20 Jahre Fiat Panda "Haushaltsgerät auf Rädern"

Vor zwei Dekaden traf der Fiat Panda mit seiner kantigen Zweckmäßigkeit mitten ins Herz der Ikea-Generation. Heute ist er auf deutschen Straßen immer seltener zu sehen - ein Grund mehr, den Geburtstag der "tollen Kiste" zu feiern.


In Italien und anderen südlichen Ländern erfreut sich der Fiat Panda ungebrochener Beliebtheit: 20 Jahre nach seiner Premiere wird er dort immer noch verkauft - und zwar zum fast konkurrenzlos günstigen Preis von umgerechnet rund 10.000 Mark. In Deutschland dagegen ist Fiat zufolge nur noch die Allrad-Variante erhältlich - und auch das nur per Sonderbestellung.

Fiat Panda: Kein Ausstattungsmerkmal zu viel

Fiat Panda: Kein Ausstattungsmerkmal zu viel

Als die Italiener den Panda vor 20 Jahren vorstellten, war er der geborene Nachfolger für Modelle wie den R4 von Renault oder auch die Ente von Citroën. An ihm war kein Gramm und kein Ausstattungsmerkmal zu viel, weshalb der Designer Giorgio Giugiaro auch selbst von einem "Haushaltsgerät auf Rädern" sprach. Die Sitzflächen wirkten so dünn und drahtig, dass die Überraschung beim ersten Platznehmen nur positiv sein konnte. Dafür war der Panda mit 715 Kilogramm leicht und ließ sich mit dem stärkeren 39 PS-Motor erstaunlich flott bewegen. Die Tachometernadel blieb erst bei 135 Stundenkilometern stehen.

Mit seinem ebenso kargen wie praktischen Einrichtungsstil war der Panda das ideale Transportmittel für das Ikea-Zeitalter, und hinter seiner großen Heckklappe dürfte so manches Kiefernregal verstaut worden sein. Mit der Zeit putzte sich der Kleine aber etwas feiner heraus: Er erhielt 1986 stärkere Motoren der so genannten Fire-Generation und konnte auch mit Faltverdeck und stufenlosem Automatikgetriebe bestellt werden. Ein Fahrzeug mit Allrad-Antrieb nahm sogar an der berühmt-berüchtigten Rallye Paris-Dakar teil.

Mehr als vier Millionen Mal wurde das Auto seit 1980 gebaut. Die Zahl liegt eigentlich sogar noch höher, da der in Lizenz produzierte Panda-Zwilling Seat Marbella an den Erfolg seines älteren Bruders anknüpfen konnte. Dessen Beliebtheit hatte Fiat nicht zuletzt einer geschickten Werbekampagne zu verdanken, die aus der kantigen Art des Kleinwagens eine Tugend und aus dem Panda die "tolle Kiste" machte.

Ein echter Klassiker wie der Käfer oder die Ente dürfte aus dem Panda trotzdem nicht werden. Dennoch hat Fiat allen Grund, sich des kleinen Charakterdarstellers zum 20. Geburtstag mit Wehmut zu erinnern: Die zu Nachfolgern erkorenen Modelle Cinquecento und Seicento tun sich schwer, aus seinem Schatten herauszutreten.



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