einen Trend gibt in Bologna, dann den zu alternativen Kraftstoffen. Auf immer mehr Ständen stehen werkseitig umgebaute Sparmodelle. Erstmals zu sehen ist etwa ein VW Golf mit Flüssiggastank in der Mulde des Reserverades. Er trägt den Beinamen BiFuel und fährt mit einem 98 PS starken 1,6-Liter-Motor, der im Benzinbetrieb 7,1 und mit Gasmodus 9,2 Liter verbraucht. Das klingt ungünstig, bezieht den Charme aber durch die geringen Kosten bei Schadstoffausstoß. Denn auf 100 Kilometern spart man im Gasbetrieb gut zwei Euro und zwei Kilogramm CO2.

VW Passat erstmals mit Erdgas-Turbomotor

Auch beim Passat setzt VW auf alternative Kraftstoffe und zwar mit dem ersten Erdgas-Turbo aus Wolfsburg. Ein Lader macht dem 150 PS starken Vierzylindermotor mächtig Dampf. So schafft die Limousine den Sprint auf Tempo 100 in 9,7 Sekunden und erreicht maximal 210 km/h. Trotzdem spart man Geld und entlastet die Umwelt. Denn auf 100 Kilometer verbraucht der Passat 4,38 Kilogramm Erdgas, die derzeit für 4,33 Euro verkauft werden und einen CO2-Ausstoß von 119 g/km verursachen.

Nach demselben Prinzip arbeitet auch der Opel Zafira EcoM, den Opel als Weltpremiere auf einem sonst ziemlich trostlosen Stand ins Scheinwerferlicht gerückt hat. Auch hier bläst ein Turbo dem 1,6-Liter-Motor den Marsch und steigert die Leistung um 60 Prozent auf 150 PS und die Höchstgeschwindigkeit auf 200 km/h. Dennoch verbraucht der Öko-Van nur 5,3 Kilo Gas und kommt auf einen CO2-Ausstoß von 144 g/km.

Respektable Autos aus Fernost

Außer diesen kleinen Neuheiten der großen Hersteller ist Bologna vor allem eine Bühne für Exoten aus Fernost. So zeigt Tata zum Beispiel den Kleinwagen Indica als Prototyp mit Elektroantrieb, Martin Motors holt aus China für kaum mehr als 11.000 Euro einen voll ausgestatteten VW-Polo-Gegner mit dem Typenkürzel 520i nach Europa, und bei Mahindra steht als zukunftsweisende Studie der betagte Nachbau eines Willys Jeeps.

Wenn in Bologna am 14. Dezember die Türen schließen, melden sich die Autohersteller für ein paar Wochen in den Winterschlaf ab. Das Erwachen dürfte dann bitter werden: Denn als nächste Messe steht die Motorshow in Detroit im Kalender. Vieles spricht dafür, dass man sich dann an Bologna als rauschende PS-Party erinnern wird.


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