40 Jahre R16 Schräg mit großer Klappe

Der neue Renault des Jahres 1965 war vor allem eines: anders. Der R16 zeigte das erste Schrägheck überhaupt, einen äußerst variablen Innenraum und hatte als "Auto des Jahres" Erfolg - im Gegensatz zu seinem innovativen Urenkel, dem Avantime.


Hamburg - Zu Beginn des neuen Jahrtausends stellte Renault mit dem futuristischen Avantime eine Mischung aus Van und Coupé vor - ein Auto, das gänzlich anders war als alle anderen. Der Mut wurde nicht belohnt, schnell musste man die Produktion mangels Nachfrage wieder einstellen. Wahrscheinlich war der Avantime einfach das, was sein Name aussagen soll - der Zeit voraus. Jahrzehnte zuvor besaßen die französischen Autobauer ein besseres Gespür: 1965 brachten sie ein Fahrzeug heraus, das aus der Masse herausstach wie der Avantime. Das vor 40 Jahren erschienene Modell trug die schlichte Bezeichnung Renault 16 und war, anders als sein Urenkel, ein Erfolg.

R16 TX:  Quadratische Doppelscheinwerfer  statt der quer liegenden Rechtecklampen der frühen R16-Modelle
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R16 TX: Quadratische Doppelscheinwerfer statt der quer liegenden Rechtecklampen der frühen R16-Modelle

Als der Renault 16 auf den Markt kam, sahen Autos in der Realität so aus, wie sie heute noch auf Kinderzeichnungen zu entdecken sind: ein länglicher Klotz als Karosserie, auf dem mittig ein kleiner Klotz saß. Der R16, wie er auch genannt wurde, dagegen nahm jene Form vorweg, die bis heute in der Golfklasse üblich ist - ein schräges Heck mit großer Klappe. Im Grunde erschien er mit seiner ansonsten leicht barocken Formgebung wie eine stark entschärfte Ausführung des Designs einer Citröen DS.

Dass er letztlich in der bekannten Form erschien, war allerdings nicht von Anfang an klar. Die Entwicklung startete bereits am Anfang der sechziger Jahre. Damals hatte Renault das Problem, dass man kein Fahrzeug der gehobenen Mittelklasse baute und dringend eine Alternative schaffen musste, wollte man die Käufer nicht weiter zur Konkurrenz schicken müssen. Also startete 1961 das Projekt 114, aus dem ein derartiges Fahrzeug entstehen sollte. Damals favorisierten die Entwickler noch ein Auto mit einem im Heck eingebauten Sechszylinder-Motor - das hätte die Form des R16 unmöglich gemacht.

Schrägheck von Gaston Juchet

Schnell stellte sich heraus, dass Projekt 114 ein viel zu teures Fahrzeug geworden wäre. Also wurde es verworfen und etwas Neues begonnen - was, wenig überraschend, als Projekt 115 bezeichnet wurde. Schon im Spätsommer 1961 soll dann der damals 31-jährige Gaston Juchet den entscheidenden Entwurf zu Papier gebracht haben: eine viertürige Karosserie mit schrägem Heck und drei Seitenscheiben.

R16: Unterschiedlicher Radstand wegen hintereinander angeordneter Torsionsstäbe
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R16: Unterschiedlicher Radstand wegen hintereinander angeordneter Torsionsstäbe

Daraus entstand dann jenes Fahrzeug, das nach dem Willen der Konzern-Lenker gleich eine ganze Reihe von Eigenschaften aufzuweisen hatte: Es sollte Platz genug für Familien mit Kindern bieten, sollte dabei elegant ausschauen und für die Freizeit ebenso wie für Reisen taugen - natürlich sollte auch Raum für den Einkauf vorhanden sein.

Gut vier Jahre später war es so weit: Am 2. Januar 1965 startete die Produktion der Serienversion. Wenig später waren in den Fachzeitschriften auch schon die ersten Testberichte zu lesen. Die Testfahrer äußerten sich durchweg positiv über das neue Konzept. Schon bald durfte sich der neue Renault mit dem Titel "Auto des Jahres" schmücken.

