17 Mile Drive: Panorama-Slalom am Pazifik

Aus Monterey berichtet

Bei der Erwähnung von Pebble Beach bekommen nicht nur Golfer eine Gänsehaut. Einmal im Jahr rollt über das edelste Grün Kaliforniens der feinste Oldtimer-Concours der Welt. Für normale Autofahrer ist die Gegend drumherum ganzjährig ein Fahrspaß-Paradies.

Am kommenden Wochenende ist es wieder soweit - die edelsten und exklusivsten Oldtimer geben sich ein Stelldichein auf einem der schönsten und teuersten Golfplätze der Welt. Drei Tage lang werden die Greens von Pebble Beach zur Bühne für ein einzigartiges automobiles Schaulaufen. Während am Sonntag die Autos tatsächlich auf dem gepflegten Rasen parken, an dem sanft die Wellen des Pazifiks nagen, nehmen die Klassiker an den beiden Tagen davor die gesamte Monterey Peninsula in Beschlag. Auf der Halbinsel südlich von San Francisco funkelt es dann nur so vor poliertem Altmetall.

Besonders beliebt für den Autobummel mit einem betagten Boliden ist die Panoramastraße 17 Mile Drive. Als kleiner Schnörkel am legendären Küsten-Highway Number One ist sie auch dann noch eine Schau, wenn die Oldtimer längst wieder abgezogen sind. Und vor allem sind diese 17 Meilen das einzige, was Normalsterbliche von der sonst weitläufig abgesperrten Milliardärsenklave mit riesigen Latifundien und diskreten Golf-Clubs zu sehen bekommen - und schon dafür zahlt man knapp zehn Dollar Maut. Die Route jedoch ist jeden Cent wert.

Die Idee der genussvollen Ausfahrt auf dieser Straße hat Tradition. Denn der 17 Mile Drive war nie eine Straße im konventionellen Sinn, sondern wurde eigens als Flaniermeile angelegt: Schon 1881 rollten, ausgehend vom noblen Del-Monte-Hotel in Monterey, die ersten Pferdekutschen durch die grünen Hügel und die bizarren Zypressen-Wälder zum Picknick an den Strand von Pebble Beach, wo erst 1919 der Golf Club eröffnet wurde.

Auch heute beginnt man die Fahrt am besten im schmucken Küstenstädtchen Monterey, das unter anderem mit einem quirligen Pier und vor allem der von John Steinbeck berühmt gemachten Cannery Row lockt, der Straße der Ölsardinen. Von dort legt man den Weg durch den Nachbarort Pacific Grove zurück, wirft einen Blick auf den trutzigen Leuchtturm und die raue Küstenlinie und steht nach ein paar Meilen am nördlichen Tor zur Peninsula, das nur Einheimische, Hotelgäste, Radfahrer und Fußgänger kostenfrei passieren dürfen.

Dort also beginnt - gut ausgeschildert mit rot-blauen Wegmarken und weißen Wegweisern - der eigentliche 17 Mile Drive, der als schmucker Slalom zwischen Golfplätzen und Milliardärsvillen der Küstenlinie folgt und insgesamt 21 markante Punkte der Halbinsel miteinander verbindet. Einer der spektakulärsten kommt gleich zu Beginn am südlichen Ende der Spanish Bay. Point Joe heißt der Ort, von dem man einen grandiosen Ausblick auf das tosende Meer hat, das hier der Sage nach nie zur Ruhe kommt und deshalb immer eine weiße Schaumkrone trägt.

Mit Schrittgeschwindigkeit durch eine Wunderwelt

Auf den Kilometern danach weiß man gar nicht, wohin man überall schauen soll. Es ist sinnvoll, dass hier ein striktes Tempolimit herrscht und nicht viel mehr als Schrittgeschwindigkeit erlaubt ist. So bleibt genügend Zeit, um links die Greens und rechts die Wellen zu bewundern. Und spätestens vier Meilen weiter im Süden ist es am Bird Rock ohnehin Zeit für den nächsten Zwischenstopp, weil es von hier nur ein paar hundert Meter über die See bis zu einem großen Felsen sind, auf dem man vom Ufer aus tausende Vögel beobachten kann.

Sind es auf den ersten Meilen vor allem die wilden Küstenformationen, die den Blick fesseln, drängt sich später ein eindrucksvoller Zypressen-Wald mehr und mehr ins Blickfeld. Jahrhunderte alte Bäume, von Wind und Gischt zu knorrigen Skulpturen geformt und zum Teil längst abgestorben, stehen wie Gespenster am Straßenrand und bilden die Wendemarken für einen Panorama-Slalom sonder gleichen. Denn nie wäre es den Straßenbauern eingefallen, einen "Ghost Tree" zu fällen, nur um eine Kurve zu sparen.

Den Haltepunkt 16 darf man keinesfalls verpassen

Höhepunkt der Tour ist zweifellos der Stopp Nummer 16, wo bei "The Lone Cypress" Wald und Wellen zusammen finden. Denn hier steht auf einer Felsnase über dem Pazifik seit mehr als 250 Jahren eine einsame Zypresse, die mittlerweile so oft fotografiert wurde, dass sie zum Markenzeichen von Pebble Beach und einem der berühmtesten Bäume Kaliforniens aufgestiegen ist.

Atemberaubende Ausblicke, faszinierende Einblicke, raue Landschaften und beinahe surreal schöne Wälder - eine Fahrt auf dem 17 Mile Drive ist großes Kino in Slow-Motion. Nur auf gutes Wetter darf man dabei - zumindest im Sommer - kaum hoffen. Denn wie als Strafe für den strahlend blauen Himmel und die heißen Temperaturen im Hinterland hängt über der Küstenlinie an fünf von sieben Tagen eine dicke Nebelbank.

"Kalte Luft über dem Pazifik, heiße Luft über den Hügeln - das gibt dicke Suppe für uns", sagt ein Bootsführer im Hafen und zuckt nur mit den Schultern. Aber wirklich störend ist der Nebel auf dem Weg über die Peninsula nicht. Im Gegenteil: Erst wenn die Wolkenfetzen tief in den abgestorbenen Ästen hängen, wirken die Geisterbäume so richtig gespenstisch. Und mit etwas Glück sitzt man 20 Minuten später auf der Terrasse eines schönen Cottage im Luxusdörfchen Carmel-by-the-Sea am Ende der Tour schon wieder in der Sonne.

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17-Mile-Drive: Zwischen Gischt und Geisterbäumen


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