90 Jahre BMW Motorräder: Die Blechtrommeln

Von Jürgen Pander

90 Jahre BMW Motorräder: Durchgeboxt Fotos
BMW Group Archiv

Heute denken die meisten Menschen bei BMW an Autos. Dabei machten Motorräder die Marke groß. Die rasante Geschichte der BMW-Krafträder mit den charakteristischen Boxermotoren erzählt ein neues Buch - vor allem in spektakulären Fotos.

Das Publikum auf der Automobilausstellung in Berlin im September des Jahres 1923 staunte: Über ein neues Motorrad. "...endlich der Gipfelpunkt der Ausstellung, die neue BMW Maschine mit quer zur Fahrtrichtung gestellten Zylindern", schrieb damals ein Journalist.

Die neuartige Konstruktion war zugleich der Beginn der Motorradgeschichte der Marke BMW, die bis dahin Flugzeug- und Einbaumotoren sowie Eisenbahnbremsen hergestellt hatte. Den vielversprechenden Start ins Motorradgeschäft und die darauffolgende 90 Jahre bis heute schildert jetzt der neue, großformatige, knapp drei Kilo schwere Buchbrocken "90 Years BMW Motorrad".

Auf 304 Seiten beschreiben die Autoren Jürgen Gassebner und Martin Bölt die Geschichte der Motorradmarke BMW, in sauberer chronologischer Ordnung, vielen separaten Textblöcken und einer unüberschaubaren Zahl an Details und technischer Daten.

Den größten Anteil aber erzählen in diesem Buch die Bilder. Mehr als 300 Fotografien vermitteln einen Eindruck davon, was die Marke BMW in der Motorradwelt bis heute so besonders macht: der längs eingebaute (gemessen an der Richtung der Kurbelwelle), liegende Boxermotor und der Wellenantrieb. Auch wenn BMW bereits 1925 ein Motorrad mit Einzylindertriebwerk vorstellte und aktuell beispielsweise auch das bislang leichteste Reihensechszylindermotoraggregat mit mehr als 1000 ccm im Motorrad-Serienbau anbietet (102,6 Kilogramm) - der Boxer ist nach wie vor das Charakteristikum der BMW-Maschinen.

Die Maschine von der Automobilausstellung vor 90 Jahren - die R 32 - etablierte damit ein Konstruktionsprinzip, das bis heute gilt. Der damalige Motor verfügte über einen Hubraum von 498 ccm, leistete 8,5 PS und beschleunigte das Motorrad auf bis zu 100 km/h. Entwickelt wurde der Motor vom schwäbischen Ingenieur Max Friz, der natürlich auch auf einem Foto im Buch auftaucht; im eleganten Dreiteiler mit Uhrenkette, blütenweißem Kragen und Schnauzbart.

Innovationen auf zwei Rädern

Der opulente Band nimmt den Leser mit - nicht nur auf eine Reise durch die BMW-Motorradgeschichte, sondern der Historie des Motorrads überhaupt. Schließlich stammen einige wichtige Innovationen von der bayerischen Marke - etwa das erste Serienmotorrad mit hydraulisch gedämpfter Teleskop-Vorderradgabel (1934), oder das erste Serienmotorrad mit Fußrasten und Fußschaltung (1936). 1955 stellte BMW das erste Serienmotorrad mit Vollschwingenfahrwerk vor, 1976 die erste im Windkanal entwickelte Vollverkleidung. 1988 fand das ABS erstmals Eingang in die Serie und 1991 der Drei-Wege-Katalysator.

Es sind vor allem solche technischen Meilensteine, die das Image der Motorradmarke BMW geprägt haben - und die das Buch akribisch zusammenträgt. Deutlich wird das schon im Vorwort von John Surtees, dem bislang einzigen Motorsportler, der sowohl Motorrad- als auch Formel-1-Weltmeister war.

Er bestritt nur ein einziges Rennen auf einer BMW, 1955 auf dem Nürburgring, wo er mit Vergaserproblemen ausschied. Er triumphierte später mit MV Agusta und bei den Autos im Ferrari, fuhr und fährt jedoch privat BMW-Fahrzeuge. Den Wunsch, Motorradrennfahrer zu werden, aber weckte in Surtees ein Foto, das auch im Buch zu sehen ist - und natürlich in der Bildergalerie zu diesem Text.

Anm. d. Red: In einer früheren Version der Bildergalerie hieß es fälschlicherweise, dass sich BMW mit der R 80 GS Basic von der Luftkühlung verabschiedet hat. Richtig ist, dass die R 80 GS Basic das letzte BMW-Motorrad mit Zweiventiltechnik war. Und die Konkurrenzmarke heißt selbstverständlich MV Agusta und nicht MV Augusta. Wir bitten, die Fehler zu entschuldigen.

Jürgen Gassebner und Martin Bölt: "90 Years BMW Motorrad", Verlag teNeues, 304 Seiten, Englisch/Deutsch, 65 Euro.

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insgesamt 42 Beiträge
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1. Nicht MV Augusta...
eph1966 26.06.2013
...sondern MV Agusta
2. Danke für die vielen Bilder!
widower+2 26.06.2013
Bei dem Titel "90 Years BMW Motorrad" muss der Text absolut unverdaulich sein.
3. optional
oschmiedel 26.06.2013
In der Unterschrift zu Bild 10 hat sich ein Fehler eingeschlichen: 1996 verabschiedete sich BMW von der Zweiventiltechnik, der Abschied vom Luftboxer hat gerade mit der 2013er GS begonnen und wird wohl erst 2015 abgeschlossen sein.
4. Ich fahre
theodorheuss 26.06.2013
Zitat von sysopHeute denken die meisten Menschen bei BMW an Autos. Dabei machten Motorräder die Marke groß. Die rasante Geschichte der BMW-Krafträder mit den charakteristischen Boxermotoren erzählt ein neues Buch - vor allem in spektakulären Fotos. 90 Years BMW Motorrad: Wuchtige Chronik zum schrägen Jubiläum - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/90-years-bmw-motorrad-wuchtige-chronik-zum-schraegen-jubilaeum-a-906137.html)
seit Jahren eine K 100 RS ( Bj. 1985 ) mit mitttlerweile 114 TSD Km auf der Uhr. Jedes Jahr im Frühling schau ich mir die neueren Modellreihen an, geh dann wieder in meine Garage, mache einen Ölwechsel an meinem Schätzchen, blas den Luftfilter frei, check die Ventile und creme, wachse und poliere liebevoll den Lack. Hab noch nichts besseres unterm Hintern gehabt als dieses masterpeace Deutscher Ingenieurskunst. Nur einmal bin ich fast schwach geworden, da hat mir mein Nachbarn seine Harley günstig angeboten, aber die wollte meine Frau nicht, zu unbequem. Wenn wir nur besseres Wetter hätten in Deutschland.
5. Bild 5
theodorheuss 26.06.2013
Zitat von sysopHeute denken die meisten Menschen bei BMW an Autos. Dabei machten Motorräder die Marke groß. Die rasante Geschichte der BMW-Krafträder mit den charakteristischen Boxermotoren erzählt ein neues Buch - vor allem in spektakulären Fotos. 90 Years BMW Motorrad: Wuchtige Chronik zum schrägen Jubiläum - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/90-years-bmw-motorrad-wuchtige-chronik-zum-schraegen-jubilaeum-a-906137.html)
ist ja mal obergeil, erinnert mich an meine XT 500 die ich mal hatte während meiner Jugend. Damals war ich damit king of Hinterrad. Bild 8, DAS waren noch Zeiten, wo Frauen tatsächlich noch Röcke getragen haben. Und er ohne Helm, lässig mit Käppie das ist doch nun wirklich nicht politisch korrekt, wo in Deutschland sogar die Hells Angels nur mit Helm unterwegs sind ;-) Bild 11, nunja muß man halt mögen, meins wärs nicht würds aber gern mal fahren.
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