Was der Neue bot, war im Vergleich zu den typischen Autos der sechziger Jahre nicht nur in Hinblick auf die Form zukunftsträchtig. Hinzu kam eine Vielzahl praktischer Details, die auch in aktuellen Fahrzeugen noch eine Erwähnung wert wären. Besonders galt das für den vielseitig nutzbaren Innenraum - also das, was heute gern mit dem Stichwort Variabilität beworben wird.

So verfügte der Renault 16 über eine Rücksitzbank, die sich je nach Bedarf um 15 Zentimeter verschieben ließ - so dass entweder mehr Platz für Passagiere oder mehr Raum für das Gepäck zur Verfügung stand. Natürlich ließ sich die Rücksitzbank auch umklappen, wobei ein heute eher ungewöhnliches Prinzip zum Einsatz kam: Die Sitzflächen ließen sich in bekannter Art und Weise nach vorne kippen - die Rückenlehne dagegen wurde unter den Dachhimmel gehängt.

Auch bei den vorderen Sitzen wurde - je nach Ausstattungsvariante - Wert auf Verstellmöglichkeiten gelegt. So gab es neben den üblichen Liegepositionen eine "Mama"-Einstellung. Dabei wurde der Beifahrersitz bis an die Rückbank nach hinten geschoben, so dass ein hinten sitzendes Kind bei einer spontanen Bremsung nicht in den Fußraum purzeln konnte.

Reserverad im Motorraum

Die Technik des Schrägheck-Renault barg dagegen nichts Revolutionäres. Unter der großen Motorhaube versteckten sich wenig aufregende Vierzylindermotoren, die immerhin aus Aluminium gefertigt waren. Weil die Aggregate den Raum nicht gänzlich ausfüllen konnten, mussten sie das Areal unter anderem mit dem Reserverad teilen. Zu Anfang gab es gerade einmal 55 PS - später sollte die Palette jedoch noch ausgeweitet wurde.

Cockpit: Spartanischer Leitstand
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Cockpit: Spartanischer Leitstand

Wer das Auto mit genauem Blick von beiden Seiten betrachtete, konnte jedoch feststellen, dass der R16 eine technische Ungewöhnlichkeit mitbrachte, die er von dem kleinen Renault 4 geerbt hatte: Die Fahrwerkskonstruktion sorgte dafür, dass der Radstand auf beiden Seiten unterschiedlich war - links waren die Räder 6,7 Zentimeter weiter voneinander entfernt als rechts.

Wie auch immer - der komfortable Franzose mit dem angenehmen Fahrwerk und den typisch watteweichen Sitzen wurde schnell ein Erfolg. Das führte branchenüblich dazu, dass man das Angebot um zusätzliche Motor- und Ausstattungsvarianten bereicherte, und immer mal wieder kamen Verbesserungen hinzu. So kam 1967 der sportliche R 16 TS mit vergleichsweise üppigen 83 PS, was eine Spitze von 165 km/h ermöglichte. 1971 brachte ein Facelift größere Heckleuchten mit sich. Außerdem wurde der eher schwachbrüstige 55-PS-Motor durch ein Exemplar mit 67 PS ersetzt.

Fast zwei Millionen R16

1973 feierte dann jene Version des R16 ihre Premiere, die für viele Anhänger die Aufregendste war: der R 16 TX. Unter seiner Motorhaube standen 93 PS zur Verfügung, die den Wagen mit bis zu 170 km/h über die Autobahnen jagen ließen. Dazu gab es elektrische Fensterheber und auf Wunsch auch edle Extras wie eine Lederpolsterung oder ein elektrisches Schiebedach. Äußerlich setzte er sich zumindest an der Frontpartie von den schwächeren Familienmitgliedern ab - statt der üblichen quer liegenden Rechtecklampen gab es quadratische Doppelscheinwerfer.

