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600 Kilometer ohne Nachladen: E-Auto schafft Reichweiten-Rekord

Von Jürgen Pander

Ist das der Durchbruch für die Elektromobilität? Am Dienstag erreichte ein zum Elektroauto umgebauter, in München gestarteter Audi A2 Berlin - und zwar ohne zwischenzeitlichen Ladestopp. Möglich machte die Rekordfahrt eine neue Akku-Technologie.

DPA

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) war entzückt, als das Elektroauto Dienstagvormittag an seinem Amtssitz in der Scharnhorststraße eintraf. Der gelb-violett lackierte Audi A2 hatte die Strecke von München nach Berlin - rund 600 Kilometer - ohne Zwischenstopp zum Nachladen der Akkus an Bord zurückgelegt. Diese Distanz war zuvor noch nie von einem alltagstauglichen, viersitzigen Elektrofahrzeug mit einer Batterieladung bewältigt worden. Brüderle nannte die Fahrt einen "Durchbruch" und sagte: "Jetzt kommt es darauf an, dass aus dieser Meisterleistung made in Berlin ein Welterfolg wird."

Die elektrische Rekordfahrt war ein Gemeinschaftsprojekt des Technologieunternehmens DBM Energy und der Energieanbieters Lekker Energie. Mirko Hannemann, Geschäftsführer von DBM, fuhr das Auto von München nach Berlin. Möglich wurde die Nonstop-Fahrt nach Auskunft Hannemanns durch eine neue Akku-Technologie namens Kolibri. Es handelt sich um Energiespeicher auf Lithium-Metall-Polymer-Basis, deren Wirkungsgrad bei mehr als 97 Prozent liegen soll. Zudem sind sie nach Angaben von DBM Energie leichter als vergleichbare Akkus, komplett wiederverwertbar und - ein Starkstrom-Anschluss vorausgesetzt - binnen 20 Minuten vollständig aufgeladen.

"Die Technologie funktioniert und ist serienreif. Nun ist es an der Industrie, die Potenziale zu nutzen und der Elektromobilität einen Quantensprung zu ermöglichen", sagte Hannemann. Brüderle erklärte, es komme jetzt darauf an, "diese hoch effiziente Batterie-Technologie am High-Tech-Standort Deutschland in die Serienfertigung zu bringen und für den breiten Einsatz in Elektrofahrzeugen nutzbar zu machen". Sein Ministerium hatte den Feldversuch mit 275.000 Euro unterstützt.

Mit Tempo 90 durch die Nacht nach Berlin

Das "Lekker Mobil" genannte Elektroauto war - bis auf den Antrieb und den Energiespeicher - nicht verändert worden. Der Audi A2 hatte weiterhin einen voll nutzbaren Kofferraum und war mit Klimaanlage, Servolenkung, Sitzheizung, Musikanlage und Einparkhilfe ausgestattet.

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Elektroauto "Lekker Mobil": Rekorddistanz mit einer Akkuladung
Bei der nächtlichen Autobahnfahrt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 km/h kamen die meisten dieser Komfortsysteme allerdings nicht zum Einsatz. Am Ziel in Berlin waren übrigens noch 18 Prozent Ladeleistung in den Akkus vorhanden.

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1. schöne Schlagzeile mal wieder
unente, 26.10.2010
Ich hätte gern einen leichten "Stadtflitzer", ohne diesen ganzen energiefressenden Schnickschnack und zu einem akzeptablen Preis. Den würde ich sofort als Zweitwagen kaufen. Offenbar ist die Technologie schon lange vorhanden, wird nur nicht genügend forciert. Dieses "600-km-Superauto" ist doch noch lange völlig unbezahlbar, wenn es dann endlich den Markt erreichen sollte. Vielleicht sind die Chinesen ja so schlau und produzieren lieber Billig-Kurzstrecken-E-Autos.
2. Gute Nachricht
hajoschneider 26.10.2010
Zitat von sysopIst das*der Durchbruch für die Elektromobilität? Am Dienstag erreichte ein zum Elektroauto umgebauter, in München gestarteter Audi A2 Berlin - und zwar ohne zwischenzeitlichen Ladestopp. Möglich machte die Rekordfahrt eine neue Akku-Technologie. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,725418,00.html
... kauf ich.
3. Nicht immer gleich meckern!
zaphod1965 26.10.2010
Zitat von unenteIch hätte gern einen leichten "Stadtflitzer", ohne diesen ganzen energiefressenden Schnickschnack und zu einem akzeptablen Preis. Den würde ich sofort als Zweitwagen kaufen. Offenbar ist die Technologie schon lange vorhanden, wird nur nicht genügend forciert. Dieses "600-km-Superauto" ist doch noch lange völlig unbezahlbar, wenn es dann endlich den Markt erreichen sollte. Vielleicht sind die Chinesen ja so schlau und produzieren lieber Billig-Kurzstrecken-E-Autos.
Ist schon toll, woher Sie das alles wissen... Wenn die Angaben im Artikel der Wahrheit entsprechen ist das tatsächlich der lang ersehnte Durchbruch in der Elektromobilität. Jetzt heißt es eher darauf hoffen, dass es sich nicht um eine Ente oder einen Betrug gehandelt hat.
4. Bezahlbar..
bluearoma 26.10.2010
ist die Technik einigermassen bezahlbar, bin ich der Erste der das kauft.. 600 km kommt mein Wagen mit 50 Liter Tankinhalt auch. Dann mal los und nicht wieder andere abkucken lassen!
5. Praxistauglich
zaphod1965 26.10.2010
Wenn das stimmt, ist das tatsächlich der Durchbruch zur Elektromobilität. 20 Minuten Ladezeit bei 600km Reichweite - da wäre schon die Hälfte völlig ausreichend, also auch ein günstigeres Modell. Auf diese Nachricht habe ich schon lange gewartet, denn in der Forschung hat man über diese neue Akku-Technologie schon seit Jahren gesprochen. Jetzt hat sie offenbar endlich jemand umgesetzt. Es wäre einfach zu schön, um wahr zu sein.
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Fahren mit Strom: Die zehn erstaunlichsten Elektroautos
Förderung umweltfreundlicher
Autos in Europa
Hintergrund und Berechnungsgrundlage
Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.

Österreich
Österreich: Befreiung von der einmaligen Verbrauchsabgabe (1602 Euro) und der Kfz-Steuer (403 Euro pro Jahr).
Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
Irland
50 Prozent Steuernachlass oder 2500 Euro Zuschuss für Fahrzeuge mit Hybrid- oder Flexfuel-Antrieb.
England
Ab 2011 sollen Käufer von Elektroautos mit einer Summe zwischen umgerechnet 2300 und 5000 Euro unterstützt werden - zunächst ist die Subvention begrenzt bis 2016.
Frankreich
2000 Euro Bonus für Hybrid-, Erd- oder Flüssiggasantrieb mit weniger als 140 g/km CO2-Ausstoß. 5000 Euro für alle Fahrzeuge mit weniger als 60 g/km. Gewerbliche Fahrzeuge werden zudem von der Dienstwagensteuer befreit (1250 Euro pro Jahr).

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Geräusche von E-Modellen: Schräger die Autos nie klingen

Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)
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Elektroautos im Aufwind O: Modelle und Meilensteine

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