100 Jahre Indianapolis 500: Im Oval des Wahnsinns

Von Lasse Hinrichs

Das 500-Meilen-Rennen von Indianapolis gilt als schnellstes und gefährlichstes Motorsportereignis der Welt. Am 30. Mai 1911 wurden es zum ersten Mal gestartet - damit ist das Spektakel zugleich auch das älteste Rundstreckenrennen. Eine kleine Zeitreise im Renntempo.

100 Jahre Indianapolis 500: Die zehn legendärsten Indy-Renner Fotos
AP

Gaspedal durchdrücken, Steuer leicht nach links einschlagen und Augen geradeaus: Wer diese drei Grundregeln beherzigt, hat beim 500-Meilen-Rennen von Indianapolis die besten Chancen auf den Sieg. Sofern der monotone, ovale Streckenverlauf den Fahrer nicht vorher in die Knie gezwungen hat. Viele Rennsportfans verbinden mit dem kurz Indy 500 genannten Vollgas-Spektakel, das am 30. Mai 100-jähriges Jubiläum feiert, allerdings Dramatik pur.

Unvergessen zum Beispiel ist der "Spin and Win"-Triumph von Danny Sullivan aus dem Jahr 1985, als sich der US-Amerikaner trotz spektakulärem 360-Grad-Dreher in der 120. Runde noch den Gesamtsieg sichern konnte. Ebenfalls legendär ist A. J. Foyt, der insgesamt 35-mal an dem Rennen teilnahm und vier Mal gewann - 1961, 1964, 1967 und 1977. Insgesamt absolvierte Foyt damit 7000 Runden im Renntempo auf der Piste in Indianapolis. Vier Triumphe dort feierten übrigens auch die US-Amerikaner Al Unser und Rick Mears, die mit Foyt damit zu den erfolgreichsten Piloten auf dem Kurs gehören.

Schon das erste Autorennen, das auf dem Indianapolis Motor Speedway am 19. August 1909 gestartet wurde, also zwei Jahre bevor die "Indy 500"-Serie startete, endete in einer Katastrophe und musste abgebrochen werden. Die Bilanz: fünf Tote, mehrere Verletzte und strengere Sicherheitsauflagen. Um die Strecke zu entschärfen, wurde der Betreiber gezwungen, 3,2 Millionen Ziegelsteine als Fahrbahnbelag zu verlegen - ihnen verdankt der Parcour seinen Spitznamen "Brickyard" (Ziegelei). In den folgenden Jahrzehnten haben die Betreiber die Piste nach und nach wieder komplett asphaltiert. Seit 1961 besteht nur noch die Ziellinie aus den Original-Ziegelsteinen.

Trotzdem blieben tragische Unfälle an der Tagesordnung. Im Jahr 1964 starben Eddie Sachs und Dave MacDonald. 1982 verunglückte Gordon Smiley in der Vorqualifikation - beide Ereignisse zählen bis heute zu den schlimmsten Tragödien in der US-amerikanischen Rennhistorie.

Auch die Formel 1 gastierte schon in Indianapolis

Der zweieinhalb Meilen lange Kurs mit den vier überhöhten Steilkurven - der Streckenverlauf gleicht einem Rechteck mit vier abgerundeten Ecken - und Tribünenplätzen für mehr als 400.000 Zuschauer war zeitweise auch Bestandteil des Formel-1-Rennkalenders - von 1950 bis 1960 und noch einmal von 2000 bis 2007. Die extrem schnelle Strecke erfordert nicht nur höchste Konzentration von den Fahrern, sie bedeutet auch eine Extrembelastung für die Autos. Das Formel-1-Rennen des Jahres 1951, bei dem lediglich acht von 33 gestarteten Fahrern das Ziel erreichten, gilt bis heute als jenes mit der höchsten Ausfallquote.

Ein Indy-500-Rennen heute bedeutet umgerechnet 804,5 Kilometer bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von annähernd 300 km/h - und damit gut drei Stunden Extrem-Motorsport im Oval. Eine Besonderheit der Veranstaltung ist auch der als Indy-Start bekannte fliegende Start des Feldes, indem je drei Rennautos nebeneinander über die Startlinie preschen. Und ungewöhnlich ist auch, dass der Sieger seit 1936 einen Schluck aus einer Milchflasche trinkt - möglicherweise ein subtiler Hinweis auf die kindliche Begeisterung, der Schnellste gewesen zu sein. Ein deutscher Rennfahrer übrigens hat die Indy 500 noch nie gewonnen.

Zehn legendäre Autos aus den vergangenen 100 Jahren des traditionsreichen Rundstreckenrennens der Welt sind hier versammelt.

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1. Indy 500 Historie
htw8849 30.05.2011
Noch ein paar Anmerkungen: 1.) Das F1-Rennen in Indianapolis ist mitnichten das Rennen mit der höchsten Ausfallquote (8/33 -> Ausfallquote ca. 76%) - allein der 1996er GP von Monaco hatte eine höhere Ausfallquote (4/24 -> >Ausfallquote ca. 82 %). 2.) Hintergrund hinter der Winner's Milk: Louis Meyer, der in Indianapolis 1933 zum zweiten mal gewann, bestellte nach seinem zweiten Sieg ein Glass Buttermilch. Bei seinem 3. Sieg 1936 bestellte er ebenfalls ein Glas Buttermilch, bekam aber stattdessen die Buttermilch in einer Flasche überreicht. Der Siegesmoment von Meyer auf dem Podest mit ausgestreckten 3 Fingern (für den 3.Sieg) und der Milchflasche in der andern Hand wurde auf Foto für die Tageszeitungen gebannt und inspirierte einen Werbeangestellten einer Milchfirma dazu, im Namen der Firma jedem Sieger ein Glas Milch zu spendieren, was bis heute in jedem Rennen so geschah - es sei denn der Sieger lehnte die Milch ab (wie z.B. E.Fittipaldi 1993 ... er wollte Orangensaft)
2. So sollte es sein
wakaba 30.05.2011
Echte Charaktere und Rennautos statt PR-geschliffener Fahrer und IT-Abteilung auf Rädern und langweiligstes Renngeschehen. Formel 1.1 (ich schau wieder Rennen): 4l, 4 Zylinder mit Einfachvergaser und Salamischeibenräder auf sandiger und schmaler Piste. Keine Abtriebshilfen und simple mechanische Bremsen, Messingbenzintank. Dann schau ich wieder Autorennen.
3. Ein bisschen mehr Informationen hätten schon drin sein dürfen im Artikel
daniel_d. 30.05.2011
Was bitte soll so ein Artikel? Es wird in keiner Weise auf das gestrige Rennen eingegangen, ja nicht einmal erwähnt, dass es gestern stattgefunden hat. Stattdessen nur ein paar Fakten in fast kürzest möglicher Form zusammengeschrieben - der Bedeutung des Rennens ist das kaum angemessen. Mir scheint, da wollte Spiegel Online einfach nur schnell und billig was zum Indy 500 online haben, falls deutschsprachige Internet-Nutzer wegen des gestrigen Rennens danach suchen.
4. Hmmm
shovelbolle 31.05.2011
Ist nicht die TT auf der Isle of Man noch älter ? Ich war einmal dort und diese Insulaner behaupten dies zumindest. Was sollen denn solche Sätze wie: " .. Trotzdem blieben tragische Unfälle an der Tagesordnung .. " Sowas ist schlichtweg Unsinn und frei erfunden. Schade daß man interessante Themen dermaßen kastriert.
5. Interessant aber unzureichend...
constableone 31.05.2011
...und das auch nur wenn man es gut mit Spiegel meint. Ein Bericht über das Sonntägliche Rennen wäre wohl nur im Falle eines dieser "an der Tagesordnung befindlichen tragischen Unfälle" gerechtfertigt gewesen - schade eigentlich.
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