Große Klappe: Verschiebbare Rückbank sorgte für viel Platz
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Große Klappe: Verschiebbare Rückbank sorgte für viel Platz

Der R16 war in den siebziger Jahren immer noch so beliebt, dass selbst sein Nachfolger ihn nicht sofort von den Fließbändern vertreiben konnte. Nach dem Debüt des neuen Renault 20 behielt die alte Nummer 16 noch bis in den Januar 1980 ihren Platz im Programm. Am Ende waren 1.845.959 Exemplare produziert worden. An diesen Erfolg kam der Avantime nicht einmal annähernd heran - er brachte es von 2001 bis 2003 auf gerade einmal 8450 Stück.

Von Heiko Haupt, gms



insgesamt 261 Beiträge
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Seite 1
Don Jusi, 04.10.2005
1.
Theoretisch habe ich etliche Traumautos, sowohl Youngtimer als auch aus der Oldtimer. Was mich abschreckt, ist die ewige Bastelei, der Zeit- und Platzbedarf, die mangelnde Ersatzteilversorgung, die Umweltschädlichkeit und nicht zuletzt der hohe Spritverbrauch. Aber schön anzusehen ist es immer. Bleibt für mich also ein Hobby für Reiche, die viel Haus- und Grundfläche besitzen und auch genügend Zeit haben.
Franz Dumfart, 04.10.2005
2.
Hehe. Mein Renault 5 ist nun 19 Jahre alt, ein paar Jährchen noch und ich bin auch ein Oldtimer Fan ;) Grundsätzlich bin ich aber kein Liebhaber von "alten" Autos. Mir gefallen sie auch meist gar nicht, und generell finde ich so einen riesen Trubel um Autos immer recht unnötig. Ist doch nur ein Auto.
B.W., 04.10.2005
3. - - -
Trotz des oft wunderschönen Anblicks, möchte ich keine Oldtimer besitzen. Wie oben schon erwähnt, bedarf es bei einem solchen Auto viel Zeit und Geld, dass ich in der Menge nicht besitze :-) . Mein Traum jedoch ist es, einemal auf Kuba mit einem alten amerikanischen Auto durch Havanna zu fahren (Dort wurden nach dem Importembargo Amerikas keine Autos mehr importiert). In der linken Hand eine Cigarre von der Dicke einer Weißwurst, in der rechten eine Flasche Rum! Das Lenken ist dann das einzige Problem.... Grüße!!!
Kunigunde, 05.10.2005
4.
1. Ich fahre grundsätzlich nur "alte" (= gebrauchte) Autos - wenn ich mir den Wertverlust gerade im 1. Jahr angucke, dann weiß ich, daß sich die Autohersteller über die dummen Neuwagenkäufer scheckig lachen müssen. 2. Die weit überwiegende Mehrzahl der modernen Autos ist nicht wirklich "schön": Quietschfarben, entweder grimmig-aggressiv (-> Zielgruppe: Männer) oder Kindchenschema (-> Zielgruppe: Frauen). Aber schön und elegant? Ganz ehrlich: Seit Ende der 1960er Jahre (wieder mal) kam da nicht mehr viel. Einen Oldtimer würde ich mir aber nur als Dritt- oder Viertwagen kaufen - für den Alltag im heutigen Straßenverkehr mit Millionen von Idioten hinterm Steuer sind die schönen Autos "von Gestern" viel zu schade! MfG Kunigunde
Ulrich Ochmann 05.10.2005
5.
Würde sehr gerne einen Oldtimer fahren, und mit großer Wahrscheinlichkeit wird mein nächstes Alltagsauto mindestens 10 Jahre alt sein. Ein "richtiger" Oldtimer im Alter von über 30 Jahren ist in meinen Augen als Alltagsauto nicht mehr so ganz zeitgemäß. Schlicht zu schade für den alltäglichen Straßenverkehr! ---Zitat von Don Jusi--- Bleibt für mich also ein Hobby für Reiche, die viel Haus- und Grundfläche besitzen und auch genügend Zeit haben. ---Zitatende--- Das ist nur eine Zielgruppe, und diese Leute lassen die meisten Arbeiten ja von Werkstätten machen. Es gibt noch eine zweite Zielgruppe, und das sind meistens technisch begabte und begeisterte Menschen mit Affinität zum Basteln. Da muss nicht viel Geld vorhanden sein, das Talent gleicht es aus.
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