Abbiegeunfälle mit Fahrrädern Bike-Flash soll Lkw-Fahrer beim Abbiegen vor Radfahrern warnen

Rund 3200 Unfälle zwischen Lkw und Radfahrern gibt es jährlich, viele davon passieren beim Abbiegen. Ein neues Warnsystem soll das künftig verhindern. Jetzt wurde es erstmals an einer Kreuzung aufgestellt.


Im niedersächsischen Garbsen wird seit heute ein neues Warnsystem getestet, das abbiegende Lastwagenfahrer vor heranfahrenden Radfahrern warnt. Das System Bike-Flash ist an einem Straßenmast befestigt und soll verhindern, dass Lastwagenfahrer beim Rechtsabbiegen parallel fahrende Radler übersehen und erfassen. Bundesweit ist es die erste Anlage dieser Art. Die Kosten der Pilotanlage betragen 34.000 Euro.

"Bike-Flash"
bike flash

"Bike-Flash"

Beim Rechtsabbiegen ist der Bereich unmittelbar rechts neben einem Fahrzeug als toter Winkel schlecht einsehbar. Das System Bike-Flash überwacht den toten Winkel permanent durch Wärmesensorik bis zu einer Entfernung von 40 Metern. Wird ein Radfahrer oder ein Fußgänger im Wärmebild erkannt, werden vier Leuchtbügel aktiviert. Diese blinken in unterschiedlichen Höhen, sodass sie während des gesamten Abbiegevorgangs sowohl für höher sitzende Lkw-Fahrer als auch für Fahrer von Pkw zunächst im Sichtbereich der Frontscheibe, dann im Beifahrerfenster und anschließend auch im Rückspiegel erkennbar bleiben.

Das Warnsystem Bike-Flash wird seit Januar 2018 vom Husumer Unternehmen MRS europaweit angeboten. "Während in Deutschland ständig über die Einführung von Abbiegeassistenten diskutiert wird, um Radfahrerinnen und Radfahrer im toten Winkel zu erkennen, steht mit dem Bike-Flash eine präventive Sofortmaßnahme zur Verfügung", sagt Erfinder Martin Budde.

Immer mehr Abbiegeunfälle durch steigenden Radverkehr

Während die Gesamtzahl der Verkehrstoten in Deutschland seit Jahren sinkt und immer weniger Autofahrer sterben, stagniert jedoch die Zahl bezogen auf tödlich verunglückte Fahrradfahrer. Insbesondere die Zahl der Abbiegeunfälle nimmt dabei seit Jahren parallel zum steigenden Radverkehr in den Städten zu.

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Toter Winkel: "Bike-Flash" soll Unfälle mit Radfahrern verhindern

Nur rund 30 Kilometer von Garbsen entfernt ereignete sich fast zeitgleich zur Inbetriebnahme des Warnsystems ein tragischer Unfall. In Burgdorf bei Hannover war ein 16-jähriges Mädchen mit dem Fahrrad unterwegs, als es von einem rechtsabbiegenden Lastwagen erfasst und tödlich verletzt wurde.

cfr/dpa

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mopsfidel 23.11.2018
1. Artikel Ist mir eindeutig zu informationsarm
Wärmesensoren? Wie erkennen die den Unterschied zwischen einem Radfahrer und einer warmen Motorhaube? Beides bewegt sich und fährt in die selbe Richtung. Beides auch noch ungefähr auf selber Höhe. Wie gut funktioniert das System an heißen oder kalten Tagen. Wie erkennt das System einen dick eingepackten Radler? Wie oft kommt es zu Falschmeldungen? Denn nichts wäre schlimmer wenn man sich an das System gewöhnen würde. Denn dann würde auch ein einfaches Blinklicht reichen, welches zusammen mit der Ampelphase geschaltet wäre.
cyoulater 23.11.2018
2. Falscher Ansatz
Das ist alles schön und gut, aber warum werden nicht die LKW-Hersteller in die Pflicht genommen? Warum nicht endlich eine Pflicht zum Abbiege-Assistenen in jedem verd.... LKW?!? Keine Stadt wird sich tolle Bike-Flashs an jeder Ecke leisten können und wollen. Radfahrer gehören aber auch im letzten Kaff, auch an Stellen ohne Ampel geschützt. Wie viele solcher tragischen Unfälle braucht es denn noch, bis hier der Gesetzgeber mal endlich aufwacht?
mcbrayne 23.11.2018
3. Vorsicht + Übersicht
In den toten Winkel muss man als Verkehrsteilnehmer ja erst einmal gelangen. Das passiert bei Teilnehmern mit unterschiedlicher Geschwindigkeit dadurch, dass der eine den anderen überholt. Die Natur wollte es mal so : der Schwächere schützt sich, oder er stirbt. Wenn ein Brummi ein Fahrrad überholt, dann weiss der wachsame Fahrer, dass ein Velo neben dem LKW fährt. Kommt aber ein Fahrrad - lautlos - von hinten rechts mit 25-40km/h und quetscht sich zwischen LKW und Bordstein, dann kann der aufmerksamste Fahrer den Unfall kaum verhindern. Im Forst wird kräftig abgeholzt, im Verkehrsraumjungle hingegen wächst der Schilderwald ungebremst und wird immer häufiger durch Lichtorgeln unterstützt. Unsere Politik bringt diese Darwin'sche Selektion zunehmend aus dem Gleichgewicht, die Menschheit verblödet an der Umkehr der Verantwortung für das eigene Leben...
lanedas 23.11.2018
4. Unschlüssig
Wie die #1 ist mir auch noch nicht ganz klar, wie dieses System funktionieren, bzw. helfen soll solche Unfälle zu vermeiden. Ich frage mich hier insbesondere, was der LKW Fahrer denn machen soll, wenn dieses System blinkt? Soll er dann warten, bis der Fahrradfahrer vorbei ist? Was ist bei Falschmeldungen? Soll der LKW Fahrer dann aussteigen und nachschauen, ob tatsächlich ein Fahrradfahrer im toten Winkel ist? Wäre es nicht sinnvoller Fahrradfahrer zu sensibilisieren, sich grundsätzlich nicht neben einem LKW zu stellen? Ich meine es gibt nur zwei Situationen in denen so etwas passieren kann: Der LKW Fahrer steht schon an der Ampel und der Fahrradfahrer fährt seitlich am LKW vorbei bis zur Ampel -> Fahrradfahrer begibt sich selbst in Gefahr. Die andere Situation ist, dass der Fahrradfahrer bereits an der Ampel wartet und der LKW am Fahrradfahrer vorbei fährt. Hier sollte allerdings der LKW Fahrer wissen, dass ein Fahrradfahrer im toten Winkel ist und entsprechend vorsichtig fahren. Ein extra System als Warnung wäre im zweiten Fall demnach nicht nötig. Alternativ hilft wohl meiner Meinung nach nur eine extra Kamera am LKW, die Einsicht in den toten Winkel via Monitor gibt.
cyoulater 23.11.2018
5. mcbrayne
Zitat von mcbrayneIn den toten Winkel muss man als Verkehrsteilnehmer ja erst einmal gelangen. Das passiert bei Teilnehmern mit unterschiedlicher Geschwindigkeit dadurch, dass der eine den anderen überholt. Die Natur wollte es mal so : der Schwächere schützt sich, oder er stirbt. Wenn ein Brummi ein Fahrrad überholt, dann weiss der wachsame Fahrer, dass ein Velo neben dem LKW fährt. Kommt aber ein Fahrrad - lautlos - von hinten rechts mit 25-40km/h und quetscht sich zwischen LKW und Bordstein, dann kann der aufmerksamste Fahrer den Unfall kaum verhindern. Im Forst wird kräftig abgeholzt, im Verkehrsraumjungle hingegen wächst der Schilderwald ungebremst und wird immer häufiger durch Lichtorgeln unterstützt. Unsere Politik bringt diese Darwin'sche Selektion zunehmend aus dem Gleichgewicht, die Menschheit verblödet an der Umkehr der Verantwortung für das eigene Leben...
Ach hören Sie doch auf mit diesem Unsinn!!! Da quetscht sich niemand irgendwo rein, da STEHT jemand mit dem Rad auf dem Fahrradweg rechts neben dem LKW. Ganz legal und ganz normal. Und dieser Jemand, der sich völlig regelkonform verhält, wir plattgemacht, so sieht es aus. "Der Schwächere schützt sich oder er stirbt".
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