Tesla-Akkutausch: Einmal vollladen, bitte!

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Fixer als tanken: Außer Schnellladestationen will Elektroautobauer Tesla seinen Kunden bis Ende dieses Jahres Wechselstationen anbieten, wo Akkus einfach getauscht werden. Die Strategie ist riskant - ein ähnliches Projekt ist bereits gescheitert.

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Tesla Motors

Tesla Model S: 90 Sekunden für den Batteriewechsel

Palo Alto - Elektromobile, die Emotionen wecken - damit gelang dem kalifornischen Autohersteller Tesla der Durchbruch. Doch neben dem hohen Preis für die umweltfreundlichen Sportwagen schreckte bislang viele Kunden die geringe Reichweite und die lange Wartezeit ab, bis die Batterien wieder aufgeladen waren - Schnellladestationen hin oder her. Doch dieses Handikap will Tesla-Chef Elon Musk jetzt beheben: Mit Wechselstationen, die den leeren Akku einfach gegen einen vollen tauschen.

In nur 90 Sekunden soll die Prozedur erledigt sein. So zumindest suggeriert es ein kurzes Video, in dem Musk einen Tesla Model S auf einer solchen Wechselstation gegen einen Audi A8 antreten lässt, der an einer konventionellen Tankstelle Sprit nachfasst. Viel kann man darauf zwar nicht erkennen, doch das Publikum reagiert begeistert, als der rote Tesla von der Station rollt. Der Audifahrer hat zu diesem Zeitpunkt gerade einmal rund 15 Liter getankt. Auch das Laden an der Schnellladestation würde rund 15-mal länger dauern.

Die erste Batterie-Wechselstation will der Elektro-Pionier zwischen Los Angeles und San Francisco in Betrieb nehmen, weil dort die meisten Tesla-Kunden unterwegs sind, wie es im Unternehmen heißt. Den Plänen zufolge soll jede der geplanten Stationen etwa 50 Wechsel-Akkus bereithalten.

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Tesla Model S: Geschärft in die letzte Testrunde
Spannend wird die Frage, ob die Kunden das Angebot nutzen. Anlass zur Skepsis gibt es durchaus: Better Place etwa ist mit einem ähnlichen Konzept bereits gescheitert. In Kooperation mit dem Autohersteller Renault-Nissan wollte das israelische Unternehmen ein Netz von Akku-Wechselstationen für die Fahrzeuge der Marken errichten. Die Kunden nahmen die Idee allerdings nicht an; im Mai musste das Unternehmen Insolvenz anmelden.

Und einige kleine Unterschiede machen die Prozedur für die Tesla-Besitzer sogar noch ein wenig umständlicher. Denn anders als Better Place ist das Wechselsystem nicht als Ringtausch ausgelegt. Der Fahrer entscheidet, ob er den Akku auf der Rückfahrt wieder einbauen, oder ihn sich auf eigene Kosten nach Hause schicken lässt. So sei gewährleistet, dass er sich beim Tausch nicht verschlechtere, lautet das Argument.

Anders als die Schnellladestation ist der Wechsel auch nicht kostenlos, sondern kostet 60 Dollar. Dafür ist der Akku dann aber auch zu 100 Prozent aufgeladen - an der Säule ist die Ladung aus technischen Gründen auf rund 50 Prozent begrenzt.

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Elektroautos im Aufwind: Modelle und Meilensteine

Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Honda Civic, Honda Insight
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz)
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

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