60 Jahre VW-Bulli Einer für Hippies und Handwerker

Wenige Autos haben eine so treue Anhängerschaft wie der VW Bulli. Der Kleinbus mobilisierte Generationen von Handwerkern, Urlaubern und Hippies. Nachdem Volkswagen den Bulli-Kult lange ignoriert hatte, soll im Oktober eine große Party zum 60-jährigen Jubiläum die Fans versöhnen.


"Well, I'm gonna find a home on wheels" heißt es im Stück "Going mobile" der britischen Rockband The Who. "Der VW Bus, über den ich in diesem Song schrieb, war das rollende Hippie-Heim - wir alle liebten ihn", sagt Pete Townshend, Gitarrist und einer von zwei Überlebenden der Originalbesetzung von The Who. Die vor einem Jahr neu formierte Band wird - mit Townshend und Sänger Roger Daltrey - zur großen Party der VW-Bulli-Gemeinde auf dem Messegelände in Hannover aufspielen. Ein exklusives Konzert für alle, die mit ihren Bussen zur Geburtstagsparty des Multimobils anreisen werden.

So weit hat es ein Auto gebracht, dessen Geschichte in einem kleinen Notizblock begann. 1947 strichelte der Niederländer Ben Pon ein kastenförmiges Vehikel in sein Ringbuch. Die Idee hatte der Autohändler bei einem Besuch des VW-Werksgeländes in Wolfsburg gehabt, wo er von der Belegschaft selbst fabrizierte Lastwägelchen auf Käfer-Basis gesehen hatte.

Zwei Jahre später ging Pons Entwurf tatsächlich als VW Typ 29 in Serie. Der VW-Bus war geboren, ein pragmatischer Transporter mit selbsttragender Karosserie, luftgekühltem Heckmotor (mit 26 PS Leistung) und einer Länge von 4,15 Meter. Das Auto konnte 750 Kilogramm Nutzlast transportieren, schaffte 75 km/h und verbrauchte ungefähr 8 Liter Benzin je 100 Kilometer. Von der ersten Generation mit der geteilten Frontscheibe, die heute T1 genannt wird, wurden bis 1968 mehr als 1,8 Millionen Exemplare gebaut. Es folgte T2 (durchgehende Frontscheibe), T3 (kantige Karosserie), T4 (Ende der Heckmotor-Ära). Inzwischen wird im VW-Nutzfahrzeug-Werk in Hannover die fünfte Generation, kurz T5, gebaut - insgesamt mehr als zehn Millionen Exemplare unterschiedlichster Bulli-Bauart wurden bislang gefertigt. Bulli oder VW-Bus allerdings wurden die Fahrzeuge nie offiziell genannt, stattdessen spricht das VW-Marketing heute spröde vom Multivan.

Bekannt und berühmt wurde der Wagen, weil er zunächst in Deutschland das Wirtschaftswunder mit ins Rollen brachte - und zwar als Transportvehikel für Bahn und Post ebenso wie für Tausende von Spediteuren, Handwerkern oder Großhändlern. Außerdem trat das Auto auch - mit Seitenfenstern - als Kleinbus in Aktion. Seit 1955 gab es den Bus sogar als speziell ausstaffiertes Freizeitfahrzeug mit Panoramafenstern im Dach. Samba hieß das Ferien- und Campingmodell, das wenigstens einen Hauch von Copacabana-Flair in den Harz, die Eifel oder das bayerische Voralpenland bringen sollte.

Summer of Love im hinteren Abteil

Seinen internationalen Durchbruch erlebte der Bulli in der Hippie-Ära - zunächst in Kalifornien. Der Summer of Love spielte sich häufig in ebenso phantasievoll wie farbenfroh bemalten Bullis ab. Bands gingen mit dem Kleinbus auf Tournee, Fans reisten in den gleichen Wagen ihren Idolen hinterher. Um diese Zeit einzufangen, hat VW The Who nach Hannover eingeladen - und als Vorgruppe die Braunschweiger Band Sweety Glitter and the Sweethearts verpflichtet.

