Wiehltalbrücke: Gericht sperrt Autobahn für Ortstermin

Eine ungewöhnliche Gerichtsverhandlung im Prozess um den wohl teuersten Autounfall in Deutschland: Für eine Begehung der Autobahnbrücke Wiehltal wurde die A4 mehrere Stunden lang komplett gesperrt. Sachverständige entdeckten Trümmer des vor einem Jahr explodierten Lkw.

Gerichtstermin auf der Wiehltalbrücke: Sachverständige markieren die Unfallstelle
DDP

Gerichtstermin auf der Wiehltalbrücke: Sachverständige markieren die Unfallstelle

Gummersbach - Das Amtsgericht Gummersbach in Nordrhein-Westfalen hatte den Ortstermin auf der Brücke angesetzt, wo im August 2004 ein 26-jähriger Autofahrer beim Überholen mit einem Tanklastzug zusammen gestoßen war. Der Lkw stürzte mit 32.000 Litern Treibstoff von der Brücke und explodierte. Der Fahrer war sofort tot. An der Brücke entstand durch die Hitze der Explosion ein Schaden von über 30 Millionen Euro. Der 26-Jährige steht nun wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

Die vom Gericht bestellten Sachverständigen untersuchten die Autobahnbrücke und fanden ein Jahr nach dem Unglück ein 50 Zentimeter langes Kunststoffteil in einem Baum in der Nähe der Brücke, das vermutlich von dem explodierten Lkw stammt. Nach dem Ortstermin sagte der Sachverständige Alexander Wiek, dem Lkw-Fahrer seien von der Kollision mit dem Unfallwagen bis zum Absturz nur zwei bis drei Sekunden geblieben. "Er hatte keine Chance." Der 15 Meter lange Tanklastwagen sei mit einer Geschwindigkeit von rund 50 km/h fast 20 Meter in die Tiefe gestürzt. Der Transporter explodierte in der Nähe mehrerer Wohnhäuser.

Die Brücke war nach der Explosion provisorisch in Stand gesetzt worden und soll im kommenden Jahr für 30 bis 40 Millionen Euro komplett saniert werden. Ein Sprecher des Landesbetriebs Straßen NRW sagte, dazu müssten rund 20 Meter beschädigte Fahrbahn komplett aus der Brücke herausgeschnitten und ersetzt werden. Wer für den Millionenschaden aufkommen muss, wird sich erst nach dem Urteil des Amtsgerichts klären, das für den 14. September erwartet wird. Für den kommenden Montag sind die Plädoyers vorgesehen.

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  • Datum: Donnerstag 08.09.2005 | 17:29 Uhr
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