Automöbel: Blinker zu Nachttischlampen

Manche Fahrer haben sich so an ihr Auto gewöhnt, dass sie auch nach der Schrottreife des Wagens das liebgewonnene Ambiente nicht missen wollen. Ein klarer Fall für den Designer Hauke Evers: In seiner Werkstatt verwandeln sich Autoteile zu Trendmöbeln.

Wenn Hauke Evers durch seinen Möbelladen geht, wirkt es wie ein Rundgang beim Autohändler. Toyota, Alfa Romeo, VW und Chevrolet: Marken aus aller Welt sind auf den 50 Quadratmetern vereint. Der Hamburger Designer verwandelt Autositze vom Schrott in Bürostühle, Blinker in Nachttischlampen, Rückbänke in Sofas und Scheinwerfer in Raumleuchten. Seine Objekte sind gefragte Einrichtungsgegenstände in Szene-Clubs, Agenturen, Praxen oder Büros: "Sogar der Chef einer Schallplattenfirma sitzt auf einem Bürostuhl von mir", erzählt der 34-Jährige.

Der Möbeldesigner Hauke Evers sorgt für Autoambiente im Wohnzimmer
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Der Möbeldesigner Hauke Evers sorgt für Autoambiente im Wohnzimmer

Das Projekt begann vor zwei Jahren: "Ich brauchte einen Schreibtischstuhl und war unzufrieden mit den Modellen, die es gab", berichtet der studierte Maschinenbauer, "und weil ich Autobastler bin, ergab sich der erste Chefsessel von selbst." Evers fuhr auf einen Schrottplatz, baute einen Beifahrersitz aus, besorgte sich ein Untergestell von einem Bürostuhl und schraubte beides zusammen. "Meine Freunde fanden das toll, wollten auch solche Chefsessel." Inzwischen beliefert Evers Kunden im ganzen Land.

Der junge Möbelmacher bietet den Kunden Maßarbeit. Sie können sich das Automodell aussuchen, und Evers macht sich auf die Suche: "So ist das bisher teuerste Objekt zu Stande gekommen, ein Chefsessel aus einem Opel Senator. Der Kunde hatte sich das Modell ausgesucht, weil er selbst einen fuhr. Ich habe es ihm für 1300 Mark gebaut, komplett mit Armlehnen und funktionierender Sitzheizung." Ein anderer Kunde kam mit einem alten Sitz aus einem Jaguar an. Für sich selbst wählt Evers andere Marken: "Ich stehe auf japanische Modelle aus den siebziger und achtziger Jahren."

In seinem Ausstellungsraum sind ein roter Sessel aus einem Toyota Corolla zu sehen und ein Stuhl aus einem Mitsubishi Colt. Gleich daneben steht ein Glastisch, dessen Platte früher eine VW-Passat-Heckscheibe war. "Tische sind schwer", erzählt Evers, "denn dafür braucht man eine nicht gewölbte Glasscheibe, das gibt es fast nur bei Kombi-Heckscheiben." Komplettiert wird das Wohnzimmer-Ensemble durch ein Wildleder-Sofa, das früher eine Alfa-Romeo-Rückbank war. Auf die ganze Angelegenheit strahlt eine Nachttischlampe, die vorher einem Mazda 929 als Blinker und Bremsleuchte diente. Auf dem Tisch glitzert ein Aschenbecher aus einem Chevrolet.

Die Automöbel stehen in Hamburg in den coolsten Bars und sind nach Beobachtung von Evers dort immer als Erstes belegt. Auch Firmen, die sich ein schickes Image geben wollen, haben bei ihm geordert. Wenig Kontakt hat er bisher zur Autofan-Szene. "Das ist mit zu plakativ, aber wenn jemand etwas bestimmtes bestellt, bekommt er es natürlich."

Neue Projekte stehen an: Aus mehreren Saab-Kühlergrills schweißt Evers ein Zeitschriftenregal. "Man kann natürlich noch viel mehr machen", überlegt der Möbelmacher, "einen sechsfachen Sektkühler aus den Zylinderbohrungen in einem Motorblock oder ein Bett aus einem Chassis. Alles eine Geldfrage." Denn billig sind die Automöbel nicht: Der Passat-Tisch kostet 650 Mark, die Mazda-Lampe 690 Mark, der Toyota-Sessel 680 Mark und das Alfa-Sofa 1250 Mark. Sonderanfertigungen sind noch teurer.

Dafür gibt es aber Qualität, die hält: "Schließlich sind die Sitze von den Autodesignern für lange Fahrten konstruiert worden, dann kann man auch so lange drauf sitzen." Die Autositze bleiben auch in ihrem zweiten Leben als Bürostühle voll funktionsfähig: Die Rückenlehne lässt sich verstellen, die Kopfstütze verschieben. Für den gesunden Büroschlaf bleibt ein anderes Feature erhalten: Die Sitze lassen sich auch weiterhin in Liegeposition klappen.

Claus-Peter Tiemann

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  • Datum: Freitag 28.01.2000 | 11:39 Uhr
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