Drei Tage lang soll auf 108.000 Quadratmetern eine Bulli-Welt entstehen - mit Gästen und ihren VW-Bussen aus aller Welt. "Wir wollen das Thema Bulli auch künftig stärker wieder aufleben lassen", sagt Stephan Schaller, Sprecher des Markenvorstands von VW Nutzfahrzeuge. Wird auch Zeit: In der Vergangenheit haben die Wolfsburger das Bulli-Erbe wie bereits den Kult um den GTI sträflich vernachlässigt. Die drei Tage von Hannover - mit einem Konvoi historischer Fahrzeuge, der Open-Air-Aufführung des Bulli-Films "Little Miss Sunshine", und den schon erwähnten Bands und sollen die treue Fangemeinde mit dem bislang kaltherzigen Hersteller versöhnen.

Die Bulli-Liebhaber sind zum Teil schon seit Jahrzehnten organisiert, ganz ohne Zutun von VW. Es gibt zahlreiche Clubs und Gemeinschaften wie die VW Bus Freunde Recklinghausen oder die Bulli Boys aus Kanada. Es gibt sogar ein privates Bulliregister, dessen Betreiber Arne Reckermann es sich zum Ziel gemacht hat, alle Modelle der ersten Generation zu erfassen( www.bullikartei.de).

Ein Bulli-Fan wird aus Australien anreisen

Das Jubiläumstreffen in Hannover, so viel zeichnet sich bereits ab, dürfte ein Erfolg werden. "Die Nachfrage ist gigantisch, wir werden praktisch überrollt von Bullis", sagt Sprecherin Silke Schumacher. Längst sind die 3700 Stellplätze auf dem Gelände vergeben. Mit den Bullis haben sich bis jetzt bereits mehr als 8300 Fans angemeldet.

Ein Teilnehmer wird sogar aus Australien erwartet. "Der dürfte dann den Preis für die weiteste Anreise gewinnen", sagt Schumacher. 25 Euro kostet der Bulli-Parkplatz und die Teilnahme von bis zu vier Personen an allen Angeboten sowie am für Bulli-Fahrer exklusiven Konzert von The Who. Pete Townshend verspricht: "Wir werden Hannover rocken."

jüp/mab

Mehr zum Thema


Forum - Altmetall VW-Bulli - was sind Ihre Erfahrungen?
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Knütterer, 26.09.2007
1. T1 - T5
Zitat von sysopDer Verkehr auf deutschen Straßen wird von Altwagen dominiert, die fünf, zehn oder mehr Jahre auf dem Buckel haben. Was taugen die betagten Modelle? Was sind Ihre Erfahrungen mit alten VW-Bulli-Modellen?
Hallo, den T1 habe ich 1967 währned meiner Ausbildung gefahren und kennengelernt. Sensationell der Ölverbrauch, der mir erstmals das häßliche Geräusch eines "verreckten" Motors nahebrachte! Dann kurze Zeit im T2, später mal als Alternative zum Porsche einen T3 aus dem Fundus eines Vorstandsvorsitzenden von VW. Dieses Auto war Versuchsmodell für Innenraum -Design und gleichzeitig Versuchsträger für Motoren. Der Brief hatte so 8-10 Einträge zu verschiendenen Motoren ;-)) 2005 bin ich dem "tückischen Charme" eines T5 Multivan-Higline erlegen und dies war echt die "letzte Kiste" - Elektronik-Probleme ohne Ende, binnen eines Monats nach Zulassung eine neue Lenkung + Teile der Vorderachse ausgetauscht. Dann alle seitlichen Fenster ersetzt und später nochmals die angeschimmelten Rollos - ein Super-GAu für die Nutzis aus Hannover - bähhh!
dt1011047 26.09.2007
2. Arbeitstier
Ich fahre mittlerweile den fünften Bulli, meinen ersten hatte ich vor rund 20 Jahren. Alles waren gebrauchte Modelle, meist um die 15 Jahre alt, alles T2 und T3. Alles Benziner. Der Motor hat mich nie wirklich im Stich gelassen. Nur ein T2, da versperrte sich manchmal ein Ventil, da mußte ich dann schonmal mit 50 PS minus einem der vier Ventile 400 km heimwärts fahren, bis mein Mechaniker das wieder in Ordnung brachte. Ach ja, und die Anlasser verklemmten sich bei den T2-Modellen auch öfters. Beim meinem letzten T3 (Bj '88) Meine Erfahrung ist, daß der Antrieb immer die Karosserie überdauert: Der Rost macht auch noch meinem T3 zu schaffen. Und eine Neulackierung würde mehr kosten als der Wagen meist noch Wert ist; sowas würde sich höchstens bei einem gut ausgestatteten Wohnmobil noch lohnen. Schlucken tun sie alle viel. Aber mein 2l-Benziner mit rund 95 PS kommt gut voran, auch in der Stadt (auf der AB macht er 130km/h nach Tacho, und das trotz Aufstelldach). Und da seine Länge auch nicht größer als die eines Mittelklassewagens ist, habe ich auch kaum Probleme mit Parkplätzen. So habe ich ein sehr universelles Auto, das ich gerne für Reisen oder größere Besorgungen verwende, und sonst eher Rad und ÖPNV benutze. Ach ja - mit dem Status als Wohnmobil zahle ich auch nur rund ein Drittel an Versicherung, das macht Einiges an den höheren Kosten wieder wett. Abgesehen vom Verbrauch und dem Rost bin ich sehr zufrieden mit dem Wagen. Bedauerlicherweise bekomme ich keine Plakette f. verminderten Schadstoffausstoß, so daß ich befürchten muß, daß ich den Wagen bald nicht mehr in München parken kann. Dann wird er wohl praktisch wertlos für mich. Das würde am meisten schmerzen.
dt1011047 26.09.2007
3. Lebensdauer nochmal
Ach so, um am Thema zu bleiben: Von den 5 Bullis habe ich zwei selbst durch Unfälle verschrottet, einer mußte ich praktisch erschießen (Kupplung war hin, und Reparatur lohnte sich nicht mehr), einen fahre ich seit 4 Jahren und einer... weiß nicht mehr. Unterm Strich fand ich diese alten Modelle doch sehr langlebig und wenig anfällig. Nur ein Porsche 911 Cabrio (Bj. 1987, noch mit Luftkühlung, wie auch alle meine Bullis), den ich mir ein paar Jahre leisten konnte, war noch unanfälliger - der hatte in 6 Jahren kein _einziges_ Problem, dafür mußte er aber auch jedes Jahr für viel Geld in die Wartung.
Okatjerute 26.09.2007
4. Ein Leben im Bulli...
Ich bin quasi im T2 aufgewachsen, in Namibia. Und dort steht immer noch ein T3 im Familienbesitz, der durch schon einige Gegenden gefahren ist, wo nur Geländewagen erlaubt sind... Ich selbst habe einen T3, Ex-Lieferwagen, Selbstausbau mit Hochdach von 1990 - mit inzwischen neuem (runderneuerten) Motor (TD), neuem, gebrauchten Getriebe und neuer (runderneuerter) Einspritzpumpe. Ich möcht mein Auto nie mehr missen. Und leider gefallen mir die T4- und T5-Busse nicht, wegen des zu kleinen Innenraums. Also muss ich mein altes Auto weiterpflegen. :) Schade, dass VW so gar nichts für uns "Altautofahrer" übrig hat.
Kerryman, 26.09.2007
5. The Boxer
Mit meinem Bulli (ein 87er T3, Caravelle Carat, MV-Motor) habe ich durchweg recht gute Erfahrungen gemacht. Er ist reisetauglich (95 PS), ein echtes Transportgefährt mit einem unschlagbaren Platzangebot, komfortabel (elektrische Fensterheber, 6 Einzelsitze, Klima-Anlage, Zentralverriegelung!) und war seiner Zeit weit voraus. Dank serienmäßigen Kats erreicht er die Euro-2 Norm, was ihn steuerlich recht günstig macht (135 Euro) und auch sein Durst hält sich mit durchschnittlich 11,5 Litern Normalbenzin im Rahmen. Gut, Die 20 Jahre sind nicht spurlos an meinem Bus vorüber gegangen. Aber andere Autos werden oft erst gar nicht so alt. Und dank der großen Fangemeinde sind auch kleinere Reparaturen als Nichtfachmann relativ unproblematisch: es findet sich immer jemand, der einen guten Tipp hat oder gleich selbst helfend unter den Bus kriecht! Da kann man nur sagen: herzlichen Glückwunsch Bulli!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.