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100 Jahre Maserati: Das Problemkind startet durch

Von Jürgen Pander

100 Jahre Maserati: Der lange Anlauf Fotos
Maserati

99 Jahre lang ging es für die kleine italienische Marke Maserati, die einige der schönsten Autos überhaupt baute, vor allem ums Durchhalten. Jetzt, gerade pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum, scheint das Unternehmen in die Erfolgsspur gefunden zu haben.

Es war ein sehr, sehr langer Anlauf, den der italienische Autobauer Maserati genommen hat. 99 Jahre lang puzzelte das Unternehmen vor sich hin, baute erfolgreiche Rennautos, hinreißende Sportwagen und gewann sogar eine Formel-1-Weltmeisterschaft - doch nie gelang es, aus den vielen Lichtblicken eine dauerhafte Erfolgsstory zu machen. Im Gegenteil: Die Firma verschliss etliche Besitzer, war mehrmals pleite und hing eigentlich immer mit zwei Rädern über dem Abgrund. Doch nun gibt es zum Finale des ersten Jahrhunderts der Ende 1914 gegründeten Firma doch noch ein Happy End.

Im vergangenen Jahr verkaufte Maserati weltweit 15.400 Autos - so viele wie noch nie zuvor. Nun, im Jubiläumsjahr, rechnet Vorstandschef Harald Wester mit etwa 35.000 Verkäufen, und spätestens ab 2016, wenn auch ein SUV-Modell mit Dreizack-Logo im Angebot sein wird, sollen "stabil 50.000 bis 60.000 Autos pro Jahr produziert werden". Im Mutterkonzern Fiat-Chrysler kursiert sogar die Zielmarke von 75.000 verkauften Maserati-Modellen im Jahr 2018.

Erst einmal hört sich das nach einer weiteren Kapriole in der hundertjährigen Unternehmensgeschichte an, in der Triumph und Tragödie stets nah beieinander lagen. Das als Rennwagenschmiede gegründete Unternehmen trumpfte 1929 mit einem 16-Zylinder-Weltrekordauto, 1930 mit dem ersten Grand-Prix-Sieg und ab 1933 mit Tazio Nuvolari als Werksfahrer auf. 1937 jedoch stand Maserati vor dem finanziellen Ruin und der Industrielle Adolfo Orsi kaufte die Firma.

In diesem Stil ging es weiter. 1946 stellte die Marke ihr erstes Straßenmodell vor, den Maserati A6; 1957 wird Juan Manuel Fangio auf Maserati Formel-1-Weltmeister, und 1963 debütiert der Maserati Quattroporte, die damals schnellste Limousine der Welt. 1968 dann wird das Unternehmen, das jetzt vor allem bärenstarke V8-Sportwagen baut, an Citroën verkauft. Es folgen ein kurzer Höhenflug - und 1975 der Konkurs von Maserati. Die nächsten Besitzer im Schnelldurchgang: das italienische Staatsunternehmen Gepi, Alejandro de Tomaso, Chrysler und ab 1993 schließlich Fiat.

Zunächst fiel Maserati ins Wachkoma

Hinter dem Fiat-Engagement in Modena stand zunächst wohl eher nationales Pflichtbewusstsein als ein überzeugender Plan. Prompt fiel Maserati fiel in eine Art Wachkoma. Erst 1998 rollte ein neues Modell auf die Straße, der Maserati 3200 GT; und erst 2003 gab es wieder eine vernünftige Perspektive - mit der Premiere einer neuen, sportlichen Luxuslimousine namens Quattroporte, die das Fundament legte für die gegenwärtige Expansion.

Der im vergangenen Jahr gestartete Höhenflug hat vor allem mit der neuen, größer und noch luxuriöser gewordenen Quattroporte-Generation zu tun, und mit dem ebenfalls 2013 lancierten, neuen Modell Ghibli, im Prinzip ein Quattroporte mit kürzerem Radstand. Das Auto wird zu einem Basispreis von 65.000 Euro angeboten und tritt damit in Konkurrenz zum notorischen deutschen Business-Class-Dreigestirn Audi A6, BMW 5er, Mercedes E-Klasse sowie zum Jaguar XF. "Die Öffnung der Marke nach unten ist Teil des neuen Geschäftsmodells", sagt Maserati-Sprecher Thomas Kern, "denn nur so kann man wachsen." Zum Wachstum tragen auch zwei neue Optionen für Quattroporte und Ghibli bei, beide gibt es auf Wunsch mit Dieselmotor sowie mit Allradantrieb.

Die ersten Maserati aus großindustrieller Fertigung

Rund 1,5 Milliarden Euro investierte der Konzern in die neuen Viertürer, den Löwenanteil davon in deren neue Produktionsanlage. Denn während die GT-Modellen Coupé und Cabrio weiterhin am Stammsitz in Modena in Manufakturmanier gefertigt werden, wurde für die Limousinen ein neues Werk eingerichtet. In der ehemaligen Bertone-Fabrik in Grugliasco am Rande von Turin wurde eine moderne, hochautomatisierte Autofabrik eingerichtet. Es ist die erste industrielle Maserati-Fertigung überhaupt.

Die nächsten Schritte, um Maserati größer und profitabler zu machen, sind bereits geplant: Ende 2015 soll das SUV-Modell Levante auf den Markt kommen. Es erhält ein Allrad-System der österreichischen Firma Magna-Steyr (ähnlich dem des BMW X-Drive) und wird im Fiat-Stammwerk Mirafiori gebaut. 2016 dann soll der Maserati Alfieri debütieren. Die Studie zu dem Sportwagen, der allenthalben schon als "Porsche-911-Jäger" apostrophiert wird, stand vor wenigen Monaten auf dem Autosalon in Genf; eine Cabrio-Variante des künftigen Maserati-Fegers soll ab 2017 das Angebot komplettieren.

Maserati als Bindeglied zwischen Alfa Romeo und Ferrari

In die Gesamtstrategie des Fiat-Chrysler-Konzerns passt eine aufblühende Luxusmarke wie Maserati perfekt. Nicht nur wegen der Rendite. Immerhin ist sie nach den Worten von Unternehmenssprecher Kern "auf bescheidenem Level profitabel"; im vergangenen Jahr lag der Gewinn vor Steuern bei 106 Millionen Euro. Vor allem fügt sich Maserati perfekt ein zwischen Ferrari, wo derzeit eine Strategie der Verknappung des Angebots betrieben wird, und Alfa Romeo. Die sieche Marke soll demnächst mit großem Aufwand reanimiert und zu neuer Blüte gebracht werden - so jedenfalls der Plan von Konzernchef Sergio Marchionne.

Es deutet tatsächlich einiges darauf hin, dass Maserati angekommen sein könnte in einer stimmig zugeschnittenen Nische des Automarktes. Der Anlauf war auch lang genug. Das Unternehmen selbst kokettierte unlängst sogar damit in einem Anflug von Selbstironie. Am Ende des ersten Maserati-Fernsehwerbespots überhaupt, der Ende Januar während der Halbzeitpause des US-Football-Finales Super-Bowl ausgestrahlt wurde, wurde folgender Text eingeblendet. "We have prepared. Now we strike." Es wurde auch höchste Zeit.

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insgesamt 36 Beiträge
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1. Hoffentlich mit Extravaganz trotz Masse
larsmach 18.06.2014
Jaguar macht es vor: Mehr Gefälligkeit im Design (böse Zungen mögen das Mittelmäßigkeit nennen) spricht größere Kundenkreise an. Es bleibt zu hoffen, dass Maserati-Stammkunden dies erspart bleibt; das neue Quattroporte-Modell scheint schon etwas von der Eleganz eines Mailänder Herrenschuhs verloren zu haben, die sein faltenloser und schnörkelloser Vorgänger ausstrahlt.
2. Wünsche der Marke viel Erfolg
muunoy 18.06.2014
Zitat von larsmachJaguar macht es vor: Mehr Gefälligkeit im Design (böse Zungen mögen das Mittelmäßigkeit nennen) spricht größere Kundenkreise an. Es bleibt zu hoffen, dass Maserati-Stammkunden dies erspart bleibt; das neue Quattroporte-Modell scheint schon etwas von der Eleganz eines Mailänder Herrenschuhs verloren zu haben, die sein faltenloser und schnörkelloser Vorgänger ausstrahlt.
Und wie denken Sie über den Ghibli? In meinen Augen ist er ein wunderschönes Auto. Und ja, er ist zumindest für normale Gutverdiener sogar bezahlbar. Aufgrund des Diesels taugt er sogar als Business-Limousine. Also, ich bin begeistert und wünsche der Marke viel Erfolg. Selbst wenn ich den Maserati (noch nicht) fahre, ist er was fürs Auge. Den Quattroporte sieht man im Straßenverkehr höchstens in Singapur, wo es entsprchend viele reiche Leute gibt, aber doch fast nie bei uns. Jetzt muss Maserati aber noch am Verbtriebs- und Service-Netz arbeiten. Das ist zumindest in Deutschland leider noch sehr unterentwickelt.
3. naja...
sam-berlin 18.06.2014
Einerseits ist es natürlich erfreulich, dass bei Maserati eine gewisse Stabilität einkehrt ist. Aber gleichzeitig müssen sie sehr aufpassen, den ruhmreichen Markenkern nicht zu zerstören. Die Benennung einer Limousine der oberen Mittelklasse nach einem der schönsten Sportwagen der 70er Jahre (Ghibli) ist dafür symptomatisch. Der - immer noch - sehr klangvolle Name darf nicht ausgeschlachtet werden, so dass nur noch eine leere Hülle zurückbleibt. Ich sehe auf jeden Fall die große Gefahr, dass auf Masse statt Klasse gesetzt wird. In Italien galt Maserati über viele Jahre mit Blick auf Ferrari als die edlere Marke ...tempus fugit.
4. Schon merkwürdig
patrick6 18.06.2014
...für eine solche Marke 50-60.000 Fahrzeuge/a zu planen (oder zu erhoffen). Wenn an jeder Ecke so ein Ding steht, warum sollte man sich dann sowas teures kaufen? Bei Ferrari hat man ja wohl schon eine Obergrenze gezogen, was Stückzahlen angeht. Das finde ich in diesem Fahrzeugsektor recht vernünftig.
5.
vogel0815 18.06.2014
Zitat von sysopMaserati99 Jahre lang ging es für die kleine italienische Marke Maserati, die einige der schönsten Autos überhaupt baute, vor allem ums Durchhalten. Jetzt, gerade pünktlich zum 100. Jubiläum, scheint das Unternehmen in die Erfolgsspur gefunden zu haben. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/100-jahre-maserati-rennautos-sportwagen-luxuslimousinen-aus-modena-a-974495.html
Solange Edel-Schweden, Edel-Deutsche, Edel-Amerikaner, Edel-Japaner, Edel-Briten mit Assistenzsystemen aufwarten können, dass einem schwindelig wird, so lange ist Maserati bei vielen Kunden auf der No-Buy List. Wer so viel Geld in die Hand nimmt, will auch ein gutes Sicherheitsgefühl vermittelt bekommen. Aber ohne Frage: Die Motoren sind lecker, die Autos sehen auch toll aus.
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