20 Jahre Suzuki Vitara: Gruß der automobilen Achtziger

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Suzuki als Trendsetter? Das glaubt heute kein Mensch, doch so war es. Denn erfunden wurde das Sport-Utility-Vehicle, kurz SUV, nicht von General-Motors, Jeep oder Ford - sondern von Suzuki. Jetzt feiert das Modell Vitara den 20. Geburtstag.

Für stilbildende Neuentwicklungen im Automobilbau ist Suzuki nicht bekannt. Die japanische Marke fertigt pfiffige Kleinwagen, und mit dem Modell Wagon R+ wurde von Suzuki auch der im Heimatland so typische, kastenförmige Microvan in Europa etabliert. Doch große Trends? Fehlanzeige. Aber dieses Urteil ist falsch. Denn es waren nicht die US-Hersteller, die den Geländewagen für den Alltag, also das sogenannte Sport-Utility-Vehicle erfunden haben, sondern Suzuki. Die Japaner bauten den ersten Geländewagen, der vor allem für die Straße gedacht war - und schoben damit letztlich die SUV-Welle an, die noch immer über die weltweiten Automärkte schwappt.

Ende der achtziger Jahre hatte sich das Unternehmen mit Modellen wie Jimny, LJ und Samurai einen Namen als Hersteller von kleinen Kletterkünstlern gemacht. Es war also Zeit, die Modellpalette mit etwas Neuem so zu erweitern, dass vorhandene Kunden innerhalb der Marke aufsteigen und neue Zielgruppen angesprochen werden konnten, heißt es in einer Firmenchronik. Aus dieser Idee wurde 1988 der Vitara entwickelt.

Technisch blieb das Auto mit einer Länge von 3,57 Metern, dem zuschaltbaren Allradantrieb und der Geländeuntersetzung dem Ideal des kleinen Kraxlers treu, doch gab es plötzlich mehr Komfort, mehr PS und weniger Kanten. "So war er auch für die Boulevards der Innenstadt geeignet und verband das Beste aus zwei Welten", sagt Suzuki-Sprecher Axel Seegers. "Geländewagen und Pkw, On- und Offroad, Spaß und Mobilität."

Allzu toll konnte man es mit dem Spaßauto allerdings nicht treiben. Schließlich gab es anfangs lediglich einen 1,6-Liter-Motor mit 80 PS; bei 144 km/h war es deshalb mit der neuen Fahrfreude schon wieder vorbei. Dafür allerdings war der Vitara beinahe ein Schnäppchen - er kostete 25.920 Mark.

Extras aus einer Zeit, als coole Typen Vokuhila trugen

Das Konzept stammt aus einer Zeit, in der Lifestyle noch Lebensart hieß, coole Jungs mit Vokuhila-Frisur punkteten, ein Autoradio von Alpine noch etwas Besonderes war und man mit Rallye-Streifen tatsächlich noch beeindrucken konnte. Kaum ein Vitara rollte damals im Serientrimm vom Hof. "Einen Großteil ihres Umsatzes machten die Händler damals mit Nachrüstteilen und Zubehör", erinnert sich Seegers mit Blick auf die glänzenden Felgen, den pubertären Kuhfänger, die aufgesetzten Trittleisten, das quietschbunte Sportlenkrad und die blau eingefärbten Kappen auf den Pedalen, die den für SPIEGEL ONLINE bereitgestellten Klassiker aus den Anfangstagen zieren.

Es gab zwar nur eine Motorisierung, doch zwei Karosserievarianten: einen Dreitürer und ein Cabrio - das 3,98 Meter lange Modell mit fünf Türen wurde erst 1991 eingeführt. Beim Cabriolet benötigte man zwar Geduld und Fingerfertigkeit, um die Plane zu öffnen. Doch wurde der Vitara so zum Traumwagen von Frisösen, Bademeistern sowie allen Kunden mit einem Hang zur Selbstdarstellung und limitiertem Budget. Noch deutlicher machte das allerdings das Sondermodell X-90: Viele Jahre, bevor die Marketing-Experten die Idee vom Cross-over-Konzept ausheckten, warf Suzuki so ziemlich alle Fahrzeuggattungen in einen Topf und heraus kam ein Allradler als Coupé mit herausnehmbarem Glasdach und Stufenheck.

Vorerst hielt Suzuki an Starrachse und Leiterrahmen fest

Zehn Jahre nach dem Vitara-Debüt brachte Suzuki die zweite Generation an den Start. Sie wurde breiter, höher und länger und trug deshalb den Zusatz "Grand" im Namen. Wieder gab es Drei- und Fünftürer sowie ein Cabrio, und unter der Haube hatten die Kunden nun die Wahl zwischen einem 1,6-Liter-Triebwerk mit 94 PS, einem 2,0-Liter-Diesel mit 109 PS und einem V6-Motor, der aus 2,5 Litern 144 PS schöpfte. Der Grand Vitara war nochmals rundlicher und ziviler geworden - schließlich gab es inzwischen bereits etliche Konkurrenten. Doch alle Trends machte Suzuki nicht mit: Auch wenn der Fahrkomfort bescheiden blieb, hielt die Marke unter Verweis auf die Geländefähigkeit stur an Leiterrahmen und Starrachse fest. Das ändert sich erst 2005 mit der Premiere der dritten Generation. Seither tritt auch der Grand Vitara mit Einzelradaufhängung an.

Weltweit wurden in den letzten 20 Jahren rund 2,4 Millionen Vitara-Exemplare verkauft. In Europa sind davon 907.000 und in Deutschland immerhin 131.000 Exemplare gelandet. Und trotz der enormen Konkurrenz ist der Dauerbrenner noch immer im Rennen. Damit er den Anschluss nicht verliert, wird er jetzt, zum 20. Geburtstag, noch einmal frisch gemacht: Zum Herbst gibt es ein kaum merkliches Facelifting und vor allem zwei neue Motoren. Der 2-Liter-Benziner wird von einem 2,4-Liter-Aggregat ersetzt, das nach der Formel mehr Leistung bei weniger Verbrauch entwickelt wurde. Statt 140 gibt es nun 169 PS und einen Verbrauch von 8,8 Litern. Außerdem gibt es zum Geburtstag ein Sondermodell: Dessen V6-Maschine mit 232 PS macht ihn zum stärksten Vitara aller Zeiten.

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