Abarth-Sammler Leo Aumüller Stachel im Herz

Leo Aumüller hat einen Stich und ist stolz darauf. Seit dem ersten Rennen in einem Fiat Abarth ist er begeistert von der Marke mit dem Skorpion-Logo. Inzwischen gehört Aumüller eine der größten Abarth-Sammlungen der Welt. SPIEGEL ONLINE durfte seine Schätze sehen.


Ein Skorpion ist nicht nur ein mitunter giftiges Tier, sondern auch das Markenzeichen des Tuners Carlo Abarth, der am 15. November vor 100 Jahren als Karl Abarth in Wien geboren wurde und es zu einer Legende in der PS-Branche brachte. Kaum jemand kennt die Geschichte und die Modelle des österreichisch-italienischen PS-Genies besser als Aumüller, der nördlich der Alpen als Abarth-Experte schlechthin gilt.

Abarth war nicht nur ein erfolgreicher Rennfahrer und Teamleiter, dessen Rennstall wahrscheinlich mehr Siege eingefahren hat als Ferrari und Lamborghini zusammen. Er war auch einer der ersten Tüftler, der lange vor Brabus, Abt und Co. vermeintlich banale Serienautos mit stärkeren Motoren, strammeren Fahrwerken und vor allem neuen Auspuffanlagen in rasante Renner verwandelte.

Aumüller machte diese Erfahrung 1969, als er für 4000 Mark den ersten eigenen Abarth kaufte; einen 78 PS starken 850 TC. Der Marke jedoch war der Franke schon viel früher verfallen. Bereits kurz nach seiner Lehre zum Automechaniker 1953 in einer Werkstatt für Lkw von Büssing und Pkw von Fiat hörte er zum ersten Mal von der italienischen Tuning-Legende. "Nur konnte ich damals mit 25 Mark Lohn keine großen Sprünge machen", erinnert sich Aumüller. Der Mann läuft noch immer im ölverschmierten Blaumann durch die Werkstatt und hat nichts gemein mit den oft abgehobenen und bisweilen bornierten Sammlern manch anderer italienischer Sportwagen.

Abarth-Autos, so weit das Auge reicht

Längst ist Aumüllers 850 TC nicht mehr sein einziger Wagen. Wann immer er in paar Mark übrig hatte, investierte er das Geld in einen neuen Abarth. Jetzt stehen in Aumüllers Sammlung dicht an dicht eine Handvoll aufgeblasener 500er, ein Sport-Spider von 1968, ein Abarth Simca 2000 von 1965 und jede Menge Rennwagen und Prototypen – darunter auch das Einzelstück eines für die Lufthansa gebauten Abarth-Coupés.

Wie viele Autos er zusammengetragen hat, will er lieber nicht sagen. "Sonst bekomme ich Ärger mit meiner Frau", weicht der Sammler aus. Und Neider gebe es auch genug. Doch allein in der einen Halle seiner Glanzstücke schweift das Auge über mindestens drei Dutzend Oldtimer; nebenan im Autohaus stehen weitere Modelle, und die Garagentüren hat Aumüller noch gar nicht geöffnet.

"Jeder Wagen hier ist fahrbereit"

Dass Aumüllers Abarths keine Automimosen sind, die nur bei schönem Wetter aus der Halle dürfen, davon zeugen neben dem Geruch von Öl, Benzin und Reifenabrieb vor allem die vielen Dutzend Pokale, die er ringsum aufgestellt hat. "Jeder Wagen hier in der Halle ist fahrbereit, und mit den allermeisten habe ich schon an Rennen teilgenommen", sagt der rüstige Rentner. Mille Miglia, Oldtimer Grand Prix, Solitude Bergrennen – kaum eine Zielgerade ist ihm und seinen Abarths fremd. Und seit er es etwas ruhiger angehen lässt, sitzt dafür seine Tochter Margit häufiger am Steuer. "Alle meine Kinder sind Mädchen, und alle haben sie Benzin im Blut", freut sich der Familienvater.

Fragt man Aumüller, ob er sein Idol einmal kennengelernt hat, wird der alte Herr noch schweigsamer, als er ohnehin schon ist. "Gesehen habe ich schon, aber angesprochen habe ich ihn nicht", muss er eingestehen. "Damals hatte man vor solchen Menschen einfach viel zu viel Respekt."

Einer der besten Abarth-Kenner weltweit

Heute ist es Aumüller selbst, dem Abarth-Aficionados Respekt zollen. Denn kaum ein anderer kennt sich so gut aus mit den schnellen Italienern wie der Kfz-Meister aus dem Steigerwald. Und abgesehen von einem Schweizer, einem Franzosen und einem Japaner gibt es keinen weiteren Menschen weltweit mit einem solch exquisiten Fuhrpark. Selbst das Mutterhaus Fiat besitzt weniger Abarths als Aumüller. Er gilt zudem als Leibarzt vieler altersschwacher Oldies. Und wann immer es bei einem Rennen oder einer Ausstellung um die Skorpion-Marke geht, sind Aumüller und seine Autos nicht weit.

Seit zwei Jahren ist der Terminkalender wieder voller. Denn Fiat hat die Marke, die sie bereits 1971 übernahmen, aus dem zwischenzeitlichen Dornröschenschlaf wachgeküsst. Versuche, Abarth wiederzubeleben gab es bereits mehrere. "Doch was früher lief, war halbherziger Etikettenschwindel", sagt der Sammler. Ein paar Skorpion-Aufkleber machen eben noch keinen Sportwagen. Mit den neuen Modellen jedoch ist Aumüller ganz zufrieden. Jetzt hofft er auf ein waschechtes Abarth-Modell mit eigenem Motor und eigener Karosserie. Für so ein Auto hätte er gewiss noch Platz in der Halle